A Place For Tom im Interview

Thomas Gasperlmair ist Grafiker und Posterillustrator. Vor Kurzem wurde der Wahlmühlviertler von der Fachzeitschrift Lürzer’s Archiv unter die 200 besten Illustratoren weltweit gewählt. Wir haben mit ihm über seine Kunst gesprochen und ihn einige seiner Poster kommentieren lassen.

Aufgewachsen ist der Künstler Thomas Gasperlmair aka aplacefortom mit 60-er Rock und 70-er Spacerock, Schallplatten und Comics. Das war wohl der Grundstein seiner Inspiration, denn in seinen Artworks finden sich immer wieder psychedelische Motive. Aus Spaß an der Freude hat er sich diesen Beruf ausgesucht und sieht seinen Place For Tom "als Möglichkeit Neues auszuprobieren, zu experimentieren, mich weiterzuentwickeln, am besten ohne Einsatz des Computers". Experiment und Zufall sind seine Werkzeuge und der DIY-Gedanke ist ihm ebenso wichtig wie eine gute Geschichte, erzählt in seinen Postern. Egal ob witzig, zynisch, provokant oder nachdenklich, seine Kunst soll unterhalten – und das tut sie auch.

Du machst ja unter anderem Gigposter für Bands, wie sieht da die Zusammenarbeit mit den Musikern und Musikerinnen aus?

Bei Konzertpostern bin ich im Vorfeld vor allem mit den Veranstaltern in Kontakt. Ausnahmen bestätigen aber die Regel, ein Beispiel ist das Poster der letzten White Miles-Show in der Kapu. Hier stand, aufgrund der schrecklichen Vorfälle im Bataclan in Paris, die Thematik Terrorismus/Islamisum im Raum. Nach kurzer Diskussion haben wir uns dann gemeinsam entschieden, ein witziges Artwork zu einem anderen Thema zu nehmen, um die Band nicht mit diesen traumatischen Ereignissen erneut zu konfrontieren.

Bei Schallplattenartworks oder T-Shirt-Designs ist die Zusammenarbeit natürlich eine wesentlich engere, da ist laufender Kontakt zur Band essentiell, sei es telefonisch, über Facebook oder am besten face to face.

Wieviel Input an Ideen und Vorstellungen vom Endergebnis bringen die schon mit?

Unterschiedlich. Wesentlich ist immer, dass ein Konzept besteht. Ob da die ersten Ideen von der Band kommen oder von mir ist von Projekt zu Projekt verschieden. Wichtig ist einfach einen gemeinsamen Punkt zu finden, auf dem dann der grafische oder illustratorische Erstentwurf basiert. Das kann mit Songtexten zusammenhängen, mit der Klangästhetik der einzelnen Tracks oder mit der Ethik der Band.

Wie würdest du deinen Arbeitsprozess beschreiben und wie lange brauchst du von der Idee bis zur fertigen Illustration?

Wie schon gesagt, ist mir bei jedem Artwork ein Konzept bzw. Story wichtig. Schön malen können viele, einen lässigen Inhalt zu generieren schaffen aber meiner Meinung nach wenige. Das heißt für mich im Vorfeld nachzudenken was ich eigentlich erzählen will bzw. was zu der zu präsentierenden Band passt. Ein Witz über Polizisten funktioniert zum Blues-Rock von White Miles, zum morbiden Sound von Chelsea Wolfe wäre das wohl nicht angebracht.

Nachdem ich mir im Klaren bin, was es wird, überlege ich mir grob, wie das Artwork werden soll – danach geht’s gleich los, manchmal auch freestyle, Details kommen während des Malprozesses dazu.

Du wurdest ja kürzlich von Lürzer’s Archiv unter die 200 besten Illustratoren weltweit gewählt. Wie sieht die Situation für junge Illustratoren und Illustratorinnen in Österreich aus? Gibt es viel Konkurrenz?

Hm, gute Frage. Nachdem ich jetzt das Ganze erst seit relativ kurzer Zeit betreibe, kenne ich eigentlich nur die Locals in Linz und da herrscht jetzt denke ich wenig Konkurrenzgedanke, zumindest geht’s mir so. Ich freu mich immer, wenn da wer was Neues raushaut. Genial wär halt noch, wenn wir alle etwas näher zusammenrücken würden. Das funktioniert schon ganz gut mit der Independent Publishing-Veranstaltungsreihe in der Kapu, ich hoffe aber, dass da noch mehr passiert, sei es in der Form eines Webforums, Facebookgruppe oder eines Stammtisches. Falls nicht, nehme ich das vielleicht selbst in die Hand und organisiere was.

Die Poster, die du mir geschickt hast, sind ja recht psychedelisch. Woher holst du dir deine Inspiration?

Inhaltlich spiele ich mit Stereotypen, Zeitgeschehen und Zeitgeist, visuell bin ich definitiv von alten Plattencovern, polnischer Posterkunst, Hanna Barbera Cartoons, aber auch von Künstlern wie Florian Bertmer oder Naoto Hattori beeinflusst. Würde es echt gerne mal schaffen, auf dem selben Level wie die beiden malen zu können. Warum die letzten Poster ein bisschen mehr abgedreht sind als sonst, ist glaub ich die Musik der Bands für die die Poster gemacht sind, war viel Stoner Rock und Fuzz dabei! Außerdem macht es Spaß in diesem Stil zu malen!

Viele deiner bisherigen Werke waren für die KAPU in Linz. Wie sehen deine kommenden Projekte aus und wo wird man deine Illustrationen als nächstes bewundern können?

Bis Anfang September stehen sechs neue Posterprojekte auf dem Plan, diesmal auch für zwei neue Locations, für die ich bisher noch nicht gemalt habe. Für Herbst werden zurzeit meine ersten beiden Ausstellungen in Linz und Wien organisiert – bin schon gespannt, wie das für mich wird.

Mehr Infos findest du auf Tumblr, Facebook oder Instagram.

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