Alles auf Null

Die Satire Zero Crash wandelt zwischen den Genregrenzen und versucht, sich auf unkonventionelle Weise gegen die kapitalgetriebene Gesellschaft zu stellen.

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Aliens, die auf der Erde landen, gibt es in Science-Fiction-Filmen ja durchaus genug. In Zero Crash landen diese zwar auch, aber das Ganze nimmt ein anderes Ende als in genreähnlichen Filmen. Die besagten Aliens sind nämlich in Besitz in einer Glücksmaschine, die das größte Problem der Menschheit lösen soll. Die Glücksmaschine landet schlussendlich bei flüchtigen Ex-Bankern auf einer Insel. Banker ist auch schon das richtige Stichwort, setzt sich Zero Crash doch mit unserem Umgang nach Geld, mit unserer Gier nach noch mehr Vermögen auseinander – und das aus der Perspektive von verschiedenen Gruppen, die verschiedene Stellungen im (Geld-)System innehaben.

Kapitalismuskritik und Aliens

Zero Crash ist Andi Hellers erster Langfilm als Regisseur und Drehbuchautor. Gelungen ist Heller, der zuvor unter anderem als Musiker tätig war, dieser mit einem minimalen Budget von 15.000 Euro, 30 Drehtagen, 76 Schauspielern und 100 Mitwirkenden. Zero Crash wandelt dabei zwischen Satire, Musical (ja, es wird – zumindest an manchen Stellen gesungen und getanzt) stilvollem Trash und Kunstfilm. Zero Crash thematisiert ein durchaus relevantes sowie zeitgenössisches Thema und bringt interessante Ideen ein, allen voran die Verbindung der Themen Kapitalismuskritik und Aliens. Stellen Aliens herkömmlich eine Bedrohung für uns Menschen dar, sind sie in Zero Crash diejenigen, die unser Leben skeptisch betrachten. Ihr exotischer Status ermöglicht ihnen eine andere Sicht auf unser Leben und unser (Geld-)System. Zugleich sind sie es auch, die den titelgebenden Crash verursachen. Eine gute Idee von Heller war es, das Finanzsystem aus den Standpunkten unterschiedlicher Akteure zu beleuchten, wobei nahezu alle letztendlich von Gier angetrieben werden. Beeindruckend ist schlussendlich auch, dass der Film mit nur so wenig Budget auskommen musste. Dennoch solle diese Art Filme zu machen nicht zur Gewohnheit werden, so Heller.

Lohnend trotz Schwächen

Zero Crash ist kein Film, der sich mal eben so nebenbei konsumieren lässt – Popcornkino sieht anders aus. Man muss man sich auf den Film einlassen, sein Stil wird vermutlich nicht jedermanns Sache sein. Es kann mitunter auch eine Weile brauchen, um sich auf die Geschichte und deren Erzählweise einzulassen. Dramaturgisch weist Zero Crash auch den einen oder anderen Schwachpunkt auf, so werden etwa manche der Hauptdarsteller zu spät in die Geschichte eingeführt, die Dialoge wirken an vielen Stellen hölzern (wobei das eventuell gewollt sein mag) und der Showdown zum Ende kommt auch eine Spur zu schnell. Trotz dieser Schwächen lohnt sich Zero Crash. Er ist für Leute, die unkonventionelle Filme mögen und die sich auch schon das eine oder andere Mal gefragt haben, wie es denn so wäre, mit einem neuen Finanzsystem.

Zero Crash ist seit gestern in den österreichischen Kinos zu sehen. An den jeweiligen Premierenabenden in den Bundesländern gibt es Diskussionen mit dem Regisseur Andi Haller und unterschiedlichen Gästen zum Thema „Ein Grundeinkommen weltweit für alle, wäre das sinnvoll und wie könnte es erreicht werden?“ geben. Weitere Infos findet ihr auf der offiziellen Website.

Bild(er) © Zero Crash
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