Bridgeporn made in Austria

Bei den Betonbrücken des Architekturbüros Marte Marte geht es nicht nur um die einfache Frage der Überbrückung, sondern auch darum der Natur in einer Sprache zu antworten, die diese auch spricht und versteht.

© Boehringer Friedrich Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 at)

Die Sichtbetonbrücken rund um Dornbirn, für die das Vorarlberger Architekturbüro Marte Marte verantwortlich zeichnet, verbinden nicht nur die Enden einer Bergstraße miteinander, sondern auch Massivität mit Filigranität und moderne Formen mit rauer, fast schon wildromantischer Landschaft. „Die große Herausforderung bei der Konzeption eines Brückentragwerkes ist es, die pragmatischen Anforderungen an eine Brücke in einer gestalterisch ansprechenden Form umzusetzen“,  erklärt Stefan Marte aus seiner Sicht die Anforderungen an den Brückenbau. „Die gestalterischen Möglichkeiten sind theoretisch unbegrenzt. Wenn man dann an einem Konzept für eine Brücke an einem konkreten Ort arbeitet, schließen sich schlussendlich aber viele der bekannten Brückensysteme aus“. Geht es um den gestalterischen Aspekt, üben sich Schaufelschluchtbrücke (2012), Schanerlochbrücke (2005) und Kohlhaldenbrücke (2016) in nobler Zurückhaltung, ohne dabei an Haltung einzubüßen. Vor der beeindruckenden Kulisse des Naturschauspiels entlang der Bergstraße von Dornbirn hinauf ins Bergdorf Ebnit, kann eine moderne Brücke statt einer Hauptrolle aber auch fast nur die eines Statisten übernehmen. Trotz ihrer massiven Form beantworten die Brücken die Dramatik des Ortes deshalb mit leiser Flüsterstimme und reagieren auf die Rohheit des Tales  mit einer ausgekochten Mischung aus Eleganz und Klobigkeit.

Schaufelschluchtbrücke (2012) (CC BY-SA 3.0) Boehringer Friedrich  Wikimedia Commons
Schaufelschluchtbrücke (CC BY-SA 3.0) Boehringer Friedrich Wikimedia Commons
Kohlhaldenbrücke (2016) (CC BY-SA 3.0) Boehringer Friedrich  Wikimedia Commons
Kohlhaldenbrücke (2016) (CC BY-SA 3.0) Boehringer Friedrich  Wikimedia Commons

 Keine Fremdkörper

Den Architekten war es wichtig, dass die Brücken, trotz ihrer modernen Formgebung, die Sprache der Natur flüstern und es dabei schaffen nicht als Fremdkörper zu wirken. Im unbebauten Raum eine Gratwanderung: „Die Gestaltung von Brücken im urbanen Raum unterscheidet sich völlig von Brücke in der freien Landschaft. Im urbanen Raum ist meist der Bezug zum gebauten Umfeld maßgebend, im unbebauten Landschaftsraum ist es weit schwieriger, eine Brücke ausdrucksvoll zu gestalten, ohne zu bemüht zu wirken.“ Das gelingt vor allem durch die subtile Integration markanter Eigenschaften des Tals. „Bei der Schanerlochbrücke leitet sich die Torsion des „Brückenrumpfs“ von der Kurvenbewegung der sich auch das Tal schlängelnden Ebniterstraße ab. Die Entscheidung für Sichtbeton war klar, da die Schanerlochbrücke der klassischen Steinbogenbrücke nachempfunden ist –mit dem Unterschied eines extrem flachen Bogens, welcher in Stein so nie möglich wäre. Die auf diese Weise entstandene, monolithische Betonfigur ist zwischen die Felswände gespannt und es scheint, als würde sie mit der rauen Gebirgslandschaft eins werden“, erklärt Stefan Marte. Tatsächlich soll die Schanerlochbrücke nicht nur integrative Betonskulptur statt Fremdkörper sein, sondern zu einem fixen Bestandteil der Landschaft werden, der isoliert betrachtet nur einen Bruchteil seiner Wirkungsmacht entfalten kann. Wie Stefan Marte weiter ausführt, spielt aus diesem Grund bei den von Marte Marte entworfenen Betonbrücken die Sicht des Autofahrers auch nur eine untergeordnete Rolle: „Bei den bisherigen Brücken war die Sicht des Autofahrers nicht ausschlaggebend, vielmehr ging es um die Auseinandersetzung mit dem Ort und der Funktion. Tatsächlich ist es auch bei der Schanerlochbrücke so, dass sie nur aus dem umliegenden Naturraum in ihrer Schönheit wahrgenommen werden kann.“

Schanerlochbrücke (2005) (CC BY-SA 2.5) Boehringer Friedrich Wikimedia Commons
Schanerlochbrücke (2005) (CC BY-SA 2.5) Boehringer Friedrich  Wikimedia Commons
Schanerlochbrücke (2005) (CC BY-SA 3.0) Boehringer Friedrich  Wikimedia Commons

Auf die Natur schauen

Nicht an der Ebniterstraße, sondern in Lorüns, im Bezirk Bludenz, gelegen, bildet die Alfenzbrücke eine Ausnahme im Brückenbau des Hauses Marte Marte. Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke schafft es, trotz ihrer massiven Erscheinung, durch die unregelmäßig angeordneten Verstrebungen eine Verbindung zu Natur herzustellen, indem diese auch nach Betreten der Brückenkonstruktion sichtbar bleibt. Welches die spektakulärsten Brücken überhaupt sind, ist für den Architekten eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage: „Da gibt es viele – zwei beeindruckende Beispiele des Brückenbaus sind für mich nach wie vor die Golden Gate Bridge und die Tower Bridge. Ein zeitgenössisches Meisterwerk, welches die Typologien der beiden Brücken in sich vereint, ist die Erasmusbrücke von Ben van Berkel in Rotterdam. Die spektakulärste Brücke bleibt jedoch die Ponte Vecchio in Florenz. 1345 erbaut, hat sie bis heute nichts von ihrem Zauber verloren.

Alfenzbrücke(CC BY-SA 2.5) Boehringer Friedrich  Wikimedia Commons

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