departure Interviews, Pt.7: Siluh Kickoff Europe

Die Musik ist im Umbruch. Das Siluh Kickoff Europe stellt sich mit einer systematischen Internationalisierung von Services für Bands auf die Veränderung ein. Das Projekt erhielt von departure eine Förderzusage.

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Siluh betreut derzeit Dust Covered Carpet und M185, obwohl sie nicht auf Siluh veröffentlichen. Das macht für diese Bands Sinn, weil das Label bereits eine Reihe von internationalen Kontakten aufgebaut hat, die – so die Überlegung – nicht für jede Band aus Österreich neu geknüpft werden müssen. Diese Kontakte bestehen in verschiedensten Bereichen: vom Vertrieb der Musik über Booking-Agenten, die Möglichkeit Showcase-Gigs auf wichtigen Festivals oder Konferenzen zu bekommen oder auch einen Promotion Plan für andere Ländereien zu machen. Man hat also eine ganz schön viel Wissen gesammelt, das man auch anderen zur Verfügung stellen will. Gegen einen kleinen Obolus versteht sich. Damit wird Siluh zu einer Art Beratungsagentur, Consulting könnte man sagen – auch wenn das die Macher des Siluh Kickoff Europe nie sagen würden.

Mittelfristig soll dieses Programm auch für internationale Bands offen stehen. Oder für andere Labels. Dabei ist es für Siluh Kickoff Europe essenziell in anderen Ländern verlässliche Partner zu finden – „wo verlässlich Mails beantwortet werden“, wie das Bernhard Kern am Telefon treffend formuliert. In Spanien und Benelux würde das schon sehr gut funktionieren. Frankreich und Deutschland sind dabei vorerst die wichtigeren Ziele als Großbritannien.

Wir haben Bernhard Kern zu Siluh Kickoff Europe interviewt.

Was ist an Siluh Kickoff Europe neu? Ist der Aufbau eines Businessnetzwerks nicht das, was ihr sowieso machen müsstet? Wo liegt da das Innovationspotenzial?

Das Projekt "Kickoff Europe" ist unabhängig von der Labeltätigkeit von Siluh Records zu sehen. Wir wollen anderen Labels und Bands helfen auch außerhalb der heimischen Grenzen ein Netzwerk zu verhelfen. Es geht bei unserem Service um die Entwicklung einer Zusammenarbeit, die den Bedürfnissen der Bands und Labels genau angepasst werden kann. Flexible Finanzierungsmodelle und maßgeschneiderte Leistungen sind das Alleinstellungsmerkmal dieses Ansatzes.

Habt ihr eine Wettbewerbs-, SWOT– und Branchenstruktur-Analyse gemacht? Inwiefern unterscheidet sich Siluh Kickoff Europe von ähnlichen Dienstleistern und wer sind diese?

Das klassische Konzept des Labels hat ja in der Musikindustrie ausgedient. Nach unserem Erfahrungen zufolge ist es in anderen Territories längst so, dass Bands bevor sie einen Album-Release auf einem Label haben zuerst schon ein optimales Netzwerk an Promotoren, Publicists, Bookern ja sogar Anwälten haben. Am ehesten vergleichbar ist das Modell des Bandmanagers, der an allen Einnahmen der Band beteiligt ist. Wie vorher beschrieben, geht es bei unserem Service um die Entwicklung einer Zusammenarbeit, die den Bedürfnissen der Band genau angepasst werden kann.

Swimming Pool, comfortzone post und wavesnet haben ebenfalls den Aufbau eines Partnernetzwerks zum Ziel – Wie werdet ihr mit anderen von departure geförderten Projekten zusammenarbeiten?

Mit einigen genannten Initiativen gibt es schon rege Zusammenarbeit. Wir sehen hier auch keine direkte Konkurrenz, da es uns allen neben den wirtschaftlichen Aspekte vor allem darum geht, heimischen Künstlern und Künstlerinnen auch Zugang zu verlässlichen internationalen Partnern zu verhelfen und auch außerhalb des deutschsprachigen Sprachraums die gesteckten Ziele zu erreichen.

Wie wollt ihr dieses Partnernetzwerk aufbauen? Fahrt ihr auf Musikmessen, auf diverse Showcase-Festivals, auf Jet Set nach Madrid, mit Bands mit auf Tour? Habt ihr dann einen Blackberry mit Businesstarif und randvollem Kalender?

Ja, genau! Tausche Blackberry mit Android, dann passts 😉

In der Vorbereitung des Focus-Calls von departure wurden die Bereiche Distribution, Management, Rights Management und Live als besonders vielversprechend ausgemacht. Ist Siluh Kickoff Europe in all diesen Bereichen aktiv?


Wir richten uns da nach den Bedürfnissen der Acts. Primäre Anliegen von Siluh Kickoff Europe liegen aber natürlich in der Präsenz in neuen Territories. Vor allem bei der Akquise von Bookingkontakten und Promotionpartnern. Physische Distribution ist unserer Ansicht nach nicht mehr so wichtig, kann aber von unserer Seite auch mittlerweile in ausgewählten Territories angeboten werden. Das sind unserer Meinung nach die ersten Schritte um in einen neuen Markt Fuß zu fassen.

Wenn in drei Jahren keine Förderung von departure mehr fließt, wie genau werdet ihr euer Geld verdienen?

Wir glauben fest daran, dass wir mit den Acts mit denen wir abseits unseres Labels schon zusammenarbeiten gemeinsam weiter wachsen und auch auf wirtschaftliche Beine stellen. Weiters hoffen wir auf viele frische Acts, die auch das Potential haben auch international zu reüssieren.

Worauf wird euer Fokus in den ersten beiden Jahren liegen und wie wird er sich danach verschieben? Habt ihr Meilensteine definiert?

Ja, Meilensteine wurden definiert. Grob gesagt: Unser bestehendes Netzwerk auch auf andere Territories ausweiten.

In welchen Territories habt ihr bereits gute Kontakte, was sind die nächsten Stationen, und muss das Ziel im Endeffekt London sein?

England ist vergleichsweise eigentlich ein ziemlich kleiner Markt. Da sind eigentlich beispielsweise Deutschland, Frankreich viel interessanter. Aber dennoch schielt jeder auf die englische Medien und ein Feature in Guardian oder NME ist natürlich erstrebenswert! Bislang haben wir je nach Act abhängig in Deutschland, Schweiz, Belgien, den Niederlanden oder Spanien Fuß fassen können.

Was können Bands bei euch um 500.- Euro bekommen, was um 2000.- Euro? Werdet ihr auch Bands ablehnen, die nicht zu euch passen?

Ja, wir sind in der Auswahl der Band mit denen wir zusammenarbeiten ziemlich sensibel. Wir können ja auch nur Künstlerinnen und Künstler adäquat vertreten, wenn wir auch voll und ganz dahinter stehen.

Welche Rolle spielt persönlicher Kontakt und Social Media in eurem Plan?

Persönlicher Kontakt ist alles. Das wichtige für uns ist, verlässliche Partner an Bord zu holen mit denen wir bestenfalls auch gerne mal so auf einen Kaffee gehen wollen. Social Media ist klarerweise ein unerlässlicher Kanal um Kontakt zu seiner Fanbase zu haben / bleiben.

Einreicher: Siluh

Projekt: Kickoff Europe

Programm: focus Musik 2011

Programmlinie: departure focus

Schwerpunkt: Musik

Förderquote: 57%

Gesamtfördersumme: EUR 26.367

departure unterstützt den Aufbau des Netzwerks, den Ausbau nationaler und internationaler Dienstleistungsangebote und die Markteinführung.

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