Der Boxer sieht Sternchen

Gospel Dating Service zeigen uns, wie schön ein düsterer Traum nach einem Knockout sein könnte. Die Bildergeschichte zu "Queen Mary’s Cemetery" gibt’s in der Videopremiere.

Die drei Lügen bei Gospel Dating Service: 1. Gospel, 2. Dating, 3. Service. Bei der jungen Indieband geht es nicht ums Liebesglück und wenn man die ersten beiden Singles vergleicht, lässt sich nicht so leicht ablesen, in welche Schublade GDS reinpassen. Die müssen wir uns schon selber zusammen basteln. Versuchen wir es mal.

Mit der großartigen Single "Red" hat es Gospel Dating Service in die FM4-Schleife und in die Top 10 der Austrian Indie-Charts geschafft. Das Video dazu: Die drei Herren von GDS sehen Frau und Mann beim Boxen zu. Als logische Konsequenz eines Knockouts gibt es nun zur zweiten Single das, was dem Sternchen-Sehen nach einem harten rechten Haken nahe kommt: Ein animiertes Musikvideo mit ineinander zoomenden Stills. Die Motive stammen aus der Hand der Grafikdesigner von HFA Studio, die schon seit langem privat mit Gospel Dating Service befreundet sind. Weiße Zeichnungen auf schwarzem Hintergrund – so clean und doch düster wie die Lyrics.

Rebellion ohne Gitarristen

"Queen Mary’s Cemetery" ist ganz anders und doch genauso originell wie die Vorgänger-Single. Neu ist zum Beispiel die progressive Attitüde, wie etwa die eines Steven Wilson. Ein augenzwinkerndes Abfeiern der eigenen Existenz und einer durchaus kritischen Betrachtung der eigenen dekadent anmutenden Lebensweise – so beschreiben Christoph Ertl (Keys, Gesang), David Resch (Bass) und David Ruhmer (Drums) den Sound ihres Debütalbums "Champagne". Ihre Existenz feiern sie ohne festen Gitarristen ab – Rebellion in der Indie-Blase. Und wenn wir zu den 50 Stills im Musikvideo ein ausgedehntes Gitarren-Solo hören, ist das Ausdruck der versprochenen Selbstironie. Die versteckt sich auch in Motiven wie der zerbrochenen Hipster-Brille und dem Gesicht des Bassisten, das sich aus dem Schnurrbart des Sängers morpht. Spoiler: Weiß auf schwarz bleibt es nur bis zum Grande Finale.

Was es an GDS sonst noch alles zu entdecken gibt, erfahren wir am 7. Oktober, denn da erscheint das Debütalbum "Champagne" (Kleio Records). Wer sich am Gürtel Night Walk oder am Frequency noch nicht von ihren Live-Qualitäten überzeugt hat, sollte das am 28. Oktober im B72 bei der Album-Präsentation nachholen.

Bild(er) © HFA Studio, Krugers, David Furrer
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