Der Boy wird zum Mann

Aus mit Zurückhaltung. Die Wild Beasts knöpfen die Hemden auf und holen ihre 80er Platten raus. Liest sich schrecklich, klingt aber hervorragend.

Die Wild Beasts sind mit "Boy King" bei ihrem fünften Album angekommen und weil sie schon selber ein bisschen genug von ihren verkopften Songs hatten, entschieden sie sich für straighten 80er Sound. Auch Hardcore Wild Beasts-Fans – sollten diese existieren – die bei einer solchen Ankündigung sofort gewillt sind, ihre Fanclubmitgliedskarte in die Themse zu werfen, sollten "Boy King" eine Chance geben. Denn die Abkehr vom gewohnten Sound ist zwar mutig, aber sie ist ihnen geglückt.

Falsett und Sex sells

Es macht Spaß, Hayden Thorpe im Falsettgesang dabei zuzuhören, wie er über knarzenden Synthesizern singt, dass er es gerne dreckig mag. Er gebraucht "Boy King" als Ventil, um seine Männlichkeitsvorstellung und die damit einhergehenden Sexfantasien auszuleben. "No getting it right / No getting it wrong / Just getting it on" singt er bei "Get My Bang", dessen Titel eh alles sagt. Eine Sex-Sells-Attitüde kann man den Männern aus England aber trotzdem nicht unterstellen. Dafür gehen sie sonst zu klug mit dem Thema um. Es ist eben eine weitere Facette des Menschseins. Und in Thorpes Welt ist diese Facette dunkel und versaut. Genau wie es sich Boy King zum Glück oft erlaubt zu sein.

Lediglich "Dreamliner", der letzte Song, sticht mit seinem zurückhaltenden Klavier zu stark heraus, um sich im Rest des Albums einzufügen. Das hätte das sonst so energiegeladene Album nicht gebraucht. Aber der Ausreißer lässt sich verkraften, wenn man dafür so starke Bretter wie "Eat Your Heart Out Adonis" bekommt. Trent Reznor ist wahrscheinlich ein bisschen neidisch, den Song nicht geschrieben zu haben. Ein stark verzerrter Synthesizer, der von Refrain zu Refrain prominenter wird und schließlich in ein sexy Outro übergeht, macht sich gut im neuen, wilden Gewand der Wild Beasts. Die nächsten fünf Alben können gerne wieder so klingen.

"Boy King" erscheint am 5. August via Domino Records.

Bild(er) © Tom Andrew
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