Was war, kann wieder werden

Mount Kimbie haben alte Konzepte hinter sich gelassen und einen Neustart angekündigt. Der ist auch passiert, nur geholfen hat es ihrem Sound leider nicht.

© Frank Lebon

Zwei erfolgreiche Alben sind für Dominic und Kai genug. Sie wollen ausbrechen. Mount Kimbie soll mit „Love What Survives“ neu erfunden werden und beim ersten blinden Hinhören wird wohl wirklich niemandem ihre Version von Post-Dubstep ins Gedächtnis gerufen. Lediglich die Gäste James Blake, Micachu und King Krule könnten darauf hinweisen. Alle nennen sie die britische Insel ihre Heimat und letzteren konnte man ja schon auf ihrer letzten LP „Cold Spring Fault Less Youth“ so leidenschaftlichen jaulen hören. Mit „Blue Train Lines“ ist er dieses Mal auf der besten Nummer des Albums zu hören. Ein hochenergetisches Zusammenspiel aus King Krules unverkennbarer Stimme, verzerrten Old-School Synths und Feedbackwänden.

Erfolgsflucht

Weg sind die klickenden, verschleppten Beats, die sie sich vom Dubstep geliehen hatten, fast weg die Tanzbarkeit. Es war für sie „am wichtigsten, all das wegzustreichen, was sich zuvor als erfolgreich für uns herausgestellt hatte“, kommentierte Kai den Schaffensprozess, den sie die letzten drei Jahre durchgemacht haben und trifft es ganz gut. Großen Erfolg wird ihnen dieses Album aber leider keinen bringen, dafür sind die restlichen Nummern zu unscheinbar und vergessenswert. Songs wie „Audition“ wirken wie Proberaum-Jamsessions, in denen simple Ideen auf viel zu lange Spielzeit ausgeweitet wurden. Allerdings werden die Ideen nicht ausgebaut, nicht weitergedacht. Anders als bei Loop-basierten Künstlern wie The Field, gibt es keine nuancierten Abwandlungen, sondern mal ein bisschen mehr Schlagzeug oder eine zusätzliche Bassline. Das ist plump und macht nach dem dritten Mal anhören keinen Spaß mehr. Die Entscheidung, völlig anders an ihren Schreibprozess heranzugehen und zusätzlich ausschließlich alte Synthesizer und mehr echte Drums zu verwenden, hätte Potential gehabt. Für die Künstler und ihre Weiterentwicklung können solche Brüche durchaus wichtig sein. Leider haben Mount Kimbie mit „Love What Survives“ noch nicht das Level ihrer bisherigen Releases erreicht. Geben wir ihnen noch einmal drei Jahre.

„Love What Survives“ erscheint am 8. September via Warp Records. 

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