Der fünfte Käfer

Sir George Henry Martin, (Mit-)Entdecker, Produzent, Arrangeur und Freund der Beatles, ist gestern im Alter von 90 Jahren verstorben. Er lieferte neben den Aufnahmen auch enormen, musikalischen Input und wird deshalb oft als der »fünfte Beatle« bezeichnet.

Aus rechtlichen Gründen werden Artikel aus unserem Archiv zum Teil ohne Bilder angezeigt.

»Ziemlich lausig, schlecht balanciert, keine guten Songs von einer sehr ungeschliffenen Gruppe, aber irgendetwas klang interessant.« – Das waren George Martins Worte, als er zum ersten Mal Aufnahmen der Beatles hörte. Und man muss es sagen: Ohne ihn, wären die Beatles nicht das geworden, was sie sind. Wir haben uns die Beatles-Songs angehört, die George Martin, durch sein Mitwirken erst gut gemacht hat.

»Yesterday«

Stellt euch den Song einmal ohne Streichquartett vor. George Martin überzeugte damals Paul McCartney, Streicher einzusetzen. Dazu zeigte er ihm, wie das Lied klingen würde, wenn es Bach gespielt hätte. Geniale Idee und durchaus wichtig, denn ohne Streicher wäre das einzige Instrument eine Gitarre – das ist nicht unbedingt schlecht, aber der Song wäre wahrscheinlich nicht so eingeschlagen.

»Penny Lane«

Paul McCartney summt die Melodie, George Martin setzt David Mason an die Piccolotrompete und fertig ist das – so eingängige – Trompetensolo.

»Strawberry Fields Forever«

Dafür hat George Martin zwei verschiedene Aufnahmen übereinander gelegt und Geschwindigkeit und Höhen verändert. Der Song bildet durch die verschiedenen Tonhöhen der Instrumente, fast eine Zwölftonreihe – also eine Anordnung von Instrumenten, die alle zwölf Töne einer chromatischen Tonleiter enthalten.

»A Taste Of Honey«

Paul McCartneys Stimme hört man da gleich zweimal. George Martin hat dafür erstmals Overdubbing eingesetzt. Dafür wird der Gesang zweimal aufgenommen und übereinander kopiert.

»A Day In The Life«

Bei der Aufnahme zu »A Day In The Life« wurden zwei Vierspurtonbandmaschinen aneinander gesteckt, woraus die erste Achtspurtonaufnahme der Beatles entstand. Der orchestrale Höhepunkt ergab sich übrigens erst am Tag der Aufnahme, nach Zusammenarbeit von George Martin und Paul McCartney.

»Eleanor Rigby«

Es fällt nicht sofort auf, aber in »Eleanor Rigby« sind nur Streicher zu hören. Inspiration dafür holte sich George Martin von Bernard Herrmanns Musik zu Alfred Hitchcocks Film »Psycho«.

Neben dem Arrangement und der Produktion der meisten Beatles-Songs ist George Martin nicht selten auch als Instrumentalist auf den Aufnahmen zu hören. Bekannte Beispiele sind das Solo auf einem barocken Klavier für »In My Life«, das Piano zu »Lovely Rita« und die Orgel für »Being For The Benefit Of Mr. Kite!«.

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...