Forward Ever. Backward Never. – Die Initiatoren des Forward Festivals im Interview

Das Forward Festival für Design, Kreativität und Kommunikation geht dieses Jahr in Wien in die dritte Runde und hat mittlerweile sogar nach München und Zürich expandiert. Neben Konferenzen mit nationalen und internationalen Speakern, gibt es auch in diesem Jahr Workshops, Live-Art-Sessions und zahlreiche Side-Events. Wir haben mit den Initiatoren Othmar Handl und Lukas Kauer gesprochen.

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In den vergangenen zwei Jahren war das Forward Festival für Kreativität, Design und Kommunikation restlos ausverkauft. Auch heuer lockt das Programm mit zahlreichen Speakern und inspirierenden Workshops aus den verschiedensten kreativen Disziplinen. Die Initiatoren des Festivals, Othmar Handl und Lukas Kauer, erzählen uns im Gespräch von ihrer gemeinsamen Vision, den Anfängen und warum man manchmal einfach ins kalte Wasser springen sollte. Forward Ever. Backward Never.

Fangen wir ganz von vorne an: Wie ist euer beruflicher Werdegang und persönlicher Bezug zum Thema Kreativität, Design und Kommunikation?

Lukas: Ich habe Architektur studiert und hab mich schon immer für Design interessiert. Irgendwann habe ich Othmar kennengelernt und so kam eins zum anderen …

Othmar: Ich habe einen Werbehintergrund und habe eigentlich schon immer Events gemacht. Für die Musikreihe Step Forward habe ich immer wieder Künstler eingeladen, die in diesem Rahmen zum Beispiel live gesprayt haben. Step Forward wird übrigens im Rahmen des Forward Festivals das siebenjährige Bestehen feiern! Nach Jahren des „Partymachens“ hatte ich Lust, etwas Nachhaltigeres und Größeres zu schaffen. Dabei ist mir aufgefallen, dass in Wien ein Ort fehlt, wo alle Kreativen in Österreich einmal im Jahr zusammenkommen können, um sich auszutauschen. Grundgedanke des Forward Festivals ist es, dass ein Austausch über mehrere Szenen hinweg passiert und Kreative sich untereinander vernetzen.

Lukas: Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, inspirierende Momente durch Begegnungen mit Menschen und deren Geschichten zu schaffen. Unserer Erkenntnis nach ist der Austausch und die Weitergabe von Erfahrungen das Geheimnis, um Arbeiten nach vorne zu pushen. Für Wien ist es ja typisch, dass jeder jedem etwas „neidig“ ist – dem wollen wir entgegenwirken, indem wir eine Zone schaffen, in der man zeigt, was man kann und was man macht, und sich gegenseitig dafür Respekt zollt und Gemeinsamkeiten erkennt.

Das Forward Festival kann sich inzwischen mit gleichartigen Konzepten messen. An was orientiert ihr euch in Sachen Planung oder Inhalten?

Othmar: Bevor wir das Forward Festival ins Leben gerufen haben, wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass ein solches Konzept bereits in anderen europäischen Ländern fest etabliert ist. Meinen ersten Berührungspunkt hatte ich in Australien, als ich durch Zufall auf einem ähnlichen Festival war. Dieses Schlüsselerlebnis war irgendwie „mindblowing“ für mich: zu sehen, dass verschiedene Leute aus unterschiedlichen Genres sich gegenseitig ihre Arbeiten aus den Bereichen Streetart wie Graffiti, Fotografie, aber auch Architektur zeigen und damit Synergien schaffen.

Lukas: Wir sind sehr interessiert an allem, was in den Medien passiert. Wir lesen sehr viel, sind viel online — wenn wir jemanden spannend finden, dann schauen wir direkt nach, ob wir zu dieser Person Anknüpfungspunkte finden. Wir fahren zudem inzwischen auf sehr viele unterschiedliche Konferenzen, um dort auch gezielt „Rausreißer“ zu suchen. Damit auf dem Forward Festival nicht nur Kreative zu Wort kommen, sondern auch andere Menschen mit einer ganz anderen Story oder einem ganz anderen Ansatz.

Othmar: So haben wir zum Beispiel heuer Friedrich Lichtenstein zu Gast. Der steht dann auf der Bühne als Gesamtkunstwerk. Wir wissen noch nicht, was er machen wird – wir wissen nur, dass wir ihn aus innigster Überzeugung als geilen Typen wahrnehmen. Das Festival spiegelt den Geschmack und die Interessen unseres Teams wieder. Wir laden nur Leute ein, die wir geil finden und die eine Forward-Vision haben.

Was macht ihr anders? Was macht ihr besser als andere Festivals im Kreativbereich?

Lukas: Unser Ansatz ist es, nicht zurückzuschauen, sondern immer nur nach vorne. Deshalb haben wir Forward als plakativen Namen fürs Festival gewählt. Es ist unser innigster Wunsch als Veranstalter, mit Forward den Menschen bzw. den Kreativen wirklich „forward“ zu bringen. Das passiert auf vielen Ebenen: zum einen auf der Bühne, durch die sogenannten „Talks“ mit Berühmtheiten des jeweiligen Genres, in denen es hauptsächlich um das Thema Inspiration geht, zum anderen mit Keynotes – die wir heuer übrigens zum ersten Mal machen. Dort sprechen die Persönlichkeiten weniger über sich als über bestimmte Entwicklungen und Trends in den Genres. Die Zukunft des Internets, die Zukunft von Virtual Reality, die Zukunft von Social Media. Dort wollen wir einen Mehrwert schaffen, was die technologische Zukunft in der Industrie angeht.

Othmar: Wir schenken zudem den Besuchern des Festivals die Workshops dazu. Normalerweise kosten Workshops viel Geld, meistens sogar mehr als das Ticket für das Festival – uns ist es aber wichtig, dass jeder, der einen Workshop besuchen möchte, dies auch tun kann. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass das Ganze einen sehr lockeren Zugang hat. Kreativität ist nichts weiter als die Summe meiner Erfahrungen, meines Wissens, die ich abrufe und miteinander kombiniere und aus denen ich geschickt neue Ideen forme.

Das Forward Festival findet heuer zum ersten Mal neben Wien und München auch in Zürich statt. Wie kam es dazu, dass ihr so schnell expandiert habt?

Othmar: Wir hatten von Anfang an sehr viele Besucher aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland. Wir haben schnell gemerkt, dass in Süddeutschland und der Schweiz so eine Plattform noch fehlt. Da wir dort sehr gute Netzwerke haben und zusätzlich Support von den Locations bekommen haben, haben wir es einfach gemacht.

Lukas: Genau, wir sind einfach ins kalte Wasser gesprungen. Nicht umsonst haben wir uns Forward Creatives genannt – auch wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Wir haben auf jeden Fall bisher sehr viel Glück mit unserem Projekt gehabt. Wir haben zur richtigen Zeit, mit den richtigen Connections, dem richtigen Netzwerk und den richtigen Medienpartnern wie etwa auch euch – danke, liebes The Gap – die Möglichkeit gehabt, dieses Projekt so umzusetzen und es einfach zu machen.

Auf was seid ihr besonders stolz?

Othmar: Wir sind darauf stolz, dass wir machen können, worauf wir Lust haben, und dass wir damit auch noch unsere Rechnungen bezahlen können.

Dieses Jahr findet das Forward Festival von 21. bis 22. April im MAK, Museum für angewandte Kunst, statt. Die Talks werden unter anderem von Erik Spiekermann, Eike König, Slanted, Studio Es und Sarah Illenberger gehalten. Wie immer gibt es jede Menge Side-Events wie Networking-Spaces, Live-Art-Sessions und viel Musik. Am liebsten würde man sich als Besucher während des Festivals in zwei Teile teilen, um nichts zu verpassen. Wer sich noch ein Ticket sichern möchte, sollte dies besser schnell tun.

Einen Vorgeschmack auf die Speaker gibt es auf der nächsten Seite …

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