Die Zammer Bergnomaden

Der Filmstudent Hannes Rangger verbandelt in seiner Kurzdokumentation Kuhglocken mit The XX und zeigt in atemberaubenden Bildern den mühsamen Weg zweier Junghirten, die sich mitsamt hunderten von Tieren den Weg durch das Tiroler Gebirge bahnen. Mit uns hat er über seine Zeit auf über 2000 Metern Höhe gesprochen.

Worin siehst du bei so einem, temporär eremitären Leben die größten Vor- bzw. Nachteile?

Für mich bleibt das ja ein romantischer Gedanke. Es ist nicht so, dass ich mir dann Gedanken um ein Für und Wider mache, sondern eher sehe ich mich in so einem verträumten Zustand, dass ich das ja auch irgendwann mal machen könnte. Es bleibt aber beim Gedanken und kommt wahrscheinlich nie zur Umsetzung, weil das Leben in den Bergen ja auch ein sehr hartes Leben ist.

Die Naturaufnahmen werden von, für diese Art von Dokumentation, eher untypischen Songs begleitet, die vor allem in Clubs oder auf Bühnen funktionieren. Warum hast du dich für diese Art von Musik entschieden?

Der Inhalt des Films wird von Kathrin und Thomas erzählt. Ich habe mich in der Planung dazu entschieden, dass ich keine Off-Stimme verwenden will, weil ich das auch irgendwie respektlos fand. Kathrin und Thomas haben einfach von sich aus viel zu erzählen, da muss ich nicht eine Art Forscher spielen, der dem Publikum erklärt, was denn dieses Bergvölkchen macht. Gleichzeitig hätte aber eine Dokumentation von jemandem, der dieses Leben und die Probleme kennt ganz anders ausgesehen.

Aus diesem Standpunkt habe ich mich dann dazu entschieden, zumindest musikalisch einen Kommentar abzugeben, woher ich komme und aus welcher Perspektive das Ganze entsteht. Als würde ich mit meinem MP3-Player in voller Lautstärke durch die Berglandschaft trampeln.Die Musik bedingt dann auch die für eine solche Doku mit weiten Landschaftsaufnahmen eigentlich viel zu schnellen Schnitte. Ich bin eben ein Mensch, der durch das Leben in der Stadt eine wahnsinnige Bild- und Informationsflut gewohnt ist und fand das schön, diesen Gedanken auf formaler Ebene einzubauen.

Man erkennt, dass du dir viel Mühe gegeben hast, die Naturkulisse auf eine unkonventionelle Art einzufangen. Teilweise ist ja beispielsweise ein ganzes Tal zwischen Kamera und dem Zug der Nomaden. Was waren hier die größten Herausforderungen?

Viele dieser Einstellungen sind einfach der begrenzten Mittel wegen entstanden. Wenn Kathrin und Thomas ihre Pferde weitertreiben, rennen sie den Tieren richtig hinterher. Das schaffe ich schon alleine wegen meiner physischen Verfassung nicht und dann noch über Einstellungen nachzudenken und die Kamera auf und ab zu bauen funktioniert gar nicht mehr. Weil wir meistens zu zweit mit einer Kamera am Weg waren, habe ich mir also mit Kathrin und Thomas einen Standpunkt ausgemacht, wo ich gute Einsicht auf das Geschehen hatte und von diesem Standpunkt versucht, das meiste rauszuholen.Übrigens hatte auch Kathrin selbst eine kleine Kamera dabei, so konnte ich auch ihre Eindrücke in den Film einbauen.

Was hat dich zu der Entscheidung veranlasst die Interviewpassagen nicht zu untertiteln? Gab es bereits irgendwelche Rückmeldungen diesbezüglich?

Die Untertitelung war ein schwieriges Thema. Ich fand das irgendwie komisch, wenn ich in Wien bin und eine Doku von Leuten aus dem selben Land mit der selben Sprache zu Untertiteln zeige. Es gab aber viele Rückmeldungen von Leuten die nicht Deutsch als Muttersprache haben, die sich wirklich schwer getan haben den Film zu verstehen. Deshalb bin ich auch mit Leuten in Kontakt getreten, die mir mit einer englischen Untertitelung helfen können. Diese will ich eigentlich bis zur Premiere fertig haben!

Die Premiere von "Die Zammner Bergnomaden" findet am 21. Jänner 2014 im Wiener Hans im Glück statt. Hannes Rangger studiert derzeit Theater-, Film- und Medienwissenschaf in Wien.

Bild(er) © Stephan Elsler, Peter Prantner
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