Ein Teppich voller Staub

Ein Bühne mit vielen Menschen. Eine große Kiste mit Instrumenten. Eine Musik geprägt von Pathos und Melancholie. Ein Leben voll von Traurigkeit. Dust Covered Carpet im Porträt.

„Ich möchte einmal eine Frage gestellt bekommen, die mir noch niemand gestellt hat”, macht Volker Buchgraber, Kopf der Band Dust Covered Carpet, am Anfang des Interviews klar. „Und ich möchte einmal eine Antwort hören, die ich noch nie gehört habe”, gebe ich zurück. Beide werden wir am Ende zufrieden sein…Die Frage nach dem Namen der Band, die „Teppichfrage” ist zum Beispiel eine, die regelmäßig gefragt wird. Ja, den gibt es, der liegt in der Wohnung des Sängers. Ja, der ist namensgebend. Ja, auf diesem Teppich wird immer noch geprobt. Und wohl gemerkt: „So arg staubbedeckt ist er nicht“. Hin und wieder wird gesaugt.

Dust Covered Carpet entspringen der Gedankenwelt Volkers. Alleine erarbeitete er über einen längeren Zeitraum hinweg das Material für ein Debütalbum. Immer wieder lädt er dann Bekannte und Verwandte zum Musikmachen ein, um eine Band zusammenzustellen. Dabei ist Volker nicht zimperlich: Während es mit dem Bruder in der Band gut klappt, kickt er die Schwester raus. Leider kann sie sich mit ihrem fixen Job nicht genug einbringen. Als sich fünf Menschen 2007 als ideale Besetzung herauskristallisieren, geht es los: „Wir haben begonnen gemeinsam Musik zu machen, weil wir alle eine gewisse Art von Musik vermisst haben und uns gedacht haben, die machen wir jetzt selber".

Volker sorgt für die Lead Vocals, Gitarre, Songwriting, Arrangements und Aufnahme. „Die anderen fünf sind auch wahnsinnig wichtig", behauptet er mal. Die sind zumindest nicht faul und steuern Ziehharmonika, Querflöte, Klarinette, Geige, Glockenspiel, Schlagzeug, Flöte, Cello, Bass und und und bei. Rund 20 Instrumente und sechs Stimmen kommen zusammen. „Gemeinsam mit allen wird aber eher selten was erarbeitet”, gesteht der Sänger. Mitspracherecht, was wo wann passiert, sei aber allen gewährt.

Kapelle versus Kammerorchester

Das 2008 erscheinende Debüt „Rerededust The Doubts I Trust“, das wie alle weiteren Alben auf Beatismurder erscheint, rumpelt und klingt ziemlich verschroben, ist sperrig und durch den speziellen Flöteeinsatz mitunter schräg. „Stilistisch wollte ich es anfangs den Leuten immer sehr schwer machen und etwas schaffen, das – vollgepackt mit Text und Bedeutung – schwer zum Anhören ist“. Manche der verwendeten Instrumente beherrschen die Mitglieder hörbar noch nicht. Teilweise legt Volker bis zu 50 Spuren übereinander, um den für ihn perfekten Sound zu finden. Die Band klingt mehr nach Kapelle als nach dem Kammermusikorchester, das später als Vergleich herangezogen wird. Die frühen DCC klingen wie die legendären Go Die Big City beim nie versuchten Versuch, traurige Musik zu machen. Denn Melancholie ist von Anfang an Grundelement von Dust Covered Carpet.


Das zweite Album „A Cloud, Pushed & Squeezed” von 2010 lässt das ziemlich hinter sich. Es gerät sehr melodiös, gefällig und lebendig, ist stellenweise fast fröhlich und voller Pathos. Es klingt entrümpelt („wir haben bewusst reduziert“), sauber arrangiert und ordentlich aufgenommen.

Ein Trend, der sich am dritten Album noch verdichtet. „Witness Me Pass Out“ (2012) klinge doch … erwachsen. Volker bringt das zum Stottern, dann fasst er sich: „Wir haben es jetzt besser auf den Punkt gebracht, nein, ich habe es besser auf den Punkt gebracht, was ich eigentlich wollte". Das sei bei den ersten beiden Alben nicht so gelungen. Mit denen ist man zwar auch sehr zufrieden, die waren zwar auch ernst gemeint und die Texte waren genauso traurig wie jetzt, aber eine andere Instrumentierung und andere Melodien lassen diese anders klingen. Beim dritten setzte sich aber der Wille durch das Arrangement zu reduzieren und nicht mehr alles „so dick zuzupacken und zu verschmieren und zu verwischen". Das gilt für die Musik genau so wie für den Text. Alle drei Singles zu „Witness Me Pass Out“ gibt’s inklusive B-Seiten und Videos zum Freien Download.

Und alles ist Pop

Man behauptet, Dust Covered Carpet machen Country oder Todes-Country, sie seien todessehnsüchtig, sie spielen Folk, Anti-Folk, sie seien Singer/Songwriter-orientiert und klingen nach Arcade Fire. Was stimmt? „Das Arcade Fire Argument kommt öfter, aber das finden wir sehr oberflächlich und platt. Es sind halt bei uns und bei Arcade Fire viele Mädchen, Buben und Instrumente auf der Bühne – aber musikalisch hat das nicht viel miteinander zu tun“. Country ist es auch nicht und bei Todes-Country denkt Volker an Tito und Tarantula. Todessehnsüchtig, das ist es stellenweise.

Immer wenn sie nach dem Stil gefragt werden, kommt eine Ausrede. „Zwingender Kammerpop" gefällt der Band zumindest. Weil DCC wie ein stark reduziertes Orchester klingen. Wie eines, das Hausmusik in einem bürgerlichen Salon spielt, so Volker. Und: „Ja, wir sind Pop. Weil ich die Lieder so schreibe, dass ich sie gerne selbst öfter hören kann und hoffentlich auch andere gerne hören“. Aber den könne man bei DCC einfach nicht erkennen? Volkers Bruder Armin darauf trocken: „Ich bin auch nicht seiner Meinung“.

Inhaltlich dreht es sich um zu viel Alkohol, Kreislaufprobleme, die Angst vor dem Kollaps, die Angst vorm Weiterleben, Probleme mit dem Leben und den Gedanken daran, wie das wäre, wenn alles vorbei wäre. Permanent so schlecht geht es Volker allerdings nicht. Nicht immer ist er so traurig wie er es ist, wenn er seine Lieder schreibt. Das Texten ist ein Ventil. Der Ausdruck ist allerdings sehr persönlich, manchmal autobiografisch.

Und die Zukunft? Neues Material soll im Frühling erscheinen. Der Ausstieg zweier Mitglieder wurde gerade bekannt gegeben, weil ihnen die Zeit fehlt. Die Band pausiert live bis Sommer, der Sänger geht ins Ausland, nach Tallinn in Estland – um dort an einem neuen Album zu arbeiten.

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