Elend. Lionel Richie. Oje.

Erlend Øye macht solo weiter und verliert dadurch nicht nur Bandmitglieder, sondern auch Bedeutung. Ein nettes Album, das niemand braucht.

Er war mal Whitest Boy Alive, ist wahrscheinlich immer noch einer von zwei Kings Of Convenience, heißt jetzt aber nur noch Erlend Øye und versucht, seinen Erfolg solo fortzusetzen. Das wird ihm wahrscheinlich auch gelingen, denn Erlend Øye ist mit seiner nerdigen Art charmant genug, uns alle um den Finger zu wickeln. Leider bleibt es bei seiner Ausstrahlung, die überzeugt. "Legao" wurde zu einem Easy-Listening-Album ohne große Ansprüche und Ideen.

80er-Jahre-Liebeslied-Hitparade

Als Inspiration hielt ein Geschenk von seinem schwedischen Kollegen Jens Lekman her: eine CD namens "Lovers Rock", mit Liebesliedern im Stil der britischen Adaption von Reggae. Man muss sagen, dass sich Leute schon von schlimmeren Sachen haben inspirieren lassen, aber "Lovers Rock" rangiert irgendwo ganz oben in den Top Zehn. Das hört sich nach einer Herausforderung an, die zu etwas ganz Großartigem führen kann, oder eben zu "Legao". Herausgekommen sind Melodien und Texte, die in ihrer Klarheit und Einfachheit eben an Jens Lekman erinnern. Nur hat hat Erlend Øye bei seiner Irrfahrt durch die 80er-Jahre-Liebeslied-Hitparade den Witz irgendwo liegengelassen und sich stattdessen für eine peinliche Ansammlung von halbgaren Metaphern ("Loving you is like waiting for the rain to come") und Lebensweisheiten ("Lies become a part of who you are") entschieden. Danke, aber wenn ich schnulzige Liebesbeweise und Melodien mit Ablaufdatum 1993 hören will, setze ich auf Lionel Richie. Die Pianoballade "Who Do You Report To" vereint dies alles in knapp unter drei Minuten.

Der Rest des Albums besteht aus netten Songs, die sympathische Bescheidenheit transportieren. Eben wie man es von einem ehemaligen König der Bequemlichkeit erwartet. Der Opener "Fence Me In" ist davon noch der interessanteste, da man noch angenehm vom Brit-Reggae überrascht wird. Nach dem zweiten und dritten Song mit demselben Beat ist dann aber auch schon wieder die Lust auf einen Strandurlaub in Brighton verflogen.

"Legao" von Erlend Øye erscheint am 3. Oktober via Bubbles.

Bild(er) © Bubbles
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