Unkonventionell im Konventionellen – »Wofür es sich zu leben lohnt« von Esther Graf

Das zweite Album von Esther Graf schreibt die Geschichte des Popstars aus Spittal an der Drau weiter.

© Annika Yanura

Wenn einer sagt, »Austria is a too small country to make good popstars«, dann darf man ihn gleich an Ort und Stelle adeln – nicht zum Grafen, sondern vielmehr zum Lügenbaron. »Mumpitz!«, sagt man da als Antwort. Ja, gut, der Output an veritablen, inter­nationalen Nummer-eins-Hits in den letzten Jahren ist nicht gerade über­bordend und lässt sich prinzipiell in zwei Kategorien von Acts einordnen: einerseits die, denen dieses genuin Österreichische, auf das zum Beispiel die Deutschen so stehen – das sich aber mitunter als fade Koketterie entlarven lässt –, so aus jeder Pore ihres leder­jacken­gegerbten und schnaps­getränkten Körpers quillt, dass ein Schinakel drauf schwimmen könnte. Und anderer­seits gibt’s dann die, die super inter­national klingen wollen und sollen, die sich so gar nicht nach Wien, Mühlviertel, Gnas oder eben – der Kreis schließt sich – Spittal an der Drau anhören, sondern nach der großen weiten Welt. Und das ist im Zweifel wohl der nachhaltigste Weg. Schau dir einmal an, wo die Esther Graf schon überall war: meist­gestreamte öster­reichische Künstlerin, am Spotify-Billboard am Times Square, nominiert für MTV Europe Music Award und 1 Live Krone. Also, hallo! Das ist doch der Stoff aus dem die Träume aller Provinzteens vom Boden- bis zum Neusiedler See ge­macht sind.

Nie genug vom Leben

Die ganzen Wapplercoaches haben da schon (ausnahms­weise) einen Punkt, wenn sie sagen, dass es auf das Mindset ankommt: Ausgelatschte Wege führen dich halt nicht nach oben, sondern eher zum Discounter, weshalb das zweite Album auch keine banale »Ich bin jetzt erwachsen«-Storyline verfolgt, sondern tat­sächlich befreiter, spaßiger, crazier, selbst­bestimmter, unkonventio­neller ist. In, sagen wir mal so, konventioneller Popmusik kann das dann entweder bedeuten, dass die Musik tatsächlich stark ist, oder es ist halt ein Marketing­gag (schlag nach unter »Girlboss«). Dass wir hier doch eher zur positiveren, ersteren Lesart tendieren, hat vor allem mit den Songs zu tun, die – auch mit tollen Features wie von Ness oder Dani Lia × Yola – ein­fach echt Spaß machen. Musikalisch ist da natürlich viel purer Retro-Pop­kitsch dabei, aber halt in Gut. Das ist nicht einfach, in New York genauso wenig wie in Spittal an der Drau.

Esther Graf »Wofür es sich zu leben lohnt«

Das Album »Wofür es sich zu leben lohnt« von Esther Graf ist am 26. Juni 2026 bei RCA Records erschienen. Die nächsten Konzerttermine der Musikerin: 2. August, Würzburg (DE), Hafensommer Festival — 14. August, Weeze (DE), San Hejmo Festival — 21. August, St. Pölten, Frequency Festival.

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