Film Gender Report: Frauen im österreichischen Film!

Der am 7. Mai 2018 präsentierte Film Gender Report im Auftrag von Bundeskanzleramt und Österreichischem Filminstitut bringt die Ungleichheiten im heimischen Filmwesen auf den Punkt.

© Filminstitut

Bei der Verleihung des Österreichischen Filmpreises 2018 Anfang Februar waren die neue Regierung und die Rolle von Frauen in der heimischen Filmwirtschaft die großen Themen: Mut, Empathie und Feminismus, hieß es da. 2017 hat Institut für Soziologie der Universität Wien im Auftrag des Österreichischen Filminstituts und des Bundeskanzleramts eine groß angelegte Studie zur Rolle von Frauen im heimischen Film durchgeführt. Die Ergebniss wurden am 7. Mai 2018 präsentiert und überraschen nicht. Die zentralen Ergebnisse des Berichts zu den Jahren 2012-2016 basieren auf Daten, die von elf nationalen und regionalen Förderungsinstitutionen, 13 österreichischen Filmfestivals sowie der Filmakademie Wien zur Verfügung gestellt wurden. Inhaltlich analysiert wurden zudem 100 österreichische Kinospielfilme, die im Beobachtungszeitraum veröffentlicht wurden.

Film Gender Report © Filminstitut

Ausbildung und Inhalte

Die Ergebnisse der Studie zeigen in vielen Details eine strukturelle Benachteiligung von Frauen – auch wenn es in manchen Detailbereichen positive Dinge zu berichten gibt. So wurden auf der Österreichischen Filmakademie zwar mit 47% Frauen nahezu gleich viele Frauen wie Männer ausgebildet, jedoch sind nur 10%  der Professuren weiblich besetzt und nur 30% aller Lehrenden Frauen. In einer Gegenüber­stellung der Filminhalte mit Fokus auf die Hauptfiguren bestanden 85% der Kinospielfilme den „Bechdel-Wallace-Test“ für männliche Figuren. Das bedeutet: Es gab mindestens zwei Männer, die miteinander sprachen und zwar über etwas anderes als eine Frau. Hingegen bestanden nur 53% der Filme den Test für weibliche Filmfiguren (Mindestens zwei Frauen sprachen miteinander und über etwas anderes als einen Mann.) Die Untersuchung ergab auch, dass Filmteams mit hohem Frauenanteil häufiger Figuren auf die Leinwand bringen, die den „Bechdel-Wallace-Test“ bestehen. In den 100 analysierten Filmen war die körperliche Attraktivität weiblicher Filmfiguren dreimal häufiger Gesprächsthema als die Attraktivität männlicher Figuren.

Film Gender Report © Filminstitut

Förderung und Festivals

Bei der Filmförderung zeigt sich etwa eklatant, dass Frauen deutlich weniger Förderungen bekommen, je höher die Fördersumme ist: Beträge über 1 Mio. Euro gingen ausschließlich an Projekte mit mehrheitlichem Männeranteil im Stab. Mehr als die Hälfte der Filme mit hohem Frauenanteil erhielt Fördergelder unter 50.000 Euro. Der Kinoverleih ist mit 92% klar männlich dominiert. Bei Filmfestivals sind zwar 67% der Programmverantwortlichen Frauen, aber 61% der Direktoren männlich.

Film Gender Report © Filminstitut

Auch bei den Honoraren ergaben sich ähnliche Ergebnisse. Zwar wurden 34% der Stabstellen weiblich besetzt, Frauen erhielten aber nur 29% der Honoare. Die größten Gender Pay  Gaps waren bei den Honoraren für Regie und Produktionsleitung zu verzeichnen. 26% der Regietätigkeit wurde von Frauen ausgeführt, sie erhielten dafür aber nur 20% der Honorare für diesen Bereich. Bei der Produktionsleitung machte der Frauenanteil 42% aus, diese Frauen erhielten aber nur 36% der Honorare. Umgekehrt gab es drei Stabstellen, bei denen Frauen mehr Anteil am Honorar bekamen als sie personell vertreten waren. Allerdings handelt es sich dabei jeweils nur um eine Differenz von 2 Prozentpunkten: Im Bereich der Musik erhielten 15% Frauen 17% der Honorare, im Bereich Szenenbild erhielten 46% Frauen 48% der Honorare. Für Casting erhielten 91% Frauen 93% der Honorare.

Film Gender Report © Filminstitut

Die gesamte Studie ist auf der Website des Filminstituts abrufbar und gut aufbereitet. Die Autoren erwarten in den nächsten Jahren weiter Verbesserungen für Frauen, da bereits begonnene Initiativen und Programme dann wirken könnten. Ob wie bei einem Ruf nach einer Quote vor einigen Jahren wieder nahmhafte Personen mit mehr Frauen beim Film eine Verminderung der Qualität ist noch nicht bekannt. Mehr um Thema auch hier: Gender*in*Equality

Einige Zitate aus der Branche:

Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen: Sie bekommen Nichts“, schrieb Simone de Beauvoir. So könnte auch ein knappes Fazit des Film Gender Reports lauten, der die Strukturen und Ungleichheitsverhältnisse in unserer Branche ebenso deutlich macht wie die Tatsache, dass sich die Verhältnisse nicht von alleine ändern werden. Die Veröffentlichung von Fakten und Zahlen wird nicht nur eine Hilfe für die Entwicklung von Bewusstsein bieten, sondern muss auch als Aufforderung verstanden werden, dringend nötige politische Perspektiven zu entwickeln und strukturelle Maßnahmen zu setzen, um Gleichstellung weiter voranzutreiben.

Barbara Pichler, Produzentin, KGP Kranzelbinder Gabriele Production GmbH

Film Gender Report © Filminstitut

„Die Genderdebatte hat die unsichtbaren Schranken sogar in den Köpfen der vermeintlich Aufgeschlossenen geöffnet. Mit einer viel größeren Selbstverständlichkeit beobachte ich, wie männliche Hauptfiguren in Drehbüchern plötzlich zu weiblichen Hauptfiguren und beiläufig geschriebene weibliche Nebenfiguren in Drehbüchern zu vielschichtigeren Frauenfiguren werden und Filme dadurch komplexer machen. Es ist notwendig – auch wenn man wie ich eine sehr liberale Erziehung genossen hat – immer wieder an die Gleichstellung von Frauen und Männern erinnert zu werden, um sie nicht nur zu denken, sondern auch zu leben“.

Arash T. Riahi, Regisseur und Produzent, Golden Girls Filmproduktion & Filmservices GmbH

“Weniger Gehalt und weniger berufliche Chancen für Frauen sind Realität! Leider auch beim österreichischen Film! Ich habe das erwartet und bin doch schockiert über das Ausmaß der Ungleichbehandlung, die durch den nun vorliegenden Gender Report in Zahlen belegt ist. Es ist geradezu beschämend, dass Kunst und Kultur, gefördert mit öffentlichen Geldern, kein Vorbild bezüglich Gleichberechtigung sind.

Wir Filmschaffende arbeiten miteinander. Wir wollen gemeinsam gute Filme sehen und produzieren. Lasst uns doch fair miteinander umgehen!!!!”

Maria Hofstätter

 

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