Neu belebt, weil altbewährt: Das Filmhaus am Spittelberg

Das Team des Wiener Filmcasinos verschafft vor allem dem österreichischen Film neuen Raum – indem es die bis vor Kurzem noch leerstehenden Räume des kleinen Programmkinos am Spittelberg wiederbelebt.

Als das unter dem Namen „Filmhauskino am Spittelberg“ bekannte Kino am Spittelberg im Jänner 2017, aufgrund von Einsparungsmaßnahmen, schließen musste, verlor der 7. Bezirk einen seiner gemütlichsten Kinosäle. Das Team des im 5. Bezirk gelegenen Filmcasinos nützte die Chance und erweitert mit der Übernahme des 23 Jahre alten Kino ihr Einflussgebiet in Sachen österreichischer Film und Independent-Kino. Wir haben mit Geschäftsführerin Sabine Hofmann und Betriebsleiter Gerhard Knell über das alte Kino in neuem Gewand geredet.

Haben Freunde und Familie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als klar wurde, dass ihr das Kino übernehmt oder haben sie sich für euch gefreut? 

Sabine Hofmann: Insgesamt hat doch die Freude deutlich überwogen. Es gibt auch viele Menschen, die sich freuen, dass am Spittelberg wieder ein Kino bespielt wird, ist der Ort doch einer, der knapp 23 Jahre für viele schöne Momente bei den BesucherInnen sorgen konnte.

Was war der Anstoß dafür, das Kino am Spittelberg neu zu beleben?

Sabine Hofmann: Da wir neben dem Filmcasino parallel auch einen eigenen Filmverleih betreiben, polyfilm, stellt das natürlich eine schöne Möglichkeit dar, mit zwei Leinwänden (denn beide Kinos haben ja nur einen Saal) eine noch höhere Programmvielfalt ins Kino zu bringen und auf Publikumswünsche flexibler reagieren zu können. Zuallererst ist es aber eine großartige Chance, ein fertiges, modern und hochwertig ausgestattetes Kino mitten in der Stadt bespielen zu dürfen.

Nach welchen Kriterien werden die Filme ausgewählt – wie gewichtet ihr österreichisches und europäisches Kino?

Sabine Hofmann: Als wir uns beim Österreichischen Filminstitut, dem das Filmhaus am Spittelberg gehört, beworben haben, haben wir den geplanten programmatischen Fokus auf den österreichischen Film betont. Das bedeutet in erster Linie, dass wir mehr österreichische Filme ins Kino bringen wollen, durchaus auch solche, die keinen Verleih haben. Die Auswahl der Filme wird wie bisher primär danach erfolgen, was uns selbst gefällt und wo wir glauben, dass es auch unserem Publikum gefallen wird.

Inwieweit wird sich das Programm des Filmhaus von jenem des Filmcasinos unterscheiden?

Sabine Hofmann: Es wird einige Überschneidungen geben, allerdings auch Programmformate, die nur im Filmhaus laufen werden. Unsere ersten programmatischen Schwerpunkte sind eine Dokumentarfilmreihe, die wir mit dem Filmvertrieb Docs gestalten und eine feministische Reihe unter dem Titel „Another Gaze“. Kleinere Festivals wären hier zum Beispiel auch gut aufgehoben. Auch das Kino für ein junges Publikum und Spätvorstellungen am Wochenende wird es geben.

Lucky als programmatischer Eröffnungsfilm – weil er euch Glück bringen soll? 

Gerald Knell: „Lucky“ ist auch ein Film über die wirklich wichtigen Dinge im Leben, zum Beispiel eine gute Bloody Mary und ein schönes Gespräch – auch daher passt er gut als Eröffnungsfilm. Und es ist Harry Dean Stantons letzter Film.

© Peter Schmidt

Das Kino am Spittelberg ist vielen ja bereits bekannt. Wie viel hat sich verändert, was blieb bestehen?

Sabine Hofmann: Der Saal wird allen, die ihn kennen, unverändert erscheinen. Wir haben aber im Foyer versucht, mit unseren recht überschaubaren Mitteln und der Hilfe großartiger Partner, eine zeitgemäße, elegante Baratmosphäre zu schaffen, die Gäste vor-, nach oder überhaupt auch abseits eines Kinobesuchs zum Verweilen einladen soll. Das Kino steht im Zentrum unserer Aktivitäten, doch soll die Bar einen eigenen Raum schaffen, wo es Spaß macht, einen Drink zu nehmen und über den Film zu plaudern.

Ihr werdet, vor allem in der bereits erwähnten Dokumentarfilmreihe, ausgewählte Dokumentationen zeigen – findet ihr neue österreichische und europäische Dokumentation momentan in der heimischen Kinolandschaft unterrepräsentiert?

Sabine Hofmann: Das kann man eigentlich, insbesondere bei heimischen Dokus, so nicht sagen. Es gibt dennoch einige schöne österreichische und europäische Dokumentarfilme, die nicht unsere Kinos kommen, das aber verdienen. Hier wollen wir gerne einspringen.

Gibt es subjektive Highlights im kommenden Programm? 

Gerald Knell: Ich freue mich ganz besonders auf das Harry Dean Stanton Tribute mit Repo Man, einer großartigen Sci Fi-Komödie. Aber auch auf die Pratersauna-Doku „Der letzte Aufguss“ am Eröffnungswochenende.

Der Eröffnungsfilm „Lucky“ wird am 6. April um 20:15 gezeigt. Anschließend gibt es eine Eröffnungsparty mit den DJs von Can you dig it

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