Freude schöner Revolutionsfunken

Überwachung, Politik für Banken, Abschiebungen – Kunst kann das verändern. Das will jedenfalls das Kunstfestival "Europa". Ein Gespräch mit den Machern.

Können Kunst und Kultur gesellschaftliche Missstände verändern oder „nur“ offenlegen?

Konstantin Wecker hat es in seinem ZIB 2-Interview sehr treffend formuliert. Wir als KünstlerInnen können Missstände offenlegen, Menschen zum Diskurs anregen und auf ihrem Weg begleiten. An tatsächlichen Änderungen mitarbeiten müssen alle oder zumindest eine kritische Masse: zivilgesellschaftliche Organisationen wie Attac, Medien, Bildungseinrichtungen und VertreterInnen aus der Kunst.

Aber auch die Politik ist gefragt, ihren Gestaltungsspielraum zum Wohle aller zu Nutzen. Oder sie lässt die Menschen zusammenschlagen. Vor allem in Frankfurt ist das ja ein sehr beliebtes Mittel. Immerhin stehen dort total wichtige Gebäude, die vor friedlichen DemonstrantInnen geschützt werden müssen. Wie hoch sie nur sind, diese Banken.

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Künstler aus?

Das Kunstfestival wird sehr offen organisiert. Wer mitmachen will, einfach melden. Die Arbeit muss Europa zum Thema haben und darf natürlich weder rassistische, menschenverachtende noch diskriminierende Inhalte bewerben. Praktischerweise meiden diejenigen, die wir nicht so gern haben, die Arena sowieso. Viele Probleme lösen sich damit ganz von alleine.

Ihr verzichtet auf Sponsoren. Warum?

Wir wollen keine Produkte in den Mittelpunkt des Festivals stellen sondern das Thema: EUROPA.

Obwohl ihr eine tendenziell social-media kritische Gruppierung seid, verzichtet ihr nicht auf Facebook und Co. Muss man da einfach mit?

Wir alle, die wir Facebook nutzen, müssen uns im Klaren darüber sein, dass dort veröffentlichte Informationen gefunden und gegen uns genutzt werden können. Die Verfolgung von DemonstrantInnen in Ägypten konnte auch deshalb geschehen, weil die ägyptische Regierung soziale Netzwerke so stark überwacht. Wie netzpolitik.org kürzlich aufdeckte, möchte die deutsche Regierung das jetzt übrigens auch machen. Die enge Verflechtung zwischen der NSA und Facebook ist ebenfalls sehr beunruhigend.

Aber die Konsequenz daraus kann ja nicht sein, dass wir alle nicht mehr gegen Missstände in der Gesellschaft aufstehen. Wir nutzen Facebook, weil wir mit anderen kommunizieren wollen und die Menschen nun Mal auf Facebook sind. Viele junge NutzerInnen sind übrigens schon vor Jahren von Facebook auf Image-Sharing-Communities abgesprungen. Mit dem Erwerb von Instagram hat Facebook sie zum Teil allerdings wieder zurückgekauft.

Wir sehen, Facebook ist nur aus Sand gebaut. Wir sind die Sandkörner. Wenn Alternativen wie Diaspora größere Verbreitung finden, werden wir von Facebook auch wieder abziehen. Bis dahin veröffentlichen wir einfach auf beiden Plattformen.

Wann wird es ein fixes Line-Up geben?

Wir planen bis 20. August alle Acts beisammenzuhaben und das Line-Up montags darauf, also am 24. August, zu veröffentlichen. Wir bemühen uns natürlich, die Website laufend aktuell zu halten.

Die Festivalbesucher, die sich hinterher in die Ubahn setzen und heimfahren – was erhofft ihr euch in ihnen ausgelöst zu haben?

Wenn wir es schaffen, BesucherInnen die Augen über das derzeitige Europa zu öffnen und gleichzeitig eine Vision für ein zukünftiges Europa mitzugeben, dann haben wir es richtig gemacht. Ansonsten hat zumindest jede/r Anwesende einen Abend lang über Europa nachgedacht. Auch nicht schlecht.

Eine ganze Nacht lang wird für ein Europa, wie es ist Moment noch nicht ist, Kunst gemacht. Das endgültige Line-Up wird es hier nachzulesen geben.

Bild(er) © 2) Defjim
3) Sophie Reyer
4&5) Arena Wien
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