Gar nicht öd in Hellmonsödt

Wer das Land liebt wird Hellmonsödt lieben. Wer Kunst liebt wird Hellmonsödt lieben lernen. Das lässt sich ganz einfach behaupten, denn die Artmons Contemporary liegt im Herzen dieser oberösterreichischen Provinz und stellt dort Kunst für Herz und Hirn aus.

Zwei U-Bahnlinien und mehrer Straßenbahn- und Buslinien bringen kunsthungrige Wiener und Wien-Touristen zum Mumok und Leopold Museum ins MQ. Ein Bus und eine S-Bahnlinie brachte die Leute nach Klosterneuburg zu Nitsch und Konsorten ins Essl Museum. Wer der Artemons Contemporary Galerie in Hellmonsödt bei Linz einen Besuch abstatten möchte, muss sich noch etwas mehr bemühen und einen kleinen Road Trip einplanen.

Der Name des Dorfes hält auf jeden Fall nicht, was er verspricht, denn gegen potentielle Provinz-Ödnis kämpft Galerieleiter Herwig Dunzendorfer mit allen Mitteln der Kunst an. Die aktuelle Ausstellung Inside Out zeugt von jener qulitätvollen Experimentierfreudigkeit die die Artemons Contemporary in den Status eines anerkannten Sonntagsausflugsziels heben könnte. Zum Buschenschank kann man nachher immer noch.

Drei weitere Gründe warum es sich lohnt dort mal vorbeizuschauen, und noch ein bisschen mehr über seine Galerie, hat uns Herwig Dunzendorfer verraten.

Wenn man an das Essl Museum denkt, wird einem bewusst wie schwierig es Museen haben, die etwas außerhalb der Ballungszentren liegen – kennt ihr das?

Aufgrund unserer Galerietätigkeit ist die Situation mit einer rein musealen Institution wie Essl nicht vergleichbar. Wir haben neben unserer musealen Ausrichtung 2010 die Galerie Artemons Contemporary gegründet. Der Fokus dieser kommerziell ausgerichteten Galerie zielt auf zeitgenössische innovative Positionen mit einem durchaus internationalen Ansatz. Unser Programm umfasst somit einen weiten Spannungsbogen von klassischer oberösterreichischer Moderne wird bis hin zu experimentellen zeitgenössischen internationalen Positionen.

Schafft ihr es die Besucherzahlen relativ konstant zu halten?

Wir haben auf über 600 m2 immer mehrere Ausstellungen gleichzeitig und stellen bekannten Größen, die als Publikumsmagneten fungieren, junge Positionen gegenüber. Das Wichtigste dabei ist jedoch eine durchgehend hohe Qualität.

Euer Programm ist sehr ambitioniert und experimentierfreudig – wonach wählt ihr eure Künstler aus?

Wir arbeiten mit bestimmten Kriterien wobei Innovation und Qualität verbunden mit einer gewissen Nachhaltigkeit die Eckpunkte bilden. Ich will spannende Kunst auf hohem Niveau zeigen. Die eurozentrische Kunst hat sich zum Teil zu sehr dem reinen Intellekt verschrieben. Intellekt ist jedoch letztendlich auch nur ein Mittel zum Zweck und eine sich selbst referierende Intellektualität läuft Gefahr wie eine Katze dem eigenen Schwanz nachzulaufen.

Verschwinden und Vergänglichkeit sind so die Überthemen der aktuellen Ausstellung Inside Out – wieso habt ihr euch für diesen Fokus entschieden?

Vergänglichkeit ist ein kleinster gemeinsamer Nenner alles Entstandenen. Es ist eine interessante Herausforderung Substanzlosigkeit mit Hilfe von Substanz zu hinterfragen. Gerade hier finden sich Widersprüche, denen die reine Intellektualität nicht gewachsen ist. Das ist eher durch Intuition und unreflektierte Wahrnehmung fassbar.

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