Rechte Saunarei

Die Beteiligung eines freiheitlichen Lobbyisten an der Pratersauna mag rechtens sein, sie nicht zu tolerieren ist dumm und naiv. Grund zum Feiern ist sie aber auch keiner.

Aus rechtlichen Gründen werden Artikel aus unserem Archiv zum Teil ohne Bilder angezeigt.

Es ist zuallererst eine Glaubens-, dann erst eine Gewissensfrage. Und es ist jedenfalls ein wenig verworren: Das Magazin News hat im Sommer enthüllt, dass Walter Meischberger an Wiens angesagter Clublocation Pratersauna beteiligt ist. Meischberger war einst ranghoher Politiker der parlamentarischen Rechten und später als Lobbyist, Privatier und Trauzeuge des »Feschisten« Karl-Heinz Grasser zudem Profiteur von dessen durchleuchtungswürdigen Privatisierungstätigkeiten als blau-schwarzer Finanzminister. Auf den Bericht folgte ein Dementi der beiden Betreiber des Szenelokals, welche News im Interview mit www.thegap.at unterlassene Recherche vorwarfen. Man hätte sich mit »von Neidern in Umlauf gebrachten Falschmeldungen« herumzuschlagen. News konterte und bekräftigte seine Vorwürfe. Eine Zeit lang stand Aussage gegen Aussage, getragen immerhin vom gemeinsamen Fundament der Überzeugung, dass eine Beteiligung Meischbergers offensichtlich etwas Anrüchiges wäre – schließlich distanzierten sich auch die beiden Saunisten empört von dem Ex-Politiker. Das taten sie auch noch, als dieser persönlich in der Presse bestätigte, in die Immobilie des Szenelokals investiert zu haben. So weit, so unklar.

Bleibt die Frage, welches Interesse Meischberger haben könnte, öffentlich die Unwahrheit zu sagen? Zumal gerade einem Freiheitlichen immer zuzutrauen ist, dass er die Wahrheit bloß behauptet, wie sie gerade am praktischsten ist. Erst recht Meischberger. Ist dieser doch hundertprozentiger Eigentümer einer Agentur für strategische Kommunikation – also nicht unbedingt der Wahrheit verpflichtet. Denn strategisch zu kommunizieren bedeutet mitunter, sich die Dinge zurechtzubiegen.

Wem also glauben? Auch wenn es opportuner scheint, eine dem Boulevard verpflichtete Illustrierte zu verteufeln als die angesagte Szenehütte, glaube ich News. Das Magazin scheint sich seiner Sache sicher zu sein, die Pratersaunabetreiber nicht. Sonst würden sie gegen die Beteiligungsbehauptung, welche zumindest in Szenekreisen der üblen Nachrede gleichkommt, rechtlich vorgehen. Diese ist nämlich geschäftsschädigend – ich kenne doch einige Menschen, welche die Pratersauna nun bewusst boykottieren (auch wenn die bereits gehörte Bezeichnung »Nazisauna« natürlich lachhaft und absurd ist). Kurzum: Solange die Pratersauna News nicht verklagt, um sich auf eine Beweisführung einzulassen, glaube ich, dass Walter Meischberger an dem Lokal beteiligt ist. Nicht an der Betriebsgesellschaft der Pratersaunisten, aber eben an der Immobilie. Punkt. Das ist weniger verwerflich, als vielmehr eine immobile Realität quer durch die Stadt.

Kunst als Dekor

Für mich ist das allerdings kein Grund, das Lokal fortan zu meiden. Weniger gerne werde ich dennoch hingehen, das aber aus einem anderen Grund: In einer ungeschickten, eilig verfassten OTS-Aussendung hat das Pratersauna-Team nämlich seinen davor behaupteten kulturellen Anspruch relativiert: »Wir sind eine unpolitische Location, in der jede Form von Kunst, Kultur und Lifestyle Platz hat, jedoch lassen wir uns sicher nicht in ein politisches ›Eck‹ drängen. Im Gegenteil, wir distanzieren uns ganz klar und ausdrücklich davon. Jeder, der uns kennt, weiß das«, verlautbarte man über die APA. Mit diesem Bekenntnis, eine unpolitische Location für alles und jeden zu sein, ist die Pratersauna zwar immer noch ein wunderschöner Ort mit angenehmer Atmosphäre. Letztlich unterscheidet dieser sich aber doch nur mehr graduell von einem beliebigen Club wie der Passage oder einer mittlerweile langweiligen Location wie der Szene Wien, welche unter ihrem von der Stadt-SPÖ inthronierten neuen Betreiber vom vormals sorgfältig kuratierten Szenetreff zum x-beliebigen Durchlaufposten gerade verfügbarer und tourender Bands wurde. Das ist eine akzeptable Positionierung für Lifestyle-Entrepreneure, aber eben auch ein Standpunkt der Unkultur und der Haltungslosigkeit. Schade, der schicke Lack ist ab.

Thomas Weber, Herausgeber

weber@thegap.at

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...