Her mit deiner Seele

Kleine Anleitung, wie man als Gitarrenband im Jahr 2014 relevant bleibt: das neue Spoon-Album hören und genau so nachmachen. Ach ja, vorher bitte 20 Jahre Erfahrung sammeln.

Mehr als 20 Jahre krächzt Britt Daniel schon ins Mikro, die Stimme wird mit jedem Album kratziger, die Songs damit aber nur mitreißender. Spoon, Helden des Indie-Rock, veröffentlichen mit "They Want My Soul" ihr achtes Studioalbum, Relevanz haben sie über die Jahre dabei keine verloren. Ja, das kann man ruhig hervorheben, ich schau zu euch, liebe Strokes, Interpol, Cat Power, Wilco. Nach dem großen Konsenswerk "Ga Ga Ga Ga Ga" stellte sich 2010 mit dem nicht ganz so gut aufgenommenen "Transference" zwar eine kreative Flaute ein, die vierjährige Bandpause danach aber haben sie gebraucht, denn "They Want My Soul" kehrt zu gewohnt Gutem zurück.

Soul haben die Texaner auf jeden Fall, weniger im engeren Sinn, mehr in ihren Instrumenten und ihrem Auftreten. In "Rent I Pay", dem Albumopener, kracht das Schlagzeug, Daniels Stimme ist kurz vorm Überschlag und die Gitarren sind beißend und minimalistisch. So intensiv wird es das restliche Album zwar nicht mehr, die Aufmerksamkeit ist aber da. "Do You", ihre erste Singleauskopplung, ist dagegen ein Haufen Zuckerwatte, so süß ist der Refrain und so luftig der Verse. "Someone get popsicles / someone’s gotta do something ’bout this heat / cause it’s late in October / and tar’s still melting in the streets." Und dann immer das tänzelnde Kopfstimmen-"Do-do-do-do-do". Ein kleiner Verschnaufer auf dem sonst so dichten und ernsten Album.

"They Want My Soul" macht alles richtig, was von einem klassischen Indie-Rock-Album erwartet wird. Filler gibt es kaum, dafür mindestens einen Tanzflächenfüller ("Rent I Pay"), die Hooks bleiben im Ohr und die Texte sind klug ohne prätentiösen Ausrutscher – dafür sind Spoon zu altehrwürdig. Das "Garden State"-Bashing in "Outliers" setzt dem Ganzen noch das Krönchen auf: "And I remember when you walked out of ‚Garden State‘ / ’cause you had taste, you had taste / you had no time to waste." Es wird nicht auf billige Nostalgie gesetzt. Spoon wissen wo ihre Stärken liegen und haben sich dieses Mal darauf konzentriert.

"They Want My Soul" ist auf Loma Vista erschienen.

Bild(er) © Tom Hines
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