How to… orgasm?

Die Website OMGYes versteht sich als Wissensplattform rund um Sexualität, im Fokus steht vor allem die weibliche Lust. Für 29,00 € erhält man Zugriff auf den gesamten Inhalt der Forschungsergebnisse und zwölf Videotutorials, die zeigen wie man an Frau am besten Hand anlegt. Wir haben mit dem Co-Funder Rob Perkins gesprochen.

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Life Hacks, Videotutorials oder „How to’s“ – wer vom realen Leben überfordert ist findet im Internet schnell Hilfe. Seit Dezember 2015 bietet die Website OMGyes nun auch denjenigen Rat, die an der weiblichen Lust interessiert sind – und das auf wissenschaftlicher Basis. Die Forschungsergebnisse wurden dafür nicht nur in trockenen Zahlen und nichtssagenden Diagrammen aufbereitet, sondern in praktische „How To“-Videotutorials verpackt. How-to-orgasm, quasi.

Während Hollywood und Youporn vorgaukeln dass ein dreiminütiger Ritt meist ausreicht, um sowohl ihr als auch ihm den Höhepunkt zu bescheren ist der Diskurs zum weiblichen Orgasmus auch im realen Leben von mehr Schein- als Faktenwissen geprägt. Fachleute diskutieren den “G-Punkt” und die weibliche Ejakulation schon lange recht widersprüchlich, ihre Existenz wird sogar immer noch gänzlich in Frage gestellt. Sex an sich wird zwar offenherzig diskutiert und in jeglicher medialen Form aufbereitet – die Solonummern aber nach wie vor eher ausgespart, insbesondere was das weibliche Handanlegen angeht. Hier setzte nun das Team hinter OMGYes vor mehr als vier Jahren an und machte den weiblichen Orgasmus zu ihrem Forschungsobjekt. Wir haben mit Co-Founder Rob Perkins über Akzeptanz und Zukunft des Projekts gesprochen.

Rob, eure Website ging vor weniger als einem Jahr online. Der Großteil des Contents ist kostenpflichtig, für umgerechnet 29,00 € haben UserInnen Zugriff auf alle Forschungsergebnisse, Videotutorials und Erfahrungsberichte. Wie viele AbonnentInnen haben sich mittlerweile bei OMGYes angemeldet?

OMGYes wurde im Dezember 2015 mit Veröffentlichung unserer ersten Staffel gelauncht und mittlerweile zählen wir 75.000 UserInnen – nicht nur in Amerika sondern auf der ganzen Welt. Vor allem in Europa steigen die Memberzahlen rapide an, und das nicht nur bei den weiblichen Usern.

Die erste Staffel fokussiert sich auf das Lustempfinden bei Frauen durch den „Handjob“. Genauer gesagt demonstriert ihr die Vielzahl der Techniken, die Frauen selbst oder ihre PartnerInnen zur Stimulation der Klitoris anwenden können. Richtet sich euer Angebot also vornehmlich an Frauen?

In der ersten Staffel konzentrieren wir uns tatsächlich ausschließlich auf das weibliche Lustempfinden, dass mit den unterschiedlichsten Techniken der Stimulation mit den Fingern erreicht werden kann. Trotzdem wird unsere Website nicht nur von Frauen genutzt, sondern im Gegenteil: Nahezu die Hälfte unserer Abonnenten sind männlich.

Du hast schon erwähnt, dass sich OMGYes nicht nur bei euch in den USA sondern weltweit großer Beliebtheit erfreut. Schon kurz nach dem Launch im Dezember 2015 hat sich zum Beispiel Emma Watson als großer Fan eurer Website bekannt. Wie sieht’s denn in Deutschland und Österreich aus, nehmen die Leute das Angebot hier ebenfalls so gut an?

Ja, absolut – alleine in Österreich und Deutschland zählen wir mehr als 9.000 UserInnen, Tendenz steigend. Tatsächlich scheint es als wären die UserInnen in Europa, besonders im deutschsprachigen Raum, noch viel aufgeschlossener und interessierter an unserem Thema.

Wir haben bereits einige Umfrage unter unseren Mitgliedern durchgeführt, warum sie OMGYes nutzen. Die meisten gaben an, dass sie vor allem Genaueres über das weibliches Lustempfinden erfahren wollen – Aufklärung dazu war auch genau unser Ziel. Klar, jede Frau ist anders und was manche als lustvoll empfinden ist für andere unbehaglich. Trotzdem ist diese Vielschichtigkeit kein Grund, die weibliche Lust als unergründlich anzusehen. Seit wann hat Komplexität die Neugier und den menschlichen Forschungsdrang gebremst?

Wir sollten Sexualität und Lustempfinden als etwas ansehen, das wie die verschiedenen Küchen weltweit, egal ob asiatisch, indisch, italienisch etc. funktioniert. Frei von Tabus, die uns vorige Generationen auferlegt haben. Wie beim Kochen gibt es unzählige Rezepte, die gesammelt werden können – bisher hat sie nur niemand aufgeschrieben. Es macht Spaß, seine Experimentierfreudigkeit nicht nur am Tisch, sondern auch im Bett auszuleben.

Wann ist die zweite Staffel auf OMGYes geplant? Und um was geht’s?

In der aktuellen Staffel geht es ja wirklich ausschließlich um die Stimulierung der Klitoris mit den Fingern. Die nächsten Forschungen und Videoproduktionen laufen aber bereits auf Hochtouren und wir sind wieder im ganzen Land auf der Suche nach echten Frauen, die uns an ihrem Wissen teilhaben lassen. Unter anderem wollen wir verschiedenen Formen des Oralsex aufarbeiten, wie man den G-Punkt findet und stimuliert und das Mysterium um die weibliche Ejakulation auflösen.

Zu keinem dieser Bereiche liegen bisher großangelegte Studien vor, wie wir sie derzeit betreiben. Bei all unseren Forschungen legen wir Wert darauf, Frauen aus allen Lebensabschnitten zu befragen. Ein großer Themenschwerpunkt wird, wie sich die Sexualität im Laufe des Lebens ändert, abhängig von der jeweiligen Lebenssituation.

Und wir wollen Frauen zu Wort kommen lassen, die keinen Orgasmus bekommen – und trotzdem grandiosen und erfüllenden Sex haben.

Bisher habt ihr ja ausschließlich Frauen zu ihrem Lustempfinden befragt, da ihr hier großen Bedarf seht. Ist die sexuelle Lust der Männer denn wirklich so viel besser erforscht? Leiden denn nicht auch viele Männer unter dem simplen „Rein und Raus“, dass Pornos und Hollywood so gerne vermittelt?

Das Objekt unserer Forschungen, quasi das Zentrum unserer Wissbegierigkeit, ist die Lust an sich. Heute haben wir so viele Tabus überwunden, die vor wenigen Jahrzehnten noch brandaktuell waren, schauen wir uns nur mal den modernen Umgang mit Homosexualität oder Oralsex an. Das Lustempfinden, vor allem das man mit sich selbst haben kann, ist aber nach wie vor ein Thema, das mit Scham behaftet ist. Jeder tut es, aber niemand redet darüber – vor allem unter Frauen. Deswegen haben wir das weibliche Lustempfinden zum Thema der ersten Staffel von OMGYes gemacht.

Tatsächlich sehen wir aber sehr wohl auch Bedarf hinsichtlich der Forschung zum männlichen Lustempfinden. Wir möchten aber jedes unserer Themen so ausführlich und gründlich wie möglich aufarbeiten. Viele Sexplattformen wollen das ganze Gebiet der Sexuaität auf einmal abdecken und neigen dazu, nur an der Oberfläche zu kratzen.

Auf eurer Website steht vor allem der wissenschaftliche Aspekt im Vordergrund. Wen zählt ihr denn zu euren Experten?

Hinter OMGyes steht ein Team von mittlerweile 10 Festangestellten – dazu zählen wir SexualwissenschaftlerInnen wie Debby Herbenick PhD und Brian Dodge PhD von der Indiana University und dem Kinsey Institut, Programmierern die in Kleinstarbeit die tollen Videotutorials anfertigen und Pädagogen.

Tatsächlich liefern aber vor allem die 2000 Frauen, die an unseren Studien teilgenommen haben und uns ihr intimstes Wissen weitergegeben haben, die relevantesten Informationen auf OMGYes. Jede Frau ist unterschiedlich, das ist klar – aber durch die Einsicht und Sammlung von 2000 sexuellen Vorlieben gelingt es, die ganze Vielfalt der weiblichen Lust auf einer Plattform darzustellen und aus einzelnen Erfahrungen einen kollektiven Wissenspool zu schaffen.

Uns war es zudem wichtig, die Forschungsergebnisse nicht in trockenen Zahlen und Artikeln wiederzugeben, sondern in realitätsnahen Videos. Unsere Protagonistinnen sind keine Schauspielerinnen, sondern individuelle Frauen die ihre eigenen Erfahrungen teilen. Statistiken sind wunderbar, aber für etwas so tiefgreifendes wie die sexuelle Lust braucht es eine intensivere Auseinandersetzung, damit die Ergebnisse angemessen aufgearbeitet werden können.

OMG Yes! ging im Dezember 2015 online – unter „Gratisprobe“ https://www.omgyes.com/de/try-it/edging kann auch ohne Mitgliedschaft ein Einblick in die Videotutorials gewonnen werden.

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