Ich mags, wenn du mir dabei zuschaust

Wer will schon anderen beim Zocken zuzuschauen? Circa 45 Millionen Menschen, monatlich und das alleine auf Twitch – Fenster und Epizentrum der Gaming Community. Der Zauber von all dem?

Auf Twitch kannst du anderen Zockern beim Spielen zuschauen. Warum dich das interessieren sollte? Weil Twitch gerade Sehgewohnheiten umkrempelt und Dinge möglich macht, die vorher nicht möglich waren. Es verändert unsere Medienkultur. Amazon war das letztens fast eine Milliarde wert. Wenn du eher auf Zahlen stehst.

Wer, was und wie da über den Schirm läuft, dafür gibt es kaum Beschränkungen – jeder kann zuschauen, jeder kann streamen und alle können live per Chat mitreden. Fernsehen der Zukunft also, zumindest teilweise. Die Plattform ist verantwortlich für über zwei Fünftel des gesamten Livestreaming Traffics in den USA. Zum Vergleich, Youtube gerade einmal für fünf Promill, und nein, Pornos sind ja nur ganz selten live. Ob eSports Turniere, Zelda Speedruns, Minecraft Minimundus oder einem Typen, der von seinem kuriosen letzten Date erzählt, während er eine Horde Orks verprügelt, alles ist auf Twitch. Du nennst ein Spiel, einer der hundertausenden Sender hat dort ein Video dazu, live oder on demand. Twitch ist die digitale Couch auf der Gamer sich Feierabends mit Brüdern und Schwestern im Geiste von ihrem Lieblingshobby berieseln lassen, ungestört von verurteilenden und tadelnden Blicken. Denn wir alle wissen: Videospiele sind was für Kinder. Not.

I Want It All And I Want It Now

Mit explodierenden Zugriffszahlen stellt Twitch vor allem klar, dass dieses Teilen von Spielerfahrung ein Bedürfnis darstellt, das lange seitens der klassischen Medienkonzerne ignoriert wurde. Gamen spielt sich nicht mehr alleine oder mit ein paar Kumpels aus dem Netz vor irgendeiner Art von Bildröhre ab. Man nimmt stattdessen Teil an etwas Größerem und das am liebsten live. Das geht so weit, dass Spieler sich in Bars treffen, um gemeinsam Pros beim Zocken zuzusehen und über ihr Hobby zu reden.

Einer der solche Treffen initiiert ist Thomas Sched, Mitgründer von Barcraft Austria und selbst begeisterter Gamer. Der Bedarf war schon lange da, meint Sched, es brauchte nur das „Internet als Katalysator“. Mit der entsprechenden Bandbreite wird Streamen live und simpel möglich, um das nächste Level der Spielerfahrung einzuläuten. Sched ist davon überzeugt, dass dieses interaktive Format die Spieler international zusammenrücken lässt und eine „global culture“ entsteht. An die Zukunftstauglichkeit des Formats glaubt ja auch Internetriese Amazon.

Let’s Plays vs. E-Sports

Was man auf Twitch sehen kann? Es teilt sich grob in zwei Gruppen. Der kleinere Teil läuft als kommentiertes Gameplay (zB. Let’s Plays, Speedruns) ab, bei dem ein Streamer auf lustige und aufschlussreiche Weise das Spielgeschehen kommentiert, oder den Zuseher an Themen teilhaben lässt und via Chat mit diesen interagiert. Ähnlich wie bei erfolgreichen Youtube-Vloggern kommt man zwar wegen bestimmten Inhalten zu einem Stream, man bleibt aber aufgrund der Persönlichkeit des Streamers, im Idealfall holt man sich ein Abonnement.

Der größte Teil des Traffics kommt allerdings von kompetitiven Inhalten, die im weitesten Sinne unter dem Banner des eSports zusammengefasst werden können. Sie sind das Herzstück von Twitch und maßgeblich für die Entwicklung von Technologie und Subkultur verantwortlich. Ranglisten und Ligen, Statistiken und permanente kleine Updates halten die Spieler weltweit im Bann. Auf Twitch kann denen, die ganz oben stehen, sprichwörtlich auf die Finger geschaut werden. Im Bereich des eSports haben Übertragungen längst den Amateurbereich verlassen, der Hype aus Asien kommt langsam auch im Westen an: Die streamenden Spieler sind längst Profis und in ihrem Dunstkreis mit einem Personenkult verehrt.

Bild(er) © Riotgames (Creative Commons), Latenightgames (Creative Commons)
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