Kamis Musikjahr 2016

Wie jedes Jahr bitten wir unsere MusikredakteurInnen zurückzuschauen. Heuer gaben wir ihnen einige Kategorien zur Wahl. Lest hier, was Kami gewählt hat.

Ganz ehrlich, ein Jahresrückblick ist eine schöne Sache: Ich kann Bands und Alben, die sich teilweise erst viel zu spät als echte Top-Produktionen herauskristallisiert haben, hier einen Platz geben. Außerdem ist es schön, das Jahr musikalisch Revue passieren zu lassen. Ach ja, weißt du noch, usw …

1. Fünf Alben, die zeigen, dass Electronic immer noch was kann

Niconé: Luxation

Ein Mann gibt Gas, Uptempo House, ohne dabei wirklich anstrengend zu werden. Zeigt, was man aus dem abgelutschten Genre noch alles rausholen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=n8TdcHvATtA

Roosevelt: Roosevelt

Verspielter Pop-Appeal trifft Synth-Power. Hier darf sogar Gitarre gespielt werden. Roosevelt immer wieder überraschend, immer wieder neues zu entdecken.

Weval: Weval

Die beiden Herren zeigen für mich ziemlich beeindruckend, dass es nicht immer 130 bpm aufwärts bedarf, um gscheit Dampf zu machen. Ist eines von jenen Alben, die bei mir erst wirklich sickern mussten, um in iherer Tragweite erkannt zu werden.

Chambray: Reliev

Ultramajic aus London halte ich für eines der interessantesten Labels überhaupt. Und auch Chambray, der erste nicht-englische Künstler auf dem Label, hält mit seinem future retro sound den hohen Qualitätsanspruch von Ultramajic.

Yello: Toy

Man kann nicht gerade behaupten, die beiden Herren würden sich auf ihren Lorbeeren ausruhen. Nötig haben sie’s ja nicht mehr, weder vom Geld her noch hinsichtlich ihrer Erfolge im vorigen Jahrtausend. Doch auch im hohen Alter – ohne Übertreibung – ist mit einer gewissen open mindedness noch einiges zu bewegen. Hut ab!

2. Didn´t see this coming

Kaytranada: 99.9%

Bloß weil einer geile Remixes machen kann, muss er noch kein guter Produzent (oder DJ) sein, und umgekehrt. Aber bei Kaytranada passt einfach alles: Zwischen feinen Ohrwürmchen gibt’s fette Hip Hop-Beats oder abstrakte Klangstrukturen. Das Album ist eine gelungene, bunte Mischung – wie auch schon das Albumcover schon ziemlich klar macht.

3. So underrated!

Sleaford Mods

So würde Ian Dury, der 1978 mit „Hit me with your rhythm stick“ die englische Hitparade im Sturm eroberte, wohl heute klingen: Schräg, wild, und immer eine Bierdose in unmittelbarer Reichweite. Bekannt sind sie auch für ihre sehr eigenwilligen Liveshows. Jedenfalls grandios!

4. Gänsehaut

Tall Black Guy

Trockene Hip Hop Beats, fein nuancierte Effekte, eine zarte Melodie und fertig ist der Klagteppich. Vocals? Nebensache!! Ganz ehrlich, ich liebe eine kickende 4/4 Bass Drum, aber bei den rhythmischen Gebilden des US-Produzenten Tall Black Guy macht meine Körperbehaarung regelmäßig Yoga. War übrigens bei der heurigen Viennale erstmals in Wien zu sehen.

5. Österreich

Waldeck: Gran Paradiso

Der Anwalt schafft es immer wieder, sich neu zu erfinden. Im alten Jahrtausend ganz chillig und in Slow Motion, bei Live Gigs hinter Vorhängen versteckt. Danach ein Turbo des, man verzeih mir das fürchterliche Wort, Elektro-Swing. Und mit dem neuen Happy Pepi-Sound erneut voll entspannt, neu instrumentiert und selbstironischer denn je.

6. Heavy Rotation

Romare: Love Songs, Part Two

Ist so ziemlich mein Lieblingsalbum des Jahres 2016. Frisch, funkiger als zuletzt, unverbraucht, neu und alt zugleich, weil der Designer und Musiker viele traditionelle Instrumente aus Afrika in seine ausbalancierten Soundcollagen einbaut. Die Einfachheit und Geradlinigkeit turnen mich an. 247 – wenn sonst nicht grad neues Zeugs läuft.

7. Eigentlich nicht mein Kaffee, trotzdem super

Black Palms Orchestra: Sad Moon Rising

Note to myself: Natürlich braucht keiner das dauernde Gitarrengezirpe, aber es darf halt auch mal was ganz heftug werden, denn so ein schön schlüssig morbides Gesamtkunstwerk gibt es nicht aller Tage. Höre ich da einen Hauch Jesus and the Mary Chain?

8. Nicht gut, aber (damals) wichtig

Booka Shade: Movement 10

Na klar, auch das Berliner Duo feiert gerne Geburtstag. Und natürlich, „Movement“ war 2006 ein episches und für das Genre durchaus prägendes Album. Aber muss es gleich ein Remaster und die Beglückung mit einer etwas zähen Remix-CD sein? Das hat schon einen Touch von Abzocke. Zugegeben, der eine oder andere Remix kann schon was, aber am Ende des Tages ist das Dingens dann doch entbehrlich.

Original

RMX

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