Monotonie und Alltag

Die Heiterkeit haben nur sich selbst verändert. Ihre Musik bleibt wunderbar. Ein Doppelalbum, gemacht für Poesiealben.

Die Gruppe Die Heiterkeit hat sich bewegt, verändert, spitzfindige Kommentatoren aus den Checkerforen nennen sie schon Die Weiterkeit. Stella Sommer ist nun alles: Texterin, Komponistin, Sängerin, Gitarristin, Postergirl für Sehnsuchtsindieboys und Jutebeutelträger mit neutralem Smiley. Sie hat neue Mitstreiter, ja, aber ohne Spechtl-Freundin und Korrektiv Rabea Erradi, die immerhin noch bei den Aufnahmen dabei war, fühlt es sich nicht mehr wie früher an, Messer-Drummer hin oder her. Stella Sommer schenkt uns dafür 20 neue Kunstwerke, 66 Minuten, verdoppelt nahezu das Heiterkeit’sche Œvre, umspannt dabei alles von Relevanz: Pop und Tod. Kein Neuland: Bereits auf einem Tribute-Sampler für das "Alphabet-Album" von Die Türen vertonten sie deren "Pop ist tot" neu.

Sadness-Glam in der Stimme

Der Vorgänger "Monterey" ist ein Meisterwerk, jederzeit hörbar und in fremden Welten entführend, wird von so vielen nah am Herzen getragen. Natürlich ist das neue Doppelalbum kein Stilbruch, darf es im wunderbar durchgestylten heiteren Universum auch gar nicht sein. Über allem steht auch bei "Pop & Tod I+II" die sonore Stimme. Die Musik – Synthie, Gitarre und Klavier: alles wie gehabt – will scheinbar wenig, bleibt immer im Hintergrund, der Sadness-Glam lässt Stimme und Text atmen und wirken. Ab und an sind die Stimmen mehrere, Chöre sind häufiger, mitunter ätzender, die gespielte und ernst gemeinte grundsympathische Überlegenheit steigt dadurch noch mehr, ähnlich wie die gefühlte, aber doch geliebte Monotonie. Und damit auch das Angriffspotenzial.

Wer schon vorher "Im Zwiespalt" war, wird es bleiben

Bei einer Gruppe mit solch hohem Fokus auf Aussage und Gesang spießt es für gewöhnlich. Wer das Debüt "Herz aus Gold" oder "Monterey" nicht liebte, wird auch "Pop & Tod I+II" nicht mögen, selbst der beste Song – der aber bei weiter nicht der einzige beste ist – "Im Zwiespalt" kann diejenigen, die sich in ebenjenem befinden, nicht zur Wahl bringen. Noch mehr als bei den Vorgängern gilt für jene, die nicht gleich auf dem Heiterkeit-Zug gen Seelenfrieden fahren können: reinknien. Denn "Pop & Tod I+II" ist wie ein langes, gutes Buch. Jede Zeile wert.

Das neue Werk "Pop & Tod I+II" erscheint am 3. Juni 2016 beim Label Buback.

Bild(er) © Malte HM Spindler
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