Nächtelang reinarbeiten

Nicole Jaey hat vor drei Jahren bei Null angefangen. Morgen wird ihr sehr gelungenes Album "Jaeyn" präsentiert. Das Video dazu und ein Interview gibt es jetzt schon hier.

Bei all den Soundcloud-Links und selbst gebastelten CDs, die täglich bei The Gap aufschlagen, fällt sehr viel unter den Tisch, auch persönliche Empfehlungen von Tippgebern und Freunden. Nicole Jaey hat etwas anders und richtig gemacht.

Zum Popfest und auf FM4 gab es seit Sommer einigen Rummel. Aber so ein Album war dann nicht zu erwarten. Nicht dass Songwriting mit der Magie des Laptops an sich so aufregend wäre oder Post-Dubstep-Quecksilber-Stimmen oder Synths im menschenleeren Nebel. Aber die Ausführung ist es. Nicole Jaey beforscht mit ein paar Mitstreitern die Schnittstelle von Track und Song. Manchmal sogar hitverdächtig.

Aktuell tut sie das großteils in eigener Regie, vom Video bis zum Label. Vielleicht weniger aus Sorge alles selbst kontrollieren zu wollen, sondern eher aus dem unbedingten Willen, dass die Musik raus geht in die Welt. Natürlich war das an mehreren Punkten des Interviews auch ein Thema. Das erste Video des Albums "Jaeyn" gibt es obendrauf.

Wer hat das Video denn gemacht und animiert?

Passend zu unserem Kollabo-Album ist das ein Duo-DIY Projekt. Die Videos und der Schnitt sind von mir, die Effekte und Animationen von Harry Jen.

Erzähl mal bitte, was hat dich zu elektronischer Musik gebracht und warum warst du nicht von den vielen Interfaces abgeschreckt?

Ich bin hauptberuflich Elektrotechnikerin, selbstständig, mit einem CAD-Zeichenbüro. Also sind mir "Interfaces", technische Geräte und das Lesen von Bedienungsanleitungen nicht neu. Abgesehen davon, dass beides mit Strom zu tun hat und viele Kabel im Spiel sind, hat Soundengineering aber auch nichts mit Elektrokonstruktion zu tun. Ich habe da vor drei Jahren bei Null angefangen, nachdem ich durch Festivalarbeit viele Musiker kennengelernt, und gesehen habe, wie sie arbeiten. Und dann war da einfach dieses extreme innere Verlangen, selbst Musik zu machen, das mich über Monate nächtelang wach gehalten hat, um mich da rein zu arbeiten.

Bekommst du im Unterschied zu Grimes, Björk, Taylor Swift und Solange genug Respekt für deine Musik?

Ich kann Björks Aufruf schon nachvollziehen, sehe das aber etwas gelassener. Es gibt so viele Menschen in unserer Szene, die sich eingehend mit Musik beschäftigen, die uns als Artists kennen und genau wissen, wer was macht. Ich fühle mich da gut aufgehoben, da spürt man die Anerkennung, die man sich als KünstlerIn wünscht. Und es gibt tolle Formate, wie z.B. das Popfest oder das Soundframefestival (wo ich btw. auch am 17.4. spiele), die großen Wert auf die Sichtbarkeit weiblicher Künstler legen.

Aber klar, jene, die sich nicht genauer mit dem Künstler oder Hintergründen beschäftigen, greifen automatisch auf die stereotypen Rollenbilder zurück. Ein – nach dem Betrachten des Jaeyn-Covers – automatisiertes "…aha – und sie ist die Sängerin", oder die Bezeichnung meines solo produzierten Tracks "Gentle Shiver" als "euer Song" ist seit dem gemeinsamen Release schon vorgekommen.

Ich liebe Zusammenarbeit, sowohl bei der Produktion als auch mit Band auf der Bühne. Und bei dem aktuellen Kollabo-Album ist es auch tatsächlich so, dass ich tendenziell eher Sängerin bin und die Mehrzahl der Beats dafür von Harry Jen kommt. Aber das sollte nicht als selbstverständlich angenommen werden, und aus diesem Grund ist es mir wichtig, weiterhin auch als Solo-Artist aufzutreten. Wenn ich als Frau im Club solo mit Keyboard, Controller & Mic auftrete, fällt mir auf, dass Jungs wie Mädls begeistert sind, aber ganz besonders von den Mädls viel gutes Feedback kommt. Das macht natürlich Spaß und geht in die richtige Richtung.

Ursprünglich war das als Jaeyn angekündigt. Warum jetzt doch als Kollabo von Jaey & Jen?

Jaeyn ist ja eine Fusion unserer beider Nachnamen und es stimmt, wir hatten ursprünglich vor, uns als Duo Jaeyn zu nennen. Allerdings war es nicht unbedingt der Plan eine neue Band zu etablieren. Wir wollten einfach allem, was wir im Laufe der letzten beiden Jahre gemeinsam gemacht haben, Raum schaffen.

Als Kollabo ist klarer wer dahinter steht, und Jaeyn haben wir schließlich als Albumtitel nach wie vor behalten.

Redest du gern über deine Texte, was dich da beschäftigt. Oder müssen wir selbst auf die durch den Vocoder gejagten Texte hören?

Im Kern dreht es sich bei diesem Album um die Liebe. Liebe ist mir wichtig und ich schreibe gern aus einer positiven Emotion heraus. Die Texte entsprechen mal meiner tatsächlichen Stimmung, mal mag ich es gern, einfach eine Geschichte zu erzählen, in die der Zuhörer viel hinein interpretieren kann. Meine liebsten Texte von diesem Album sind Glow und Ritual Fusion. Die prickeln so sexy.

Am besten liest man die Texte ja im Booklet unserer schönen CD nach.

Sollen wir Jamal fragen, ob Affine Records nicht voll die logische Wahl für deine Musik wäre? Oder veröffentlichst du gern selbst?

Uhhh ja, Affine ist ein tolles Label. Das wär schon ziemlich überirdisch. Gefragt habe ich bisher noch nicht, wahrscheinlich aus zu viel Respekt, hehee

Die Selbstveröffentlichung ist aus der Not heraus entstanden, weil ich letztes Jahr noch schnell vor dem Popfest veröffentlichen wollte. Wir sind dann für Jaeyn dabei geblieben. Aber ein etabliertes Label wäre natürlich in vielerlei Hinsicht super. Also bitte gerne weiterleiten.

Und live wird wie?

Unser dynamisches Trio hat sich da im letzten halben Jahr sehr bewährt. Harry Jen an den Tasten & Reglern, Raphael Rameis (Drummer von Catastrophe & Cure) am Schlagwerk und ich am Controller & Mic. Bisher waren wir rein elektronisch unterwegs. Jetzt haben wir um akustische Drums erweitert, weil unser Raphi halt Profi und das Feeling leiwand ist. Wird super. Ab ins Celeste.

Das Album "Jaeyn" von Nicole Jay & Harry Jen erscheint im Eigenverlag und wird am 19.2. im Celeste Wien vorgestellt. Ein weiteres Konzert wird es am 17.4. beim Soundframe-Festival geben.

soundcloud.com/nicolejaey

soundcloud.com/harryjen

harryjen.bandcamp.com

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