Oh, Ramona

Dieses Brooklyner Quartett überzeugt mit 13 Songs im Geist der allerbesten Indie- und Post-Punk-Traditionen.

Mit dem dritten Song, "Oh, Ramona" gewinnt dieser mir bislang unbekannte US-Vierer endgültig und fast wie mühelos mein oft musikmüdes Herz. Zum einen nehmen sie damit nach den ersten beiden Songs – der Opener "Bodies Made Of" gemahnt wunderbar aufregend an ein zeitgemäßes Update von Television – geschickt das Tempo raus und klingen dann beinahe so, als würde sich eine weirdere Dischord-Band an einer Version von otherworldly Pop versuchen. Außerdem kann es nie genug Songs geben, die eine Ramona im Titel führen. Was natürlich die Assoziation zu den Ramones aufmacht, die den schönsten dieser Songs im Repertoire hatten, wobei diese Musik hier schon etwas mit Punk zu tun hat, aber definitiv nicht mit Punkrock! Stattdessen sind die Assoziationen beim Hören all over the place. Da erinnert etwas im Duktus an die Minutemen (‚Black And White‘), dort darf oder muss mensch wegen der "jerky" Rhythmenfundamente der Songs an The Fall oder Wire denken – wenn diese einen Jonathan Richman als Sänger und Texter hätten. Bei den Strokes war es damals noch ein großes Problem, dass sie so klangen wie der halbe Protopunk von vor drei Jahrzehnten. Das stört heute niemand mehr. Deerhunter oder Mac DeMarco gelten als coole Hunde, gerade weil sie sich so geschickt durch die Geschichte arbeiten.

Zwei Menschen, Austin Brown und Andrew Savage, spielen hier Gitarren und singen, was Parquet Courts zusätzliche Spannung verleiht. Die Musik strahlt eine grundlegende Dringlichkeit aus, vermittelt, dass diese vier Männer etwas meinen mit ihren Geschichten von einer Schauspielerin, die nie jemand hat spielen sehen und Ähnlichem. Ein Song führt dann noch "Vienna" im Titel – und ist auch noch kurz (1 Minute und 1 Sekunde!) und gut.

Insgesamt ist das zweite Album der Parquet Courts die seltene Art Platte, die einen weniger daran erinnert, als im Moment vorführt und erleben lässt, wie aufregend es ist, eine Band und eine Musik neu zu entdecken, sich auf ihre Grammatik einzulassen und ihr bei oftmaligem Hören näher und näher zu kommen. Geil!

"Sunbathing Animal" ist am 3. Juni 2014 bei What’s You Rupture? erschienen.

Bild(er) © Ben Rayner
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