Foley Room

Nachdem Amon Tobin den Soundtrack für das Videospiel „Splinter Cell – Chaos Theory“ fertig gestellt hatte, zog er sich erst mal zurück und machte dabei eine folgenschwere Entdeckung, die so genannten „Foley Rooms“. In diesen werden diverse Geräusche für Filmproduktionen produziert. Das inspirierte den Meister der elektronischen Klänge derart, dass er sich kurzerhand mit einem […]

Nachdem Amon Tobin den Soundtrack für das Videospiel „Splinter Cell – Chaos Theory“ fertig gestellt hatte, zog er sich erst mal zurück und machte dabei eine folgenschwere Entdeckung, die so genannten „Foley Rooms“. In diesen werden diverse Geräusche für Filmproduktionen produziert. Das inspirierte den Meister der elektronischen Klänge derart, dass er sich kurzerhand mit einem Mikrofon bewaffnet in die weite Welt aufmachte, um die unterschiedlichsten Schwingungen auf seinem Laptop einzufangen. Das so gesammelte Tonmaterial findet sich nun in völlig verfälschter Form in seinen Tracks wieder. Neben diesen atmosphärischen Aufnahmen hört man auch noch Sounds vom Kronos Quartett, die von Tobin nachträglich durch den Fleischwolf gedreht wurden.

Die daraus entstandenen Töne durchdringen wirr den Raum, füllen ihn mal mehr, mal weniger und verlieren sich letztendlich im Chaos. Auf „Foley Room“ beweist der in Brasilien geborene und mittlerweile in Kanada lebende Komponist erneut, dass er ein Gegner des poppigen Arrangements ist. Und taucht doch einmal der Ansatz einer Melodie auf, beschreibt Tobin das etwas entseelt als „eine Paarung von Tönen, die eine akustische Qualität teilen, ohne jedoch anderweitig in Bezug zu einander zu stehen“. Auch gut. Der Soundmanipulator wandelt mit „Foley Room“ am schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn und bestreitet düstere Sample-Schlachtfeste, um uns erneut auf einen Abstecher durch gespenstische Welten voller Launen und Reize mitzunehmen.

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