Beginners

Raymond Carver ist fixer Bestandteil der US-Literaturlandschaft, seit er 1981 seinen ersten Kurzgeschichtenband »Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden« veröffentlichte.

Es sind diese abrupt endenden Kurzgeschichten, als ob man eine Konversation unerwartet abbricht, das Glas Wein nicht fertig trinkt oder die Zigarette nach den ersten Zügen ausdämpft. Diese skelettierten Geschichten mit ihren offenen Räumen sorgten für Weltruhm. Dass dies ein Kunstgriff von Lektor Gordon Lish war und mit dem Ansinnen von Raymond Carver gar nicht übereinstimmte – welcher Autor will sich schon freiwillig beschneiden lassen – kam erst nach und nach heraus, der Briefwechsel zwischen Autor und Lektor, in allen späteren Carver-Ausgaben auf den letzten Seiten angereiht, zählt mittlerweile auch schon zur postmodernen Literaturgeschichte. Nun gut, jetzt liegen erstmals die Carver-Storys im Original in der Buchhandlung, unter dem eindringlichen Titel »Beginners«. Trotzdem, das mit der Ehrenrettung eines Autors ist so eine Sache: Natürlich hat der Autor Recht, aber was hilft es ihm, wenn seine Geschichten in der vollen Länge vielleicht doch zu viel von allem erzählen? Die Antwort auf diese Frage obliegt dem Leser selbst. Wichtig scheint, dem Autor – auch lange nach seinem Tod – seine ungekürzten Geschichten zurückzugeben.

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