Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern

Denkt man an gemütliches Kaminfeuer, hat der Titel etwas beruhigendes, assoziiert man das Feuer mit einem brennenden Haus, weist er auf Dramatisches hin. Dorian Steinhoffs Erzählungen erfüllen die Erwartungen beider Seiten.

Oft ist nur eine zufällige Begebenheit entscheidend, der Mensch hört nicht auf seinen Verstand, achtet nicht auf sein Gefühl und schon dreht sich die Spirale in das Unangenehme. Davon ist hier in sieben Geschichten zu lesen. Jeweils ein Satz ist herausgepickt und vorangestellt, dabei enthält das gesamte Buch eine Fülle dieser Zeilen, die man immer wieder lesen möchte oder in die Welt twittern könnte. Die Hülle darum färbt sich mit Fabeln aus dem echten Leben oder zumindest aus dem Boulevardblatt. Dort liest man von den jugendlichen Arbeitslosen, von den Schwangerschaftsabbrüchen, von der Flutwelle in Thailand und es ist fern, ganz weit weg. Steinhoff blickt von der anderen Seite auf Zwangslagen und vor allem auf die Charaktere dahinter. Die Schicksale scheinen plötzlich erklärbar, menschlich, nicht dreckig oder reißerisch. Sie passen in unsere Zeit, an eher unschönen Tagen. Ein bisschen erinnert Dorian Steinhoff an Benedict Wells. Von den Nuller-Jahren kann man bei beiden lesen. Steinhoff nimmt sich die auch klar als Vorlage – zwei der Geschichten basieren auf jüngere Artikel in deutschen Wochenzeitungen. Es geht um Personen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind und auch um die, die ohne Hilfe einfach nicht zu einem Leben, das der Durchschnittsmensch als vernünftig bezeichnen würde, fähig sind. Viel zu schnell ist das Buch dann gelesen. Die große Frage, wie wir eigentlich unser Leben bestimmen, schwebt darüber. Wie ein Bücherwurm möchte man sich durch den Buchumschlag fressen und die liebenswerten und ungeschickten Figuren in den Arm nehmen.

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