Swanlights

In 20 Jahren ist »Swanlights« vielleicht ein verschüttetes Meisterwerk – heute radikal expressive Musik, die sich vom Konzept »Song« gelöst hat.

Aus rechtlichen Gründen werden Artikel aus unserem Archiv zum Teil ohne Bilder angezeigt.

Die Beats fehlen. Nicht dass Antony früher mit seinen Solowerken das Wörtchen Groove neu erfunden hätte, doch auf „Swanlights“ hat sich der Rhythmus als Basis vollkommen abgeschafft. Antony gibt mit seiner Stimme die Artikulation der Songs vor, es sind orchestrierte Klagen und kleine, schmerzvolle Hymnen, die Antony aus seinem Inneren herausquetscht. Sein Gestus ist noch um einen Hauch artifizieller, als man das bisher vom Meister der Porzellansongs gewohnt war. Antony erfindet sich eine Form von Kunstlied, die die Realität radikal übersteigt. So soll es sein. Möglichkeiten aufmachen, Gedanken sprengen. Antony macht das seit seinem ersten Album – auf „Swanlights“ klingt das allerdings zunehmend unzugänglicher. Vieles an Antony Hegartys erinnert dabei an Scott Walker: Der hatte sich seit dem Ende der 60er Jahre Stollen in geheimnisvolle Klangwelten gegraben, klassische Song-Arrangements und allzu sterbliche Themen hinter sich gelassen. Wenn Antony von Schwänen und Mysterien singt, scheint ein ähnlicher Weg vorgezeichnet: Antony wird noch fokussierter, die Strahlkraft seiner Musik verliert dadurch an Breite, die kultische Verehrung verstärkt sich unter Fans aber immer mehr.

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...