Wandl will nicht mehr der „Hype-Man“ sein

Auf „It’s all good tho“ verwandelt Wandl Selbstzweifel wie gewohnt in sweeten Cloud-Sound. Uns hat er erzählt, wie er das macht und warum er das Tour-Leben mit Vorsicht genießt.

Du hast ja immer schon gesungen. Jetzt aber ist der Gesang viel dominanter und ausgefeilter. „Fever“ zum Beispiel ist ja eine Ballade, die dich sehr als Sänger präsentiert.

Ja, „Fever“ war schon ein wichtiger Schritt für mich. Ich hatte so ein ganz leeres Instrumental-Piece am Anfang. Ich habe gewusst, ich will da so meinen D’Angelo pullen, auf meine Art und Weise, so „Untitled“-mäßig. Und ja, ich fühle mich jetzt viel selbstbewusster, weil ich beim Album auch versucht habe, einfach von meiner Sprechstimme, von meiner Stimmung, die ich gerade habe, auszugehen. Ich habe auch ein paar Tracks aufgenommen, als ich krank war, zum Beispiel auch „Sweet Love“. Ich glaube, ich hatte letztes Jahr zehn Mal Bronchitis und immer so Lungen-Bullshit. Jetzt habe ich versucht, nicht so viel zu verstecken und einfach ganz natürlich, ohne Druck an die Vocals ranzugehen. Das war sehr angenehm.

Wandl © Christian Stantchev
Wandl © Christian Stantchev

Du klingst sehr international, während es gerade so einen Trend gibt, die österreichische Kultur ironisch oder auch nicht ironisch zu bearbeiten. Wie stehst du zur Inszenierung des Schmähs?

Das ist meistens eine ziemliche Gratwanderung und es geht oft schief, weil gerade alle wienerisch klingen und irgendwie lustig sein wollen. Das finde ich oft schon recht peinlich, wenn man das Gefühl hat, es ist einfach nicht authentisch. Ich habe mir eh auch überlegt, ob ich auch mal was auf deutsch machen soll. Aber das wäre für mich einfach nicht so natürlich. Ich fühle mich im Englischen total wohl, bin da aber auch sehr selbstkritisch. Wenn ich aufnehme und ich merke, dass ich das österreichisch ausgesprochen hab, dann ist mir das peinlich. Es gibt aber auch Leute, die versuchen, ganz amerikanisch zu klingen und das geht dann auch oft schief. Ich habe eben so meine eigene Art, wie ich Sachen ausspreche und das klingt vielleicht manchmal weird, aber wenn ich jetzt an Björk oder Soap&Skin denke, hört man da auch Eigenheiten in der Sprache. Die machen das eben sympathisch und ehrlich und das fehlt mir oft bei Österreichern, die englische Sachen machen.

Bei vielen meiner eigenen Sachen ist es mir unangenehm, dass das Leute noch hören, obwohl ich es ihnen natürlich nicht übel nehmen kann. (lacht) Für mich war das einfach eine ganz andere Phase, ein ganz anderes Level wie jetzt. Zum Beispiel kann ich mir „Done“ fast nicht mehr anhören. Wie es geschrieben ist und wie ich es ausspreche und wie ich singe – damit kann ich mich überhaupt nicht mehr identifizieren und finde es eher peinlich. Ich hoffe, dass das Album noch ehrlicher klingt und noch näher an mir dran ist.

Tauscht du dich mit anderen Musikschaffenden aus?

Klar.

Worüber?

Über alles mögliche. Über Synthesizer. Plug-Ins. Gefühle. Vor allem mit Musikern aus dem Affine-Umfeld. Es gibt ein paar Leute, die das Album über lange Zeit begleitet haben und mir immer wieder Feedback gegeben haben. Dorian Concept, The Clonious, Fid Mella, Talky Talk, Baby Blanc. Die ziehe ich dann immer heran und frage sie: Passt das? Kann man das bringen? Fühlst du das? Kannst du das verstehen? Kann man das überhaupt hören? Das Feedback ist mir schon sehr wichtig.

LGoony hat letztens in einem Interview angedeutet, dass du die Tour mit ihm und Crack Ignaz abgebrochen hast, weil du nicht mehr konntest. Wie war das aus deiner Sicht?

Ja, ich hatte beim zweiten Teil der Tour bei einem Gig keine Zeit und dann haben sie halt wen anderen genommen.

Nach der Tour hast du dich ja dann schon sehr stark zurück gezogen. War der Rückzug persönlich nötig oder eher für deine Musik?

Erst mal war es für mich eine persönliche Sache, aber rückblickend war es auch musikalisch nicht so schlecht, dass ich wieder ein bisschen eigenständiger gearbeitet habe und mich auf meine Sachen konzentriert hab. Auch Freunde haben gemeint, es sei cool, dass ich mich wieder auf die Sachen fokussiere, die ich am besten kann und das ist einfach das Experimentieren, das Singen und das wieder zusammen zu bringen und nicht mehr der Hype-Man zu sein.

Wandl © Christian Stantchev
Wandl © Christian Stantchev

Wie siehst du den Hype jetzt so in der Rückschau?

Es war schon viel. Ich habe auch nicht erwartet, dass ich plötzlich auch Fans habe, die nervös werden, wenn sie mir über den Weg laufen. Das hat mich manchmal auch ein bisschen befremdet, weil ich ein normaler Dude bin und man mit mir normal reden kann. Plötzlich kommen Leute nach dem Konzert her, sagen nicht mal „Hallo“ und meinen, „wir müssen zusammen Musik machen“. Man kommt schon in komische Situationen, aber es war schon eine extrem schöne Erfahrung, so viel zurück zu bekommen und teilweise mit Lob überhäuft zu werden. Das war ich nicht so gewohnt.

Aber das Tour-Leben ist schon so eine Parallelwelt. Ich hatte da ein ziemlich einschneidendes Erlebnis. Direkt nach der Matura war ich ja gleich mit Bauchklang unterwegs. Im Nightliner mit Playstation, Küche, jeden Tag Party.  Am vorletzten Tag ist mein Opa gestorben, da war ich gerade in irgendeiner Stadt in der Schweiz. In dem Moment hat sich meine Sicht auf dieses „Auf-Tour-sein“ etwas verändert. Die Tour ist nicht die echte Welt und ich versuche, dass ich mich dem nicht so hingebe. Ich habe auch gesehen, was das mit mir selber machen kann. Man wird unselbstständiger, man erwartet, dass alles für einen gemacht wird. Das leichteste ist, sich dem voll und ganz hinzugeben und im Erfolg zu baden. Aber das ist nicht gesund fürs Ego. Ich will kein Arschloch-Egomane werden.

Letzte Frage: Woher kommt eigentlich deine Liebe zu Milch?

Ich weiß nicht, ich hab früher echt öfter mal so ein Glas Milch getrunken. Letzte Woche habe ich das erste Mal „Clockwork Orange“ gesehen. Da ist mir die Lust an Milch eher vergangen. (lacht) Die Liebe zu Milch ist vorüber. Die ist beendet.

Jetzt Cola?

Cola trink ich eigentlich auch nicht mehr so oft, weil ich schaue, dass ich nicht mehr so viel Müll zu mir nehme. Aber das war mein Ersatz zu Kaffee, weil ich nie Kaffee getrunken hab. In Hamburg hätte ich ohne Kaffee nicht überleben können. Und jetzt hat Kaffee Cola so ein bisschen abgelöst.

Also doch kein Cola-Tattoo im Gesicht?

Maybe. Aber ich hab eine Cola-Flasche aus Gold an der Kette. Die hab ich mir am Release-Tag von „Cola“ geholt. Die bleibt.

Wandl hat uns seinen Cola-Anhänger gezeigt und über sein neues Album geredet. Bald gibts das Süßi-Interview zu lesen!

Ein Beitrag geteilt von The Gap Magazin (@thegapmag) am

Wandls Debüt-LP „It’s all good tho“ erscheint am 2. Juni bei Affine Records. Tags drauf präsentiert er sein Werk bei der Release-Show im WUK. 

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...