Late-Night-Thoughts und Indie-Melancholie – »Surface Level Love« von Yan Nay

Es ist mitten in der Nacht, die Gedanken kreisen – und Yan Nay macht daraus Musik. Auf seinem Debüt­album »Surface Level Love« trifft melancholischer Indie­sound auf ehrliche Texte zu Themen, die durch­aus den Schlaf rauben können. Roh, verletzlich und gleichzeitig irgendwie tröstlich.

© Mala Kolumna

Ticktack, ticktack, … Jede Person, die noch einen analogen Wecker besitzt, weiß, wie sehr eine*n dieses Geräusch in den Wahnsinn treiben kann. Vor allem in schlaflosen Nächten. Fast schon passiv-aggressiv wird von der batterie­betriebenen Blech­büchse suggeriert, wie lange man nun schon erfolglos versucht, ins Land der Träume abzutauchen. Aber nein, die einzigen Untiefen, in die man versinkt, sind die eigenen Gedanken.

Yan Nay liefert mit seinem Debüt­album »Surface Level Love« eine Ansammlung von (Very-)Late-Night-Thoughts. Gedanken, die ihm den Schlaf geraubt haben. Eine über­raschende Konstante, die sich dabei hervortut: die Ver­änderung. Beziehungen, die sich wandeln. Gefühle, die schwinden. Die Pro­bleme des »Erwachsen­werdens«, bei dem der Umbruch bereits im Namen mitschwingt. All das wird von authen­tischem Indie­sound ummantelt, bei dem Yan Nay stets mit einer ordentlichen Portion Melancholie über angenehme Gitarren­akkorde gleitet. Während der Sänger in so manch einer Nacht wohl mehr Dinge zerdacht als geschlafen hat, scheinen die Songs seines Albums – bewusst – keine Unzahl an Studio­sessions durch­laufen zu haben, sondern wirken wie direkt aus der jeweiligen Gefühls­lage heraus eingespielt.

It’s Gonna Be Fine

Das Album klingt wie der Abspann eines Coming-of-Age-Films. Jeder Song könnte dabei eine andere Geschichte schön abrunden. Während Yan Nay in »Everything Is Free« seinen Frust über oberflächliche Gespräche voll leerer Worte auslässt, besingt er in »As Good As You« Er­war­tungen, die er nicht erfüllen kann, und Selbst­zweifel, die daraus resultieren. Was alle seine Lieder eint, ist ihre Ver­letzl­ich­keit, aber auch eine gewisse Grund­stimmung von » but it’s gonna be fine«. Indiepop wird ja mitunter nachgesagt, er sei nur ein leicht verdauliches Dahin­geplätschere mit Texten über Altbau­wohnungen und Tanzen im Regen. Das wider­legt der Musiker aus Salzburg. Und wer weiß: Wenn man Gedanken, die einen nachts nicht loslassen, in Form eines Albums verarbeitet, verstummt vielleicht auch irgend­wann das elendige Ticken des Weckers.

Yan Nay »Surface Level Love«

Das Album »Surface Level Love« von Yan Nay ist am 26. Juni 2026 bei Janitor Records erschienen. Der nächste Konzert­termin des Musikers: 16. August, Salzburg, Living Room.

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