Es ist mitten in der Nacht, die Gedanken kreisen – und Yan Nay macht daraus Musik. Auf seinem Debütalbum »Surface Level Love« trifft melancholischer Indiesound auf ehrliche Texte zu Themen, die durchaus den Schlaf rauben können. Roh, verletzlich und gleichzeitig irgendwie tröstlich.

Ticktack, ticktack, … Jede Person, die noch einen analogen Wecker besitzt, weiß, wie sehr eine*n dieses Geräusch in den Wahnsinn treiben kann. Vor allem in schlaflosen Nächten. Fast schon passiv-aggressiv wird von der batteriebetriebenen Blechbüchse suggeriert, wie lange man nun schon erfolglos versucht, ins Land der Träume abzutauchen. Aber nein, die einzigen Untiefen, in die man versinkt, sind die eigenen Gedanken.
Yan Nay liefert mit seinem Debütalbum »Surface Level Love« eine Ansammlung von (Very-)Late-Night-Thoughts. Gedanken, die ihm den Schlaf geraubt haben. Eine überraschende Konstante, die sich dabei hervortut: die Veränderung. Beziehungen, die sich wandeln. Gefühle, die schwinden. Die Probleme des »Erwachsenwerdens«, bei dem der Umbruch bereits im Namen mitschwingt. All das wird von authentischem Indiesound ummantelt, bei dem Yan Nay stets mit einer ordentlichen Portion Melancholie über angenehme Gitarrenakkorde gleitet. Während der Sänger in so manch einer Nacht wohl mehr Dinge zerdacht als geschlafen hat, scheinen die Songs seines Albums – bewusst – keine Unzahl an Studiosessions durchlaufen zu haben, sondern wirken wie direkt aus der jeweiligen Gefühlslage heraus eingespielt.
It’s Gonna Be Fine
Das Album klingt wie der Abspann eines Coming-of-Age-Films. Jeder Song könnte dabei eine andere Geschichte schön abrunden. Während Yan Nay in »Everything Is Free« seinen Frust über oberflächliche Gespräche voll leerer Worte auslässt, besingt er in »As Good As You« Erwartungen, die er nicht erfüllen kann, und Selbstzweifel, die daraus resultieren. Was alle seine Lieder eint, ist ihre Verletzlichkeit, aber auch eine gewisse Grundstimmung von » but it’s gonna be fine«. Indiepop wird ja mitunter nachgesagt, er sei nur ein leicht verdauliches Dahingeplätschere mit Texten über Altbauwohnungen und Tanzen im Regen. Das widerlegt der Musiker aus Salzburg. Und wer weiß: Wenn man Gedanken, die einen nachts nicht loslassen, in Form eines Albums verarbeitet, verstummt vielleicht auch irgendwann das elendige Ticken des Weckers.

Das Album »Surface Level Love« von Yan Nay ist am 26. Juni 2026 bei Janitor Records erschienen. Der nächste Konzerttermin des Musikers: 16. August, Salzburg, Living Room.