10 Filme, die im Prater spielen

Ob die Wilde Maus á la Hader oder doch lieber klassisch das Riesenrad – der Wiener Prater ist damals wie heute ein beliebter Drehort.

© Woman in Gold Filmstill

In Josef Haders Wilder Maus dreht sich vieles um den Wiener Wurstelprater – egal, ob dem „Georg“ (nicht Friedrich – der heißt im Film nämlich Erich; Hader wiederum, der auch die Hauptrolle spielt, ist der gemeinte Georg) auf der Prater Hauptallee der Standard aus der Hand geweht wird, er mit der Lilliput-Bahn im Kreis fährt oder als Mozart verkleidet Werbung für die Wilde Maus macht. Doch der Hader ist bei weitem nicht der einzige, der diesen typisch wienerischen Ort als Schauplatz für seine Geschichte gewählt hat. Wir haben 10 Filme – vom Stummfilm bis zum Actionfilm – für euch ausgewählt, die dem Wiener Prater Tribut zollen.

1. Die Pratermizzi (1926)

Marie (= Die Pratermizzi) ist Kassiererin in der Grottenbahn Zum Walfisch. Sie verliebt sich in Baron Christian von Sowieso, doch der mag lieber die Valette, eine Tänzerin, die immer eine goldene Maske vorm Gesicht trägt. B. v. S. und Valette gehen nach Paris, dort sieht der gute Baron zum ersten Mal ihr von einer Krankheit entstelltes Gesicht! Schnell zurück nach Wien, wo er nur noch sterben will – doch die Pratermizzi kann ihn gerade noch retten.
Dieser bis 2005 verlorengeglaubte Stummfilm aus dem Jahr 1926 hat alles, was wir uns von modernen Liebeskomödien erwarten – inklusive romantischen Karussellfahrten im Wiener Prater.

2. Der dritte Mann (1949)

Ins zwielichtige Nachkriegswien führt uns Graham Greenes The Third Man. Fun Fact: Orson Welles alias Harry Lime soll das Wiener Kanalsystem ziemlich grindig gefunden haben. Er soll darauf bestanden haben, den Part der Kanalisation, in dem gefilmt wurde, mit Seifenlauge auszuwaschen (& natürlich nur Frischwasser zufließen zu lassen). Scheint alles nicht viel geholfen zu haben – der Wiener Kanal wurde für ihn dann trotzdem nochmal im Studio in London nachgebaut. Die „Der dritte Mann“ – Tour führt trotzdem in den Kanal: Dorthin, wo Mister Welles nicht bleiben wollte.
Der Showdown des Films findet allerdings nicht im Untergrund statt, sondern auf dem Wiener Riesenrad, dass nach Restaurierungsarbeiten erst ein Jahr vor Filmdreh wieder eröffnet werden konnte.

3. Das Riesenrad (1961)

© Das Riesenrad Filmstill

Eine Hommage ans Riesenrad ist dieser Film – Hochzeit, Schicksalsschläge, Tod: Drei Generationen eines Altwiener Adelsgeschlechts leben, lieben und sterben im Schatten des Riesenrads. Maria Schell und O.W. Fischer, das Traumpaar der deutsch-österreichischen Filmindustrie zu jener Zeit, mimen arme Buchhändlerstochter und reichen, adeligen Uhrenfabrikanten. Auch hier spielt das Riesenrad eine zentrale Rolle – ob stellvertretend als „Hochzeitsreise“ für das junge Brautpaar oder (Achtung, Spoiler!) Todeskutsche.

4. Firefox (1982)

 

© Firefox Filmstill

Action pur: In der Sowjetunion wurde ein neuer Kampfjet (= Der „Firefox“) entwickelt, der von Vietnam-Veteran Clint Eastwood gesteuert werden soll. Klassische Feindstimmung zwischen den Russen und der USA ist vorprogrammiert.
Die Außenaufnahmen aus „Moskau“ wurden im Wiener Stadtpark gedreht – und Clint stürzt zwischen Praterstern und Vorgartenstraße in die typisch orange-bewandete Wiener U-Bahn. Aufnahmen aus dem Prater Untergrund, also. Wenn man genau hinschaut, sieht man sogar das russische Wort „Kurzzug“. Strange.

5. James Bond – Hauch des Todes (1987)

Roger Moore wird im 15. Bond – Film von Timothy Dalton abgelöst. Wieder einmal ist Wien nicht (nur) Wien, sondern auch Bratislava – dort soll es an der Drehgenehmigung gehapert haben. Anders als bei uns: Helmut Zilk, der damals noch Wiener Bürgermeister war, soll sehr erpicht darauf gewesen sein, 007 in Wien drehen zu lassen. Er bot sogar an, man könne notfalls „auch die U-Bahn in die Luft sprengen“ – Volles Commitment, also.
Die Idee zur (irgendwie obligatorisch gewordenen) Riesenrad-Szene stammt vom Regisseur John Glen. Dessen Karriere begann als Schnittassistent im Londoner Studio beim Dreh von Der dritte Mann – die Szene ist als ein Tribute an seine Jugend.

6. Before Sunrise (1995)

Einer der wohl bekanntesten Wien-Filme der 90er. Ein Amerikaner und eine Französin verlieben sich in einer einzigen Nacht in der größeren Stadt an der Donau. Den ersten Kuss gibt’s – wie könnte es anders sein – bei einer romantischen Fahrt mit dem Riesenrad. Obwohl sie sich ausmachen, sich in 6 Monaten wiederzusehen, bleibt unklar, ob das auch wirklich passiert. Die Fortsetzungen Before Sunset und Before Midnight, die in Paris und Griechenland spielen, geben jedoch einen sanften Hint.

7. Prater – Der Film (2007)


Unter dem Motto „Menschen, Monster, Sensationen“ zeigt Ulrike Ottinger Bilder aus dem Prater. Klingt nach langweiliger Doku: Im Prater waren wir ja irgendwie alle schonmal, und Fotos von uns schreiend in der nächstbesten Achterbahn gibt’s auch – ist es aber nicht.
Jelinek & Co. sprechen über „ihren“ Prater, ein Interview mit dem Besitzer vom Schweizerhaus bekommt auch nicht jeder – und nebenbei reist man in eine Vergangenheit, in der der „Mann ohne Unterleib“ eine der Hauptattraktionen des „Vergnügungsparks“ war. Spannender, als der Titel verspricht, also.

8. Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga (2008)


Es gibt wirklich einen Mundl-Film? Ja, gibt’s. Jahre nach Ende der Serie ziehen Edmund und Antonia Sackbauer vom Favoritner Gemeindebau hinaus ins Grüne – nämlich in die Schrebergartensiedlung am Rande des Praters. Dort wird der Mundl einsam – aber ein echter Wiener geht auch auf der Prater Hauptallee nicht unter. Fun Fact: Auf den damaligen Kino-Werbeplakaten war anlässlich der Nationalratswahl 2008 zu lesen: „Kriagst a Watschn dass da 5 Jahr da Schädl wackelt – Echte Wiener wählen Mundl – Ab 19. Dezember im Kino“.

9. Namo Venkatesa“ (2010)

© Namo Venkatesa Filmstill


Bollywood im Prater? Fast. Die Geschichte ist einfach: Hauptcharakter Venky erfährt von einer Wahrsagerin, dass er für immer allein bleiben wird, wenn er nicht binnen eines Monats eine Frau findet – die, die er liebt, ist jedoch in Wien. Das bedeutet für Venky: Er reist ihr nach, sie tanzen und singen rund um den Schwarzenbergplatz, das Parlament und den Prater und er überzeugt sie am Ende von sich. Typisch Tollywood – so lautet nämlich der korrekte Ausdruck, denn die Sprache im Film ist das indische Telugu.  Am Bild oben spricht Venky gerade mit einer Puppe in der Schnellbahn am Praterstern – Bauchredner ist er nämlich auch.

10. Woman in Gold (2015)

©Woman in Gold Filmstill


Maria Altmann kämpft um ein 1907 von Gustav Klimt gemaltes Portrait ihrer Tante Adele Bloch-Bauer, welches ihrer Familie im Zuge der vielen Enteignungen durch die Nationalsozialisten gestohlen wurde, und jahrelang als Eigentum des Österreichischen Staates im Schloss Belvedere hing (übrigens eine wahre Geschichte). Zwischen Gerichtsverhandlungen und Flashbacks ins Nazi-Wien bleibt gerade noch genug Zeit für einen Besuch beim Riesenrad. Maria alias Helen Mirren erzählt, ihr Vater habe sie früher immer am Sonntag für Eis und Waffeln mit in den Prater genommen. Good Times.

 

Ob also jugendlich á la Hader die Wilde Maus oder doch lieber klassisch das Riesenrad – der Prater ist damals wie heute beliebter Drehort. 

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