20 Menschen der heimischen Kulturszene über definierende Momente – Teil 1

20 große Kulturensöhne und -töchter aus dem The-Gap-Umfeld erzählen von einschneidenden Erlebnissen und persönlichen Schlüsselmomenten ihrer Vergangenheit – und Zukunft. Teil 1.

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Vergangenheit | Theater

Thomas Gratzer: Rock’n’Roll für den Rabenhof

Rabenhof-Chef Thomas Gratzer © Ingo Petramer

Das Rabenhof Theater braucht Rock ’n‘ Roll! Das war klar, als ich im Sommer 2003 sehr kurzfristig und unter äußerst schwierigen Bedingungen das Haus übernommen habe. Dort brauchte es das Zerbrechen der klassisch-bürgerlichen »gläsernen Decke«, die im deutschsprachigen Kunst- und Kulturbetrieb so besonders beliebt und undurchdringlich ist. Und dort brauchte es vor allem auch die Schnittstelle zu einem jungen, spannenden – und interessierten Publikum, welches grundsätzlich eher keine sonderliche Affinität zum konventionellen Wiener Kulturbetrieb aufweist.

Also brauchte es natürlich Künstler und Themen, deren Persönlichkeit und Inhalte, für dieses Publikum ein spannendes Argument waren, für eine Rabenhof-Show ein Ticket zu erwerben.

Ich meine hier die Anfänge von Maschek oder Austrofred. Ich meine die Entwicklung des Protestsongcontest oder die jetzt schon fast eineinhalb Jahrzehnte dauernde Kollaboration mit Stermann und Grissemann.

Und es brauchte vor allem auch Medienpartner, die bei diesem potenziellen Publikum Kredibilität genossen, um unsere künstlerischen Angebote zu kommunizieren. Und da war natürlich The Gap unser wichtigster Ansprechpartner.

The Gap stand damals wie heute für zeitgemäße, urbane Inhalte im Bereich Popkultur, hatte und hat die entsprechende Kompetenz bei Szene wie bei Publikum.

In der Tat hatten wir vom Start an spannende Überschneidungen. Ich denke nur an den schon erwähnten Protestsongcontest oder an die Gerhard-Haderer-Politpuppendesigns, die schon vor der ersten Show das neueste The Gap-Cover zierten. Ich denke aber auch an die äußerst befruchtende Zusammenarbeit mit dem schrägen Kunstkollektiv Monochrom.

Ein ziemlich abgedrehtes »Musical« unter dem Titel »UDO77« mit einem Plot, den man sich als »Prozess« in einem Bonitätsprüfungs-Computerprogramm vorzustellen hat. Aber in Wirklichkeit ging es um Aufstieg und Fall des kriminellen Selbstdarstellers, Mörders, Szene- und Politclowns Udo Proksch.

Gemeinsam mit The Gap und dem Sender FM4 wurden über die Soundpark-Plattform junge Musikerinnen und Musiker stimuliert, für diese Show Lieder zu schreiben und Songs zu entwickeln. Dann wurden die Titel gemeinsam mit arrivierten Stars aus der Szene und dem Nachwuchs im Studio eingespielt.

Die Premiere war ein Riesen-Erfolg, der Rabenhof hatte genau das Publikum, welches wir uns wünschten, die Songs des »Diskursiv«-Musicals wurden auf FM4 rauf und runter gespielt, und in jeder The Gap-Ausgabe steckte eine CD (how old school!) mit dem Soundtrack von »UDO 77«.

Ich wünsche The Gap Happy Birthday zum 20er, welche Metamorphosen auch immer dieses Medium in den kommenden Jahren durchlaufen wird, bleibt so aufregend, unkalkulierbar und weiterhin the »gap« in der österreichischen Kultur-Szene!

 

Thomas Gratzer war Gründer der Gruppe Habsburg Recycling (»quasi ein Vorläufer von Maschek«) und wurde mit dieser in dritter Instanz wegen »Herabwürdigung religiöser Lehren« verurteilt. Seit 2003 leitet er als Direktor – an der Seite des kongenialen Roman Freigaßner – die Geschicke des Rabenhof Theaters. Dokumentation: Thomas Weber

Weiter zu: Bettina Kogler: Wir tanzen weiter

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