Achtung Shitstorm!

Gestern hat es im Web mal wieder kräftig geblitzt und gedonnert. Elke Lichteneggers Meinung zu österreichischer Musik machte die Runde. Von Schadenfreude bis zu ehrlicher Entrüstung war in den Reaktionen darauf alles dabei. Wir haben gesammelt.

Alles fing mit einem Ausschnitt eines Okto Interviews auf Youtube an, das in wenigen Stunden 100.000 Hits erhielt. Elke Lichtenegger erzählt darin eine Anekdote aus ihrem Arbeitsalltag bei Ö3. Die Imagine Dragons (wir verlinken sicherheitshalber, falls jemand sie nicht kennt) waren zu Gast und leider etwas zu laut für die arbeitsame Moderatorin. Sie geigte ihnen ihre Meinung, da sie sie ohnehin nur für "irgendsoeine österreichische, vollkommen unbekannte Band" hielt. Das Video, dessen Aufnahme nach Angaben der Moderatorin schon vor einem Jahr stattgefunden hat, wird seid gestern wie verrückt geteilt, der Shitstorm kennt keine Grenzen. Kritiker des Umgangs von Ö3 mit österreichischen Künstlern fühlen sich bestätigt. Nicht nur auf Twitter und auf Facebook wurde heftig diskutiert, sämtliche Medien, ob musikorientiert oder nicht, griffen Lichteneggers Fehltritt auf. Hier die wichtigsten Meldungen gekürzt aus den Unweiten des Web:

Walter Gröbchen

Mir ist Frau Lichtenegger persönlich schnurzegal – sie ist nur ein kleines Rädchen im österreichischen Mediengetriebe. Aber es muss einmal deutlich und trennscharf nachgefragt werden, was der ORF unter "Kulturauftrag" und "Public Value" versteht…

Thomas Weber

Ich weiß jetzt, wer Elke Lichtenegger ist. #unnuetzesWissen

Chakuza

Ich muss es auch posten! Weil es einfach stimmt…Entschuldigung hin oder her!

Das ist die traurige Wahrheit! So werden Musiker in Österreich verarscht!

Armin Wolf

Aus manchen Dingen kann man aber echt nur ein Shitstormerl produzieren, wenn einem sehr, sehr fad ist.

Ink Music

Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger hatte mit ihrer Shitstorm auslösenden Wortmeldung weder böse Intentionen noch hat sie bewusst einen Krieg gegen die Musikwirtschaft ausgerufen. Allerdings illustriert sie auch das eigentliche Problem: Die zwischen den Zeilen wohnende Geringschätzung gegenüber heimischen Musikschaffenden. Halbherzige Entschuldigungen des Senders und von ihr selbst ändern daran wenig.

Die Krone

Mit wenig netten Aussagen über österreichische Bands in einem TV- Interview hat die Ö3- Moderatorin Elke Lichtenegger einen veritablen Shitstorm im Internet ausgelöst. Lichtenegger sei "arrogant" und "überheblich" und habe zudem das Verhältnis des gebührenfinanzierten Radiosenders zur heimischen Musikszene deutlich gemacht, so der Tenor der Kritik.

Jonas Vogt, Noisey

So weit, so dumm. Die Frau tut mir leid, weil sie jetzt als Bauernopfer aufgrund einer relativ nichtigen Sache den verständlichen Ärger der Musikszene abkriegt.

Roman Gregory

Man muss ja nicht ihr, sondern ihrer Dummheit dankbar sein. Sie hat’s in ihrer Einfachheit auf den Punkt gebracht, wie über österreichische Musik gedacht wird, weil sie ja nur das ausgesprochen hat, was hinter vorgehaltener Hand beim Ö3 praktiziert wird…

Rudi Wrany

Falls jemand noch nicht im Bilde war und ist:-))

Letzte Nacht wurde einer Ö3 Moderatorin namens Elke Lichtenegger vor Augen geführt, was ein unautorisiertes, ungebrieftes Interview für Folgen haben kann. Auf Okto sagte sie, was Ihr ein Post drunter sehen könnt. Der Rest ist Geschichte, 1000 mal geteilt, 200 000 Tausend mal kommentiert, nun folgte sogar, unprätentiös schnell eine Entschuldigung des Ö3 Chefs höchstpersönlich.

Georg Spatt, Chef von Ö3, hatte sich bereits entschuldigend in die Diskussion eingebracht:

von Hitradio Ö3

Liebe Ö3-HörerInnen,

ich verstehe den Ärger und die Entrüstung über das Interview von Elke Lichtenegger. Es tut mir sehr leid, dass sich viele Musiker und Interessierte durch dieses Interview in ihrer kritischen Meinung gegenüber Ö3 bestätigt sehen. Ich entschuldige mich für die in diesem Interview augenscheinliche Gedanken- und Respektlosigkeit, die nicht der Einstellung von Ö3 und seiner Redaktionen entspricht….

Auch von der Auslöserin der ganzen Debatte gab es entschuldigende Worte:

Elke Lichtenegger

Liebe Hitradio Ö3 Gemeinde,

wenn man Mist baut, muss man auch sagen: "Ja, was ich da in diesem Interview vor einem Jahr gesagt habe, war falsch und dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen!"

Michael Hufnagl vom Kurier bringt das ganze auf den Punkt:

… "Aber was sich nach Veröffentlichung des Videos zugetragen hat, diese Welle der Wut, der verbalen Gewalt, der gnadenlosen Beschimpfung einer jungen Frau löst in mir eine wesentlich größere Irritation und Fassungslosigkeit aus als es ein paar schnoddrigen Worte je tun könnten.

Da war kaum milder Spott zu spüren, kaum sanfte Ironie, kaum eine subtile Botschaft. Statt dessen wurden fast wie auf Befehl ruckartig die untersten Schubladen geöffnet und die Meute begann, ihr Opfer genüsslich in Stücke zu reißen. Von Verhältnismäßigkeit war längst keine Spur mehr. Und wer sie einforderte, wurde gleich mit zerbissen.

Das macht mir Angst. Dieses enorme destruktive Potenzial, das die (sozialen) Medien besitzen. Diese Erkenntnis, dass es offenbar keine Nuancen des Zorns mehr gibt. Diese Vision, dass es heute Elke Lichtenegger ist, und dass es morgen schon ich sein könnte. Die Sau, die durchs Dorf getrieben wird, weil sie sich in der Wahrnehmung einer selbstgerechten Mehrheit in einem kurzen Augenblick vergrunzt hat. Ich lasse Ursache und Wirkung in ihrer gesamten Wucht auf mich wirken … und bleibe verstört"

Der große Unmut der Musikszene richtet sich zu einem großen Teil viel mehr gegen Ö3 als Lichtenegger persönlich. Es hat sich einiges aufgestaut – Lichtenegger hat Ö3 mit einer Steilauflage angreifbar gemacht. Ob es dieses Mal endlich zu einem richtigen Diskurs über österreichische Musik beim und mit dem ORF kommt, bleibt bei den verhärteten Fronten nur zu hoffen. So, dass nicht nur das Lichtenegger-Meme von der ganzen Affäre bleibt.

Weiterlesen:

ORF vs. Popmusik, Lange ist’s her: Wortwechsel zur Austro-Quote

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