1+1=1

Am Außenseiter-Trip mit Welt: Placebo sind der Beweis dafür, dass jede Popströmung eine Gegenkultur vedient hat. Shorty Kurz und Franziska Tschinderle haben in ihr neues Album reingehört und Stefan Olsdal im Ring-Hotel getroffen. Ein Portrait.

Aus rechtlichen Gründen werden Artikel aus unserem Archiv zum Teil ohne Bilder angezeigt.

1994 treffen zwei Teenager mit denselben Teenagerproblemen aufeinander, wie zehn Jahre zuvor Krist Novoselic und Kurt Cobain, um deren Erbe „Alternative-Rock“ komplett neue Kontraste hinzuzufügen. Um sich nicht nur mit deren Äußerlichem sondern auch ihrer Musik gegen den in England aufblühenden Britpop zu stemmen. Nach beinahe 20 Jahren Placebo kann man den Gründungsmitgliedern Brian Molko und Stefan Olsdal so einige popkulturelle Verdienste in die Schuhe schieben: Dass sie eine "Trademark" geschaffen haben und mit gefühlsvollen Balladen á la „Twenty Years“ genug Emotionen als auch Rock- Alben wie „Black Market Music“ die nötige Härte einspielten, um der meistgehassten Jugendkultur der Post-Moderne ein eigenes Genre, den Emo-Rock zu schenken. Dass sie großartige Songs wie „Where is my mind“ von den Pixies gekonnt interpretiert- und nicht zu vergessen den Outingprozess dutzender Bi,-Homo,-und Transsexueller beschallt haben.

Kosmopolitisch sesshaft

Inzwischen ist die Band zwar nicht sesshaft, aber gebremster geworden. Britisch will man trotz alledem immer noch nicht sein: "Klarerweise ist London für uns ein wichtiger Hotspot. Dort haben wir ein Management und die Band gegründet. Trotzdem ordne ich mich keinem Land und keiner Stadt zu", so Olsdal. Man kann seinem Blick nicht entnehmen, ob er das Gegenteil eigentlich auch will: Familie, Kinder, sich Festlegen. Und man will es ihn auch gar nicht fragen, denn Placebo waren im laufe der Zeit immer Lichtjahre von diesem Image entfernt. Mit einem gewissen Alter ändert sich das aber oft. Für gewöhnlich.

Und immer noch: Molko

Heute dreht sich nicht mehr alles um das schnellste Speed, den längsten Dreier oder den kürzesten Minirock. Selbst in Brian Molkos Kurzhaarfrisur hat man nach „Sleeping with Ghost“ die „Mannwerdung“ schlechthin gesehen. Als er im Korridor vor Stefans Olsdal Hotelzimmer – mit dem wir an diesem Nachmittag zum Interview verabredet sind- kurz an uns vorbeihuscht, trägt er sie wieder lang. Tut das was zur Sache? Tut es nicht und hat es nie. In Molko kann man sehen was man will: Die androgynere Version von Marilyn Manson, die Weiterführung des David Bowies, den Punk-Rebellen oder britischen Dandy. Ob seine sexuelle Ambivalenz authentisch oder wie damals bei Kurt Cobain und später bei Brett Anderson purer Trotz war, ist ebenso wurscht: Abgehsehen einiger milder Depressionen hat er über zwei Dekaden den Protoyp eines amerikanischen Rock-Frontman gestellt- und das in England.

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...