Attack and Release mit 5K HD

Was entsteht wenn die Frontfrau einer der erfolgreichsten österreichischen Bands der letzten Jahre und eines der progressivsten Jazz Quartette der Stadt gemeinsam ins Studio gehen? Eh, das vermutlich spannendste und abwechslungsreichste Projekt des Jahres.

© Astrid Knie

Grundlagenarbeit wurde schon im vergangenen Jahr geleistet, damals wurden noch unter der Flagge Kompost 3 feat Mira Lu Kovacs die EP „MeM“ und „Anthem“ auf Laubrecords veröffentlicht. Die Richtung war vorgezeichnet; Jazz, ja, Pop, natürlich – weiters Elektronik, Funk, Distortion und Noise. Mira Lu Kovacs (Gesang), Manu Mayr (Kontra- und E-Bass), Martin Eberle (Trompete, Flügelhorn), Benny Omerzell (Keyboards, Klavier) und Lukas König (Schlagzeug, Percussion und Synthesizer) subsumieren sich nun also unter dem Namen 5K HD (sprich: /fiveK/ ˈeɪtʃˈdiː) und veröffentlichen mit „And To In A“ ihr erstes full length Album auf Seayou Records.

Auflösung und Synthese

5K und HD kennt der Laie als Begriffe aus der Fernsehmonitortechnik, es wird hiermit die Bildauflösung und daraus resultierende Bildschärfe definiert. Auch 5K HD lösen Musik sehr fein und ziseliert auf, Auflösung wird jedoch hier auch im Sinne von Auslöschung verstanden. Die fünf Musikerinnen und Musiker bewegen sich gekonnt kalkuliert in der Dualität zwischen den Polen Ruhe und Sturm – an zentraler Stelle des Albums steht so auch das 7 minütige „Not A Love Song“. Ein anfangs melancholisches Duett aus Stimme und Toy Piano schlägt ansatzlos ins Noise Gewitter um, These und Antithese lösen sich am Ende in der Synthese auf; diese musikalische Dialektik zieht sich gleichsam als roter Faden durch das Album.

Extrem persönlich

Attack und Release als eine treibende Kraft findet auch in den übrigen 9 Tracks von „And To In A“ statt. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Band im weiten Feld zeitgenössischer Musik scheint, dass jeder der 5 Musikerinnen und Musiker eine extrem persönliche Sprache zu und mit seinem Instrument gefunden hat. Das Experimentelle in Rhythmik, Tonsatz und Form lässt aber keines Fall den Popappeal aus den Augen, so zum Beispiel der wunderbar schwere Pathos eines „Patience“; oder auch das verspielt gefrickelte „Gimme“, direkt aus der Weilheimer Schule. Oder auch „Ice Bird“, vermutlich Inspiration für die schöne Covergestaltung von Schorschfeierfeil, welches aus mindestens fünf Teilen besteht und nichtsdestotrotz durchgehend herzerweichend groovt. Empfehlung!

Bewertung: 9/10

Erscheinen wird And To In A am 1. September auf Seayou Records, präsentiert wurde es erstmals am 26. August am auch so schon sehr besuchenswerten Jazzfest Saalfelden. Am 6. Oktober findet der kick off zur Europa Tour von 5K HD (nicht vergessen: /fiveK/ ˈeɪtʃˈdiː) im Wiener WUK statt.

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