Chilipflanzen hat keine kulturelle Bedeutung

Stefanie Sargnagel (Autorin), Bettina Kiraly (Self Publisherin), Stefan Redelsteiner und Ilias Dahimène (Redelsteiner Dahimène Edition rde) diskutierten über Sinn und Unsinn von Verlagen und Self Publishing.

Stefanie, wenn du beide Seiten vergleichst: Bleibst du beim Verlag oder veröffentlichst du künftig selbst?

Stefanie: Darüber habe ich vor meinem Buch nie nachgedacht, aber mittlerweile denke ich, dass selbst zu publizieren für mich auch eine Option ist. Dadurch, dass ich meine Texte eh schon alle im Internet veröffentliche, den direkten Kontakt zu den Lesern habe, und seh’, was wie ankommt, bin ich auch hauptsächlich selbst für die Promotion verantwortlich. Allerdings richtet sich mein junger Underground-Verlag auch flexibel nach mir…ein Print-Buch werde ich schon noch machen…

Sprechen wir über mögliche Nachteile der verschiedenen Publikationsformen. Ein großer Themenpunkt für alle ist die die Sichtbarkeit im Literaturbetrieb. Self Publishing-Autoren sind in Buchhandlungen kaum zu finden. Weil ohne Verlag gibt es in der Regel keinen Vertrieb und ohne Vertrieb keinen Vertreter, der die Bücher im Buchhandel anbietet… Das hemmt doch?

Bettina: Der Printbereich ist immer noch das große Manko beim Self Publishing. Es gibt Angebote verschiedener Print-on-Demand-Dienstleister, die in den Buchhandel vertreiben, mit mitunter hohen Kosten. Amazons CreateSpace vertreibt Print-Bücher ausschließlich auf Amazon. BoD hat diese Lücke erkannt und bietet seit kurzem günstigere Konditionen. Mit diesem Anbieter kann ich auch in einer Buchhandlung gekauft werden. Wobei der Umsatz im Printbereich bei mir sehr gering ist.

Ilias: Ich finde die Sichtweise recht spannend, grad’ weil du sagst, dass bei dir der digitale Bereich sehr stark ist. Wir haben die gegenteilige Erfahrung gemacht, bei uns ist der E-Book-Bereich im einstelligen Prozentbereich. In unserem Musikbereich ist der Digitalanteil aber über 50%. Der E-Book-Anteil wird wohl steigen, aber es war für uns sehr überraschend, dass der Anteil am gedruckten Buch so hoch ist.

Stefan: Es ist schon arg: Letztens haben wir bei einer Abrechnung festgestellt, sechs E-Books eines Werkes verkauft zu haben, dem wirklich deutlich höhere Zahlen des gedruckten Buches gegenüber stehen. Es wird wohl mehr werden, was aber nicht das Ende des Buches bedeutet. Ein E-Book lässt sich schwer unter den Christbaum legen. Das Buch wird immer als Buch bestehen, für den Bereich Musik bin ich eher skeptisch.

Ilias: Interessant ist auch, dass unsere physischen Bücher hauptsächlich über Amazon und Lesungen verkauft werden. Der Einzelhandel spielt bei uns – mit Ausnahmen – eine recht geringe Rolle. Das wäre wohl ein Argument pro Self Publishing…

Obwohl sich Schätzungen zufolge Platz 1 der Amazon-E-Book-Bestenliste – und das ist meistens ein Self Publishing-Werk – 1.000x pro Tag verkauft, werden diese Autoren von der literarischen Welt kaum wahrgenommen, tauchen nicht in etablierten Bestsellerlisten auf, das Feuilleton spricht nicht über sie. Bettina: Warum ist das so?

Bettina: Self Publisher haben immer noch einen schlechten Ruf. Der wird aber eines Tages verschwinden. Er hat sich schon gebessert, glaube ich. Zum einen wechseln viele Profis bewusst von Verlagen ins Self Publishing. Zum anderen steigt das Wissen, dass Klappentext, Leseprobe und Cover den Leser überzeugen müssen, sonst wird erst gar nicht zugegriffen – was zu einer Qualitätssteigerung führt.

Stefan: Aber wer sind denn die Menschen, die das lesen? Das sind doch noch ganz wenige!

Bettina: Bei den Amazon-Bestsellerlisten sind die Self Publisher digital und gedruckt sehr gut vertreten!

Ilias: Ein Vorteil des Verlages ist, dass er kontinuierlich Pressearbeit leistet und durch Beziehungen zu Journalisten es leichter hat, Bücher irgendwo reinzubringen. Ein Self Publisher muss damit meistens ganz von vorne anfangen. Auch wenn Pressenennungen nicht automatisch Verkäufe erzeugen, dienen sie dem längerfristigen Aufbau eines Autors, auch im Hinblick auf Lesungen oder Lesehonorare.

1.000 E-Books pro Tag verkauft der Bestplatzierte in den Amazon E-Book-Charts…Ich wage zu behaupten, dass kein Verlag auf dieser Messe 1.000 Bücher pro Tag verkauft.

Stefan: Sind das so Rosamunde Pilcher E-Books? Damit haben wir als Indie-Verlag-Community ja nix zu tun…

Könnt ihr etwas über Absätze und Umsätze verraten? Bettina, deine Romane kosten als E-Book zwischen drei und fünf Euro und als Taschenbuch cirka zehn. Kannst du ungefähr sagen, was sich da wie verkauft und was da hängen bleibt?

Bettina: Ich hab einen Middle-Seller gehabt, da kann ich gerne Zahlen verraten. Der hat sich zwei bis drei Mal pro Tag auf Amazon verkauft. Damit habe ich im Monat rund 200€ eingenommen. Der Print-Bereich ist bei mir ziemlich gering, wird aber besser.

Weiter zu Demokratisierung des Buchmarkts und der Nichtigkeit des Chili-Pflanzens.

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