Chilipflanzen hat keine kulturelle Bedeutung

Stefanie Sargnagel (Autorin), Bettina Kiraly (Self Publisherin), Stefan Redelsteiner und Ilias Dahimène (Redelsteiner Dahimène Edition rde) diskutierten über Sinn und Unsinn von Verlagen und Self Publishing.

Selbst wer die Entwicklungen im Literaturbetrieb nicht im Detail verfolgt, wird in letzter Zeit bemerkt haben, dass die traditionelle Buchbranche von mehreren Seiten in Bedrängnis gerät: Die Einkäufe via Internet steigen und steigen, Buchhandlungen schließen, Amazon treibt die gesamte Branche vor sich her, E-Books werden immer wichtiger und scheinen das Taschenbuch zurückzudrängen, usw.

Eine weitere – mögliche – Bedrohung ist der Bereich Self Publishing. Die Möglichkeit, sich sein Buch selbst zu verlegen, ist nicht neu, aber dank Internet und Amazon ist es heute besonders einfach, ein Buch oder E-Book zu veröffentlichen. Braucht es dann überhaupt noch Verlage? Und weiter ausgeholt: Was bedeutet es denn eigentlich, die eine oder andere Publikations-Form zu praktizieren?

Die Diskutantinnen und Diskutanten:

Bettina Kiraly schreibt als Self Publisherin unter verschiedenen Namen „Spannungsliteratur“ und „Frauenromane voller Romantik und Erotik“ und hat seit 2007 ein gutes Dutzend Romane als Print und/oder E-Book veröffentlicht.

Die Verlags-Autorin Stefanie Sargnagel hat ihr Debüt „Binge Living. Callcenter Monologe“ 2013 in der Redelsteiner Dahimène Edition herausgebracht.

Die Redelsteiner Dahimène Edition (rde) wurde 2012 von Stefan Redelsteiner und Ilias Dahimène gegründet. Der Literatur- und Sachbuchverlag hat bis heute sechs Bücher veröffentlicht und dürfte einem breiteren Publikum durch die Neuauflage der Oscar Bronner-Biografie und Stefanie Sargnagels „Binge Living“ bekannt sein.

Warum publiziert ihr so, wie ihr es gerade macht? Bettina, hast du von vornherein bewusst darauf verzichtet, deine Bücher etablierten Verlagen anzubieten – oder hast du es probiert und bist abgelehnt worden?

Bettina Kiraly: Ich hab meine Bücher auch Verlagen angeboten, die Antwort hat aber immer ziemlich lange gedauert. Und dann hieß es, der Stil sei gut, aber schreiben Sie doch einen „typischen Frauenroman“, einen „typischen Krimi“ – und das war nicht mein Weg. So habe ich 2007 begonnen, selbst zu veröffentlichen.

Böse Zungen behaupten, beim Self Publishing landen jene, die es nicht bei einem richtigen Verlag schaffen. Ärgert dich das?

Bettina: Die Aussage ärgert mich zum Teil. Es stimmt sicher, dass die Qualität von Self Publishing-Büchern zum Teil nicht so hoch ist wie bei Verlagsprodukten. Solange man aber auf die Qualität der eigenen Werke achtet, kann man stolz auf seine Bücher sein. Außerdem finden sich unter den Self Publishern inzwischen auch Verlagsautoren.

Stefanie, „Binge Living“ ist die Sammlung deiner Facebook-Statusmeldungen. Bevor das Buch kam, ist der Text schon Stück für Stück im Internet erschienen. Warum bist du bei einem Verlag gelandet?

Stefanie Sargnagel: Weil Verlage auf mich zugekommen sind und mir das angeboten haben. Ich habe bei Veröffentlichungen in Magazinen gesehen, dass meine Texte auch als Fließtext funktionieren, hätte aber persönlich keine Initiative in dieser Hinsicht ergriffen. Man musste mich aber auch nicht groß überreden.

Stefan, Illias, die Buchbranche stöhnt unter dem Druck diverser Probleme… Was hat euch bewogen, einen Verlag zu gründen?

Ilias Dahimène: Wir haben beide einen ähnlichen Background, wir kommen beide aus der Musikbranche. Unsere Motivation einen Verlag zu gründen war eigentlich…Langeweile. Immer nur Musik…Wir wollten in einem ähnlichen Feld mit Künstlern weiterarbeiten und da schien Literatur ein guter Weg zu sein.

Stefan Redelsteiner: Weil du gesagt hast, mit der Branche gehe es bergab. Wir haben erst vor zwei Jahren begonnen und kannten den hohen Thron, auf dem Verlage saßen, die jetzt sagen, es geht bergab, ja gar nicht. Wir sind naiv dort eingestiegen, wo es scheinbar schon für alle oasch war…

Was sind denn eure Argumente pro Verlag und gegen Self Publishing?

Stefan: Ich hab kein Problem, wenn jemand Self Publishing betreiben will. Verlagswesen hat dennoch auf alle Fälle Zukunft, solange Leute nicht alles selber in die Hand nehmen wollen. Solange Leute zu uns kommen und sagen, wir sollen das Administrative, die Promotion, den Vertrieb übernehmen.

Self Publishing-Autoren müssen sich um all das selber kümmern. Wenn sie das machen wollen: Respekt! Die Prozente, die wir als Verlag einstreifen, kann sich ein Self Publisher behalten, er muss dafür aber auch das Doppelte hackeln. Und es wird immer Autoren geben, die sich in der Verlags-Struktur wohl fühlen und die keine Einnahmen-Ausgaben-Liste führen wollen.

Bettina, wo sieht du denn die Vorteile im Self Publishing?

Bettina: Der Vorteil ist schnell agieren und neue Bücher herausbringen zu können. Bei Verlagen ist die Vorlaufzeit bis zur Veröffentlichung sehr lang. Ich muss mir Hilfe für’s Lektorat suchen, aber das sollte man vielleicht auch vor Verlagsveröffentlichung. Viele Verlage sparen nämlich inzwischen beim Lektorat. Ich kann Änderungen am Buchinhalt, am Cover, am Klappentext vornehmen, und habe die Neuerungen am nächsten Tag für die Leser zugänglich. Als Self Publisher muss ich mich nach der Veröffentlichung viel um Marketing kümmern. Aber auch Verlage erwarten heutzutage, dass der Autor Zeit und eigenes Geld ins Marketing investiert…Mein Vorteil als Self Publisher ist, dass ich mir das beim Self Publishing höhere Honorar komplett behalten kann. Aber ich bin kein grundsätzlicher Gegner von Verlagen. Im September dieses Jahres ist eines meiner Bücher bei Forever, einem Imprint vom Ullstein Verlag, erschienen.

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