Die 20 interessantesten FotografInnen Österreichs

Dass sich etwas tut in der FotografInnen-Szene Österreichs, ist auch uns nicht verborgen geblieben. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, stellen wir uns dem ambitionierten Vorhaben, 20 hiesige fotografische Talente zu porträtieren und sie zu fragen, was Fotografie für sie bedeutet – und mehr.

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6. Lisa Edi


Lisa Edi ist keine Fashion-Fotografin im herkömmlichen Sinn. Aber dass sie beides Fotografie und Mode studiert (hat), merkt man jedem ihrer Bilder an. Es geht darin nicht zwingend explizit um Kleidung, aber zumeist um Materialität – mit der Leidenschaft für Stoffe und was sie mit Menschen machen. Fernab von Fashion fotografiert sie zum Beispiel auch für das Magazin Ballesterer. Man möchte Edis Fotos am liebsten anfassen. Auch, um ein bisschen hinter den mysteriösen Vorhang zu blicken, der ihre Motive umgibt.

Frei nach dem Spiel „Ich seh, ich seh“: Was siehst, du, was andere nicht sehen?

Alles, was sein könnte. Alle Möglichkeiten. Ich seh sicher nicht mehr und nicht weniger als andere Menschen, aber ich sehe einen Weg oder eine Richtung. Das spiegelt sich schon auch beim Fotografieren wieder – ich mag es viel lieber zu dirigieren als zu dokumentieren.

Was ist deine frühste Erinnerung, die du mit dem Thema Fotografie verbindest?

Lustiger Weise habe ich da einen ganz komischen Bezug dazu. Ich habe als Kind immer zu weinen begonnen beim Durchblättern alter Fotoalben und ich bekomm heute noch ein mulmiges Gefühl. Ich weiß aber gar nicht genau, warum. Nostalgie ist für mich vielleicht einfach kein sehr positives Gefühl, dabei finde ich Fotos-Machen an sich schon irgendwie schrecklich nostalgisch.

Abbilden oder einbilden?

Einbilden.

Worüber zweifelst du bei deiner Fotografie am meisten und wobei bist du dir absolut sicher?

Ich zweifle daran gute Fotos zu machen und ich bin mir absolut sicher gute Fotos zu machen. Nein, ich weiß dass ich eine gute Fotografin werde in 10 oder 20 Jahren, falls es da Fotografie in dem Sinn überhaupt noch gibt. Aber das jetzt zu sagen, dafür bin ich noch viel zu sehr in den Startlöchern. Generell versuche ich Zaudern, Zweifeln und Unsicherheit als Potential zu sehen, aber das funktioniert nicht immer.

Wen würdest du als einen/ eine der 20 interessantesten jungen FotografInnen Österreichs auswählen und warum?

Viele meiner KlassenkollegInnen, weil sie zum Teil noch sehr jung sind und schon so viel drauf haben. Ansonsten schau ich mich nicht so gerne in der (jüngeren) FotografInnenszene um, weil mich das sehr verunsichert aber ich mag die Tatsache, dass es gerade viele junge Frauen sind, die mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommen mit ihren Arbeiten – zumindest gefühlt. Ansonsten sind die Leute, die ich wirklich bewundere doch alle durchwegs älter als ich.

lisaedi.com

LENE DAX (2016) © LISA EDI
LENE DAX (2016) © LISA EDI

»Fotografie ist für mich eine Ermächtigung über die Welt. Ich sehe Fotografieren zum einen als eine Methode für mich, Dinge zu verstehen, die ich so nicht in Worte fassen kann, eine Möglichkeit Wirklichkeit zu konstruieren und zu dekonstruieren und zum anderen als einen relativ unspektakulären, unglamourösen Job, der mir sehr am Herzen liegt und mich wahnsinnig erfüllt. Am schönsten ist natürlich, wenn sich Konzeptuelles und Kommerzielles die Hand reichen. Und ich glaube auch daran, einen Punkt zu erreichen, an dem das mehr und mehr passieren wird, aber im Moment gibt es sehr wenig, was ich nicht machen würde – ich glaube ich bin da sehr begeisterungsfähig und offen.«

7. Christian Bruna

TIME TO SAY GOODBYE (2016) © CHRISTIAN BRUNA
TIME TO SAY GOODBYE (2016) © CHRISTIAN BRUNA

Wer schon einmal eine österreichische Zeitung gelesen hat, hat auch schon mal ein Bild von Christian Bruna gesehen. Der 29-Jährige Regional-Chef der Österreichischen Stelle der EPA ist einer der bekanntesten Presse-Fotografen hierzulande. Ob Nationalmannschaft, diverse Bundespräsidenten(-Kandidaten) und Volks Rock’N’Roller – Bruna schafft es, bekannte Gesichter auf eine Weise abzubilden, als sähe man sie zum ersten Mal. Eine seiner wichtigsten Leistungen ist aber sicherlich die Dokumentation der Flüchtlingskrise, die ihn in unzählige Lager brachte, ihn mit unsagbarem Leid konfrontierte. Gerade weil seine Bilder nicht inszenieren oder sensationsgeil sind, lösen sie im Betrachter einen Wunsch aus, sich mit den großen Themen auseinanderzusetzen.

instagram.com/christianbrunaphoto 

Frei nach dem Spiel „Ich seh, ich seh“: Was siehst, du, was andere nicht sehen?

Die Emotion! Den Moment, bevor er passiert. Meine besten Bilder sind immer dann entstanden, nachdem mein Gefühl mich den richtigen Schritt in die richtige Richtung machen hat lassen und mein Gespür den Moment erwartet hat. Das lernt man natürlich auch mit den Jahren, aber dieses gewisse Gefühl selbst kann man meiner Meinung nach nicht erlernen.

Was ist deine frühste Erinnerung, die du mit dem Thema Fotografie verbindest?

Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es war der 12.09.2005. Damals habe ich Michael Häupl als jüngster Kandidat der Wiener Gemeinderatswahl zu einem Medientermin begleitet. Beim Fototermin mit Häupl und den anderen Kandidaten bin ich innerlich zusammengezuckt und ich wusste, ich will da hinüber zu den Fotografen! Klingt jetzt vielleicht komisch, ist aber so.

Abbilden oder einbilden?

Eindeutig abbilden, ohne etwas zu suggerieren, oder mir etwas einzubilden. Selbstverständlich ist es meine subjektive Sicht Geschichten zu erzählen und Momente festzuhalten, trotzdem ist mein Realitätsanspruch sehr hoch. Überall ist die Gefahr sehr groß, von den fotografierten Personen instrumentalisiert zu werden. Bei meinen Fotos soll sich kein Betrachter etwas einbilden oder hineininterpretieren, dass ich nicht abgebildet habe. Vor allem in meiner Arbeit als Österreich-Chef der EPA sehe ich es auch als meine Aufgabe neutral, scharf und wertfrei zu agieren. Damit macht man sich übrigens auch nicht immer Freunde.

Worüber zweifelst du bei deiner Fotografie am meisten und wobei bist du dir absolut sicher?

Zweifel: Der Anspruch an mich selbst ist groß. Fragen wie „Liegt mein Gefühl richtig? Was übersehe ich? Warum bin ich nicht länger geblieben?“ sind alltäglich. Eindeutig bin ich selbst mein größter Kritiker.

Absolut sicher bin ich, dass ich jederzeit bereit bin 100 Prozent zu geben, mir selbst und meinen Qualitätsansprüchen treu zu bleiben.

Wen würdest du als einen/ eine der 20 interessantesten jungen FotografInnen Österreichs auswählen und warum?

Lisi Niesner. Leider ist sie nach wie vor eine der wenigen Fotografinnen in der österreichischen Nachrichtenwelt. Sie verknüpft mit ihrem Stil die täglichen Nachrichten mit Fotojournalismus, wie kaum andere KollegInnen in Österreich. 

8. Elsa Okazaki


Auf wessen Liste bereits abgelichteter Menschen Marie Kreutzer, Bilderbuch und Justice stehen, darf zu Recht für sich behaupten, es als Porträt-Fotografin geschafft zu haben. Elsa Okazaki hat ein Gespür für das richtige Gesicht im richtigen Moment. Diese Expertise lebt sie auch als Kuratorin der Ausstellung „Nu Nudes“ aus, die unterschiedliche Positionen zur Aktfotografie zeigen. „Ich bin in a good place, arbeite immer mehr mit netten Leuten“, sagt sie selbst. Bleibt abzuwarten, wann sie ihren Zwillingen die erste Kamera in die Hand drückt.

elsaokazaki.com

Frei nach dem Spiel „Ich seh, ich seh“: Was siehst, du, was andere nicht sehen?

Ich würde nicht sagen, ich sehe mehr als die anderen. Ich bin neugierig und probiere etwas hinter dem Gesicht zu entdecken. Manchmal gelingt es mir.

Was ist deine frühste Erinnerung, die du mit dem Thema Fotografie verbindest?

Meine Vater kommt aus Tokyo. Passend zu dem Klischee war eine Kamera immer in der Nähe.

Abbilden oder einbilden?

Abbilden mit meiner Einbildung.

Worüber zweifelst du bei deiner Fotografie am meisten und wobei bist du dir absolut sicher?

Aus meiner Sicht gehört zweifeln zu der künstlerischen Arbeit, es ist mir wichtig meine Arbeit immer in Frage zu stellen. Und falls ich anfange mich zu sicher zu fühlen, dann suche ich mir neue Herausforderungen.

Wen würdest du als einen/ eine der 20 interessantesten jungen FotografInnen Österreichs auswählen und warum?

Stefanie Moshammer als Mensch sowie als Künstlerin, die Ästhetik und ihren Umgang mit den Menschen, die sie portraitiert. Ihre Arbeiten sprechen für sich selbst. 

OUTTAKE EINER FOTOSERIE MIT DEN DARSTELLERN DES FILMS "EGON SCHIELE - TOD UND MÄDCHEN" FÜR DIE PRESSE, SCHAUFENSTER (2016)
OUTTAKE EINER FOTOSERIE MIT DEN DARSTELLERN DES FILMS „EGON SCHIELE – TOD UND MÄDCHEN“ FÜR DIE PRESSE, SCHAUFENSTER (2016)

»Mein bester Freund sagte mir einmal: ‚Arrêt sur image, arrêt sur le temps.‘ Das fand ich sehr schön und passend«

9. Martin Stöbich

ROLA ON BIKE © MARTIN STÖBICH
ROLA ON BIKE © MARTIN STÖBICH

„Ich bin 7 Stunden vor eurer Zeit“, schreibt uns Martin Stöbich via Mail. Das ist nicht nur auf seinen aktuellen Aufenthalt gemünzt – Stöbich ist oft international unterwegs. Aber auch in Wien tobt er sich gerne aus. Überhaupt Städte und ihre eigenwilligen Szenen haben es dem gebürtigen Linzer angetan. Wie zum Beispiel im Bildband „Beirut“, der aus ausschließlich analogen Schnappschüssen besteht. Für die herrlich unprätentiösen wie aussagestarken Aufnahmen soll Martin Stöbich gerne weiterhin in allen Zeitzonen auf den Auslöser drücken.

Frei nach dem Spiel „Ich seh, ich seh“: Was siehst, du, was andere nicht sehen?

Sehen tun eh alle das Gleiche, bei mir ist vielleicht der Bildausschnitt ein anderer.

Was ist deine frühste Erinnerung, die du mit dem Thema Fotografie verbindest?

Auf einem Feldweg einen alten Mann am Fahrrad aus dem vorbeifahrenden Auto fotografieren.

Abbilden oder einbilden?

Eingebildetes Abbild.

Worüber zweifelst du bei deiner Fotografie am meisten und wobei bist du dir absolut sicher?

Zweifel immer. Sicher nie. Ur klischee. Ole.

Wen würdest du als einen/ eine der 20 interessantesten jungen FotografInnen Österreichs auswählen und warum?

Definiere jung.

martinstoebich.com

10 . Anna Breit


Ein Porträt ihrer Generation zeichnen – das ist das Ziel der Nachwuchs-Fotografin Anna Breit. Den Platz in dieser Liste hat sie in einem Wettbewerb in Kooperation mit Lomography für sich entschieden und macht uns zu Zeugen ihrer künstlerischen Anfänge – ein Zusammenspiel von Fotografie, Mode, Pop und Grafik(-Design). „Wichtig ist für mich nicht, dass der Betrachter erkennt, in welcher Zeit das Foto entstanden ist. Es ist eher ein persönliches Projekt, das mich ewig an meine Jugend und eine gute Zeit erinnern soll“, sagt sie selbst über ihre Kunst.

instagram.com/anna_breit

Frei nach dem Spiel „Ich seh, ich seh“: Was siehst, du, was andere nicht sehen?

Der Unterschied besteht nicht darin, dass ich Dinge sehe die andere nicht sehen, sondern liegt in meiner bewussten Entscheidung meine Sicht den anderen zu zeigen.

Was ist deine frühste Erinnerung, die du mit dem Thema Fotografie verbindest?

Wahrscheinlich die Urlaubsfotos meiner Familie und der Fotograf im Kindergarten.

Abbilden oder einbilden?

Abbilden.

Worüber zweifelst du bei deiner Fotografie am meisten und wobei bist du dir absolut sicher?

Hinter den Fotos die ich veröffentliche stehe ich, und meine Zweifel behalte ich für mich.

Wen würdest du als einen/ eine der 20 interessantesten jungen FotografInnen Österreichs auswählen und warum?

Ich finde die Frage schwierig weil es viele FotografInnen gibt, die mich aus unterschiedlichen Gründen berühren. Noch dazu ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber spontan fällt mir Alicia Pawelczak ein, denn ich finde Ihre Fotos ästhetisch ansprechend und witzig zugleich.

AUS DER SERIE VINCENT & LIVIA (2016) © ANNA BREIT
AUS DER SERIE VINCENT & LIVIA (2016) © ANNA BREIT

»Fotografie bedeutet für mich, die Wirklichkeit nach meinen Vorstellungen und Ideen so zu inszenieren und festzuhalten, wie ich sie in dem Moment gerne hätte.«

 

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