Die Science Busters kämpfen um den Eisernen Thron – Florian Freistetter im Interview

In ihrem neuen Programm „Winter Is Coming: Die Wissenschaft von Game Of Thrones“ versuchen die Science Busters unter anderem die Existenz von Drachen zu verifizieren. Florian Freistetter gibt uns im Interview Nachhilfe in Sachen „Game Of Thrones“.

Wenn wir eine Fernsehserie sehen, beschäftigen uns meistens die Schauspieler, die Musik oder die Kostüme. Alles, was man sofort bemerkt. Wenn sich die Science Busters für eine Serie interessieren, geht es nicht darum, wie gut eine Schauspielerin aussieht oder wie passend ein Soundtrack gewählt ist, sondern um die logische und wissenschaftliche Erklärbarkeit.

In den letzten Jahren entstanden so Programme über „Star Trek“ und James Bond. In ihrem neuen Programm widmen sie sich jetzt der HBO-Serie „Game Of Thrones“ und versuchen zu erklären, ob es eine Welt, wie sie hier gezeigt wird, wirklich geben kann – inklusive Drachen. Florian Freistetter, Astronom und einer der Science Busters, hat mit uns über das neue Programm und die wissenschaftliche Seite von „Game Of Thrones“ gesprochen.

Wie kam es zu der Idee, gerade jetzt ein „Game Of Thrones“-Stück zusammenzustellen, der Hype um die Serie ist ja nicht erst jetzt entstanden?

Ein spezielles Timing in Bezug auf die Ausstrahlung der Fernsehserie gab es eigentlich nicht. Schuld an der Show ist genau genommen Martin Moder (einer der Science Busters in diesem Programm, Anm. d. Red.), der sich auf einer Halloween-Feier seines Instituts als Khal Drogo verkleidet hat und dabei so überzeugend aussah, dass wir das auch auf die Bühne bringen wollten.

Gibt es bei so einer bekannten Serie eine andere Vorbereitung als bei den anderen Science-Busters-Programmen?

Die Show soll ja auch für Leute interessant sein, die die Serie nicht kennen; insofern haben wir die Fernsehserie zumindest inhaltlich nicht so stark in den Vordergrund gerückt und die Vorbereitungen waren in der Hinsicht nicht anders als sonst. Es stehen aber das erste Mal drei WissenschaftlerInnen neben Martin Puntigam (der Moderator der Programme, Anm. d. Red.) auf der Bühne – üblicherweise waren es nur zwei. Das alles unter einen Hut zu bringen, hat tatsächlich ein wenig mehr Aufwand erfordert als sonst. Vor allem da ich als Astronom alleine gegen zwei BiologInnen ankämpfen und dafür sorgen muss, dass meine Disziplin die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr zusteht.

Während des Programms betonen Sie beziehungsweise Martin Puntigam immer wieder, dass Sie alle Bücher gelesen und Staffeln gesehen haben – sind Sie damit der einzige in der Gruppe?

Ich glaube, ich bin tatsächlich der einzig wirkliche Fan der Serie. Ich habe wirklich schon lange vor der Show alle Bücher gelesen und war auch der Einzige, der die Fernsehserie kannte. Zumindest bis zur Vorbereitungsphase; dann haben sich die anderen natürlich auch informiert. Die Bücher haben meine KollegInnen allerdings immer noch nicht gelesen – daran arbeite ich noch.

Wer ist Ihr liebster „Game Of Thrones“-Charakter?

Echte „Game Of Thrones“-Fans lernen schnell, keine Lieblingscharaktere zu haben! George R. R. Martin kann so was wohl spüren und im nächsten Band oder der nächsten Staffel müssen die Lieblinge dann immer einen qualvollen Tod sterben. Aber ich fand trotzdem Arya Stark immer sehr beeindruckend. Ich bin immer noch fasziniert davon, wie sympathisch sie rüber kommt, obwohl sie bei genauerer Betrachtung ja eigentlich eine Teenagerin ist, die durch massive Traumatisierung zur Massenmörderin wurde. Aber gut, in Westeros fällt so etwas wahrscheinlich nicht weiter auf. In den Büchern fand ich Beric Dondarrion cool, der in der Serie aber nur am Rande vorkommt und auch in den späteren Buchbänden leider kaum noch erwähnt wird. Aber zumindest ist er noch nicht tot.

Das Bestehen der Mauer in „Game Of Thrones“ rechtzufertigen hat in dem Programm schon einiges an Um-die-Ecke-Denken erfordert. Was ist denn Ihr liebstes unwissenschaftliches Phänomen in „Game Of Thrones“?

Ich glaube, in einer Fantasywelt macht es wenig Sinn, nach unwissenschaftlichen Phänomenen zu suchen. Am Ende kann man jeden Widerspruch und jede offene Frage einfach mit „Das ist halt Magie“ beantworten. Es macht viel mehr Spaß, sich zu überlegen, wie all das, was in der Serie nicht oder eben vage durch Magie erklärt wird, in unserer Realität funktionieren könnte.
Die Sache mit den Jahreszeiten zum Beispiel, die Frage nach der Existenz von so etwas wie „Wildfire“ oder eben, wie man so ein absurdes Ding wie die Mauer bauen könnte. Es ist übrigens erstaunlich schwierig, eine auch nur halbwegs große und lange Mauer zu bauen, wie ich bei meinen Recherchen für die Show bemerkt habe. Donald Trump wird sich noch gehörig wundern, was da auf ihn zukommt, wenn er seinen Plan von der Mauer zwischen den USA und Mexiko wirklich durchziehen will.

Können Sie Science-Fiction lesen oder konsumieren, ohne im Hinterkopf zu überlegen, wie und ob die Phänomene wissenschaftlich möglich sind?

Ich kriege es ganz gut hin, zwischen Fantasie und Realität zu trennen. Mich stört es nicht, wenn Science-Fiction nicht immer absolut wissenschaftlich korrekt ist. Es geht ja dabei gerade auch darum, ein wenig zu spekulieren und nicht immer nur die Realität abzubilden. Was mich allerdings stört, sind unnötige wissenschaftliche Fehler bzw. interne Unlogik.

Einige Dinge, die in der Programmvorschau erwähnt werden, werden im Stück nicht aufgeklärt. Warum wurden diese Dinge letztlich doch weggelassen?

Jeder von uns hat jede Menge Lieblingsgeschichten aus der Wissenschaft und wenn WissenschaftlerInnen mal die Gelegenheit haben, von ihrer Arbeit zu erzählen, wollen sie natürlich immer alles erzählen. Wir haben also typischerweise auch immer mehr Ideen für eine Show, als man dann tatsächlich zeitlich umsetzen kann. Das kollidiert dann aber manchmal mit der Bürokratie der Veranstaltungswirtschaft, die Texte für die Programmvorschau oft schon haben wollen, wenn wir noch am Programm arbeiten. Aber wer ganz dringend Enthauptungstipps oder Bezugsquellen für „milk of the poppy“ benötigt, kann sich einfach per E-Mail bei uns melden. Wir helfen dann gerne weiter.

Die Science Busters zeigen ihr Programm „Winter Is Coming: Die Wissenschaft hinter Game Of Thrones“ am 18. März und 2. Juni im Wiener Stadtsaal. Tickets bekommt ihr hier.

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