Einteiler: Dieser Mantel von km/a war einmal eine Armeedecke

Gabriel Roland betrachtet die hiesige Modeszene Stück für Stück.

© Erli Grünzweil

Decken sind dafür bekannt, Wärme und heimelige Geborgenheit zu spenden. An kalten Wintertagen kann es durchaus vorkommen, dass man ihren Schutz nur sehr ungern verlässt. Auch in der Mode hat die Decke ihren Platz: Ponchos oder Shawls etwa sind wenig mehr als Rechtecke aus Stoff und doch sind sie als sichere Zuflucht vor widrigem Wetter beliebt.

Manche Menschen haben aber auch noch andere Assoziationen zur Decke: Wer jemals in einem militärischen Umfeld Betten machen musste, hat die Überdecke als Maß höchster Genauigkeit kennengelernt. Zumindest beim österreichischen Bundesheer wird großer Wert darauf gelegt, dass die graue Wolldecke mit den grünen Aufschriften »Heereseigentum« und »Fußende« genauso faltenfrei wie das Leintuch unter die Matratze geschoben wird.

Mantel von km/a fotografiert von Erli Grünzweil

Bundeseigentum

So eine Heeresdecke liegt auch diesem Mantel von km/a zugrunde. Zwar ist es kein österreichisches Modell, sondern eines der deutschen Bundeswehr, das auf olivgrünem Grund sechsmal die Aufschrift »Bundeseigentum« ziert, man kann sich aber leicht vorstellen, dass es dereinst ebenso Instrument großer Akribie war. Ausgemustertes Heerestextil ist von höchster Materialqualität und in großen Mengen verfügbar – ideal zur Weiterverarbeitung.

Katha Harrer, die Designerin hinter km/a, will mit ihren Mänteln Geschichten weitererzählen. Dabei dreht sich alles, wie so oft in der Mode, um kulturelle Versatzstücke, die nur hier nicht als Trend aufgegriffen, sondern als konkretes Objekt weiterverwendet werden. Genauso wie die Buchstaben und Linien am Mantel aus Bedeutung und Zusammenhang gerissen werden, wird die Decke als Ganzes zum Versatzstück und damit zum Material für Neues.

Im Bereich der Materialverwertung kann man das Recycling nennen: Aus einem Objekt wird wieder ein Material. Im Gestalterischen geschieht etwas ganz Ähnliches: Die kulturelle Bedeutung eines Gegenstandes wird erkannt und neu verarbeitet. Das ist ein in der Mode zentraler Prozess. In unserem Fall bleibt in allen Kategorien und Zuständen aber eines gleich: das Spenden von Wärme.

 

Näheres über km/a, die auch Kleidung aus Zeltplanen und Fallschirmen nähen, kann man unter www.kmamode.com erfahren.

 

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