Globaler Party-Express

Fritz ist der jüngere Kalkbrenner, der mit der markanten Stimme und der weichen und harmonischen Produktion. Wie sein drittes Album "Ways Over Water" sollte viel mehr klingen.

Berlin steht für House, Techno und jede Menge anderen Musikkram. Unter den unzähligen DJs, Club- und Labelbetreibern aus Berlin sticht ein Brüderpaar hervor, das den elektronischen Sound der Stadt massentauglich gemacht und global verbreitet hat: die Kalkbrenners aus dem Ostberliner Stadtteil Lichtenberg. Fritz Kalkbrenner, der jüngere der beiden, veröffentlicht mit "Ways Over Water" seinen dritten Longlayer und zeigt dabei gleich, wie man der Muschihouse-Falle entkommt.

Er ist eher der zurückhaltende Typ, Star-Allüren sind ihm unheimlich. Er teilt sich am besten durch seine Musik und Texte mit. Denn Fritz Kalkbrenner liebt es, zu singen. Seine Stimme ist markant. Der reicht zurück bis 2003, damals hatte er erstmalig für Sascha Funke auf dessen Debütalbum gesungen. Danach folgten Beiträge für Szenegrößen wie Monika Kruse oder Alexander Kowalski. Erst 2008 entschied sich Fritz Kalkbrenner, sein eigenes Ding durchzuziehen.

Die Mauer fällt, der Techno-Express rollt

Ursprünglich hatte Fritz ein Faible für Hip-Hop. Kurz nach dem Mauerfall 1989 war Hip-Hop und auch Techno neu und revolutionär, wie so ziemlich alles Westliche. Während Paul Kalkbrenner sofort auf den im wiedervereinten Berlin einfahrenden Techno-Express aufsprang, sollte es bei Fritz länger dauern. Er kam erst gegen Ende der 90er Jahre auf den Geschmack, zu einer Zeit, als der Ruf Berlins als die neue Partymetropole Europas bereits gefestigt war.

Hier und jetzt, ziemlich genau 25 Jahre nach dem Fall der Mauer, bestimmen die aus Ostberlin stammenden Brüder Paul und Fritz den Sound, der rund um den Globus mit der deutschen Bundeshauptstadt assoziiert wird. Während Paul das härtere Gefilde global abdeckt, man vermeide bitte das Wort "Techno" auf das Tunlichste, stürmt Fritz mit seinen weichen, harmonischeren Produktionen die Clubs und Festivals weltweit. Natürlich ist es massentaugliche Musik. Aber interessanterweise sprechen der Kalkbrenners Produktionen Leute an, die mit elektronischer Musik normalerwiese so gar nichts am Hut haben. Aber die Kalkbrenners stehen eben für den neuen "Sound of Berlin" und für Parties, da wollen natürlich alle dabei sein.

Knackige Basslines, kein Muschihouse

"Ways Over Water" schafft einen schwierigen Spagat, denn Fritz Kalkbrenner ist Singer/Songwriter und verbindet dies mit den fetten 4/4-Beats und knackigen Basslines in seinem Handgepäck. Auch wenn der Clubcharakter eindeutig den Ton angibt, so treten die Gesangparts mehr und mehr in den Vordergrund. Als Sänger weiß Kalkbrenner auf dem neuen Longplayer noch genauer, was er kann. Seine Arrangements werden durch den akzentuierten Einsatz von Gitarren und neuerdings auch Bläsern funkiger, an den Hooks wurde dezent gearbeitet. Kalkbrenners drittes Album wirkt insgesamt authentisch und detailverliebt. Er schafft es, sich dabei entspannt und sanft euphorisch zu geben, ohne auf einfache Formeln und Samples zurück zu greifen. Die 13 Tracks haben also nichts mit der öfters als Muschihouse bezeichneten Fließbandproduktionen von deutschen oder österreichischen Duos zu tun. Ganz im Gegenteil, die würden sich wünschen, wenn sie so knackig und ideenreich wie "Ways Over Water" zu klingen.

Der Release auf Suol Records Mitte Oktober wird von einer Europa-Tour begleitet. Wien wird am 13. Februar 2015 im Gasometer besucht.

Bild(er) © Suol
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