„Shameless brought me here“ – Cari Cari im Interview

Cari Cari sind Stephanie Widmer und Alexander Köck. Die DIY Band hat schon zum Shameless Soundtrack beigetragen und eine Australien Tour hinter sich.

© Christoph Liebentritt
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Cari Cari besteht aus Stephanie Widmer und Alexander Köck, die sich kennenlernten, als Stephanie Support-Act bei Alexanders vorheriger Band „The Golden Rabbit“ war. „Shameless brought me here“ ist wohl der am meisten verfasste Kommentar unter Cari Caris Durchstarter Single „White Line Fever“, die das Duo nicht nur durch die Verwendung des Songs in der Serie auch international bekannt machte. Nach drei Jahren haben sie sich nun mit der Single „Nothings Older Than Yesterday“ zurückgemeldet, ihren Sound dabei zwar beibehalten, aber weiterentwickelt. In ihrem neuen Werk verarbeiten die beiden die Eindrücke aus den letzten Reisen, der Sound bleibt gewohnt rough mit elektronischen Einflüssen – nicht ohne Grund werden sie gerne mit The Kills oder The XX verglichen. Dabei bezeichnen sich die beiden Künstler als DIY-Band – egal ob Artwork oder Videos, alles stammt aus der Hand der beiden. In der Zukunft wird man wieder mehr von ihnen hören. Wir haben sie getroffen und sie unter anderem gefragt, warum sie das Video zu „Nothing Older Than Yesterday“ in Tokio gedreht haben und wie sie zu Shameless gekommen sind.

In Österreich seid ihr im internationalen Vergleich noch relativ unbekannt. Habt ihr eine Idee, woran das liegen könnte?

Stephanie: In erster Linie liegt es glaub ich daran, dass unsere erste EP international erfolgreicher war als national. Wir haben uns aber von Anfang an darauf fokussiert, international Fuß zu fassen.

Alexander: Es gibt ja so typische FM4 Bands, die innerhalb der FM4 Blase berühmt sind – es ist aber nicht so leicht, da danach wieder rauszukommen. Wir haben unsere EP einfach an so viele Menschen wie möglich geschickt – den Internet Fame den wir von Blogs, Online Rezensionen und dann auch von Shameless bekommen, haben wir natürlich auch genutzt.

Wurdet ihr für den Shameless Soundtrack angefragt?

Stephanie: Ja, zuerst hat uns das Produktionsteam von Shameless geschrieben und dann hat sich die Lizensierungsagentur gemeldet.

Alexander: Nach einem Jahr hat sich unser Agent aus Los Angeles gemeldet, und uns gesagt, dass sie uns beim Soundtrack dabeihaben wollen. Wir haben aber daraufhin keine Nachricht mehr von ihm bekommen, weil er auch so ein kurz angebundener Ami-Typ ist. Auf einmal kam dann ein Anruf von einem Freund, dass unser Song gerade bei Shameless gespielt wird.

Was war eure Reaktion, als ihr das mitbekommen habt?

Alexander: Euphorisch. Vor allem hat es auch eine gewisse „Street Credibility“ für uns, unter den meisten Videos von uns lesen wir „I’m here because of shameless“.

Bei welchem österreichischen Film oder welcher Serie hättet ihr gerne zum Soundtrack beigetragen?

Alexander: „Das finstere Tal“ war sehr gut, da war auch Musik von den Steaming Satelites dabei, was eine sehr coole Nummer ist, bei der Seidl-Doku „Im Keller“ hätten wir auch gerne mitgewirkt. Wir haben schon öfters erwähnt, dass wir Cari Cari auch gegründet haben, um einmal in einem Quentin Tarantino Film vorzukommen – bei einem österreichischen Pendant dazu wären wir natürlich auch dabei.

Stephanie: Das österreichische Quentin Tarantino Pendant ist „Das finstere Tal“.

Wie wäre die Geschichte zu einem Tarantino-Film, bei dem „Dear Mr. Tarantino“ im Soundtrack wäre?

Alexander: Einerseits geht’s ja beim Quentin Tarantino um die Stimmung.

Stephanie: Es ist lustig aber doch beinhart daneben. Nette Musik zu einem schlimmen Ereignis, das ist natürlich sehr kontrastreich.

Alexander: Es müsste dann eigentlich etwas Nettes mit einem Twist sein. Vielleicht ein Selbstmord in einem Kindergarten – etwas Makabres.

Ihr habt kürzlich mit Garish Marlene Dietrichs „Sag mir wo die Blumen sind“ gecovert. Warum habt ihr euch hier für einen deutschen Song entschieden, nachdem ihr sonst immer englisch singt?

Stephanie: Wir haben Cari Cari & Friends genutzt, um unseren Horizont zu erweitern, das heißt uns neuen Sachen zu stellen. Ich singe wie du schon gesagt hast, nie deutsch und ich wollte die Erfahrung machen. Wer wäre da besser geeignet als Garish?

Alexander: Wir wollten einen Output und aus unserer eigenen Komfortzone raus. Einfach Dinge ausprobieren, die wir noch nie gemacht haben. „Sag mal wo die Blumen sind“ ist in der Hinsicht auch international, weil es den Song auch in Englisch gibt.

Ist euch die Kooperation mit anderen österreichischen Bands wichtig?

Stephanie: Ja klar, man kann extrem viel lernen und wir haben auch extrem gute Freunde dazugewonnen – alle sind besondere Charaktere.

Alexander: Wir waren mit allen so gut „gevibet“ und es war immer ein schöner Tag. Das Video zu Cari Cari & Friends haben wir auch selbst gemacht, aufgenommen haben wir in der Cselley Mühle im vollanalogen Studio. Das Prinzip ist, dass wir unsere Grenzen austesten, von anderem Musikern etwas dazulernen und uns dabei noch Vernetzen geht dabei voll auf.

Euren Sound kann man, durch seine rockigen Country Einflüsse, schon als amerikanisch bezeichnen. Warum habt ihr euch entschieden das Musikvideo zu „Nothings Older Than Yesterday“ in Japan zu drehen?

Alexander: Es kommt in dem Lied auch Tokio vor, aber wir sind prinzipiell fasziniert von Japan und es wäre ja auch ein Klischee wenn man dann ein Video in der Wüste von Nevada mit einem Chevrolet drehen würde.

Stephanie: Im Grunde genommen war unser Gedanke, das westernmäßige in der Stadt einzufangen.

Alexander: Du kannst auch das Prinzip eines Westerns hernehmen und die Klischees wegstreichen. Das ist so, wie ich es nicht nachvollziehen kann, warum ich jetzt eine 80s- oder 60s-Revival Band machen sollte. Ich finde es interessanter, wenn man etwas macht, das in die aktuelle Zeit passt.

Gab es in den letzten drei Jahren, die ihr intensiv mit Reisen verbracht habt, besondere Ereignisse die euch in eurer jetzigen musikalischen Phase geprägt haben?

Stephanie: Ja, der Brexit. Wir sind fünf Tage nach dem Brexit nach London gezogen, es war schon eine eigene Stimmung.

Alexander: Vor allem, wir haben in London gearbeitet und Musik gemacht und wenn man mit den Leuten geredet hat, bekam man das Gefühl, wie wenn es der Niedergang der alten Welt sei. Alles Spezielle an den jeweiligen Orten, an denen wir waren, wollten wir mitnehmen – Tokio war eine ganz andere Welt und in London hat uns besonders das roughe gefallen. Dort haben wir auch in einigen Bars gespielt, in denen an einem Abend bis zu drei wahnsinnig gute Bands spielten.

Stephanie: Das musikalische Niveau war in London extrem hoch.

Alexander: Und man muss froh sein, wenn man 30 Pfund Gage bekommt – wohnen ist dazu noch extrem teuer. Auf der Tour durch Australien waren wir auch mit dem Minimum unterwegs. Dort haben wir auch eine Doku gedreht – die wird vielleicht auch noch irgendwann veröffentlicht.

Wie heißt die Doku?

Alexander: „How to tour without a Budget“, wir sind mit dem Greyhound Bus alles abgefahren. Einen Abend haben wir in einem Hotel gespielt, bei dem es nicht einmal ein Mikrofon gab.

Stephanie: Sie hatten eines, aber das konnten sie uns nicht geben, weil sie es für die Bingo Aussagen brauchten. Wir sollten aber dann trotzdem drei Stunden spielen.

Alexander: Dann gab es wiederum Abende, wo wir vor 300 Leuten mit genialen Bands gespielt haben. Einmal spielten wir in einer veganen Pizzeria, die keine Unterkunft für uns hatten. Wir haben 150 Dollar verdient und ein Hotelzimmer kostete 100 Dollar, mit den Kosten für den Bus wären wir mit einem Minus ausgestiegen. Wir sind dann zuerst mal in einem McDonalds gelandet.

Stephanie: Ich habe mich schon im McDonalds schlafen gesehen.

Alex: Wir konnten dann aber bei einer Musikerin schlafen, die wir auf einem Festival kennengelernt haben – das war die Rettung.

Bei Dear Mr. Tarantino habt ihr die Zeichnungen im Video selbst illustriert. Wer von euch beiden war der Künstler?

Stephanie: Ich mache das.

Hast du das gelernt?

Stephanie: Nein, nicht wirklich. Ich habe das immer schon gerne hobbymäßig nebenbei gemacht.

Alexander: Sie hat auch letztens für das C’est La Müh Festival die Illustrationen gemacht.

Also ihr illustriert und filmt selber. Verwirklicht ihr euch auf die Art durch „Cari Cari“ auch auf eine künstlerische Art und Weise?

Alexander: Ja wir sind durch und durch DIY-Band. Das ist unser Ding, wir machen gern viele verschiedene Sachen. Stefanie kümmert sich um das Design und kann sich künstlerisch verwirklichen. Filme machen wir gemeinsam und bei Cari Cari & Friends können wir jammen, das hat dann immer für mich so einen „Dont Let Me Down“ Moment. Wir sind da sehr autodidaktisch unterwegs, Filme schneiden und singen konnten wir davor beide nicht bzw. haben wir beide nie spezifisch gelernt. Stefanie hat sich selber Schlagzeug spielen beigebracht, einzig ich habe vorher Gitarre spielen gelernt. Heutzutage kann man sich aber mit Youtube-Videos so viel selber beibringen. Es ist eine gute Art sich künstlerisch und handwerklich weiterzuentwickeln.

© Christoph Liebentritt

Der Track ist auf eurer letzten EP „AMERIPPINDUNKLER“ erschienen, die ihr am 25.3.2014 veröffentlicht habt. Wann kann man mit der nächsten EP oder noch besser, dem Debut-Album rechnen?

Alexander: Da schauen wir mal, fünf Lieder sind fertig. Es könnte sich dieses Jahr zwar ausgehen, das wir ein Album fertigmachen, aber wir stressen uns nicht.

© Christoph Liebentritt

Wenn man so viel Zeit damit verbringt, gemeinsam zu reisen und Musik zu machen, inwiefern wirkt sich das auf die Beziehung zueinander aus?

Alexander: Ich habe immer eine Vision im Kopf, wenn wir dann aufnehmen und es funktioniert dann nicht so, wie ich es mir vorstelle, ist das natürlich frustrierend – vor allem, weil mir Musik sehr wichtig ist. Die Höhen sind sehr hoch und die Tiefen besonders tief. Das wäre vielleicht anders, wenn ich einen normalen Bürojob hätte. Wenn es Stefanie dann nicht so hinbekommt, wie ich es mir vorstelle werde ich halt leicht aggressiv.

Wie reagierst du dann darauf, Stefanie?

Stephanie: Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, ich renne weg. Ich weiß, dass es dann auch nichts mehr bringen würde, er ist dann auch nicht mehr aus dieser Welt herauszubringen.

Alexander: Ja das stimmt, ich brauche dann kurz meine Ruhe. Sie kann nichts dafür, dass weiß ich ja, aber ich brauche nur kurz Zeit mich zu beruhigen. Aber wir sind nach drei Jahren Cari Cari so eingespielt, dass das auch kein Problem mehr ist.

Cari Cari sind seit kurzem bei Ink Music und spielen am 10. März 2017 im Rhiz.

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