It’s All Liebemachen Tho

Wandl hat sich ein bisschen zurückgezogen und in der Introversion neue Einflüsse aus Jazz und R&B zum Beat-Paradigma, das er bereits kultiviert hat, hinzugefügt. »It’s All Good Tho« oder: Liebemachen auf der Wandl-Wolke.

© Christian Stantchev

Debütalbum heißt meistens, dass da ein Newcomer ist. So dehnbar dieses Wort auch sein mag, bei Wandl kann man nicht wirklich von jemandem sprechen, den wir gerade erst kennenlernen. Unter anderem drei EPs und »Geld Leben«, das Lovechild mit Crack Ignaz, hat uns die Produktionswut des gebürtigen St. Pöltners schon geschenkt. Beats von ihm bringen uns nicht erst jetzt in Verzückung.

Cola oder Schlafen?

Während der Produktionsphase für sein erstes echtes Album schrieb er in Hamburg für einen Freund und dessen Regie-Abschlussprüfung die Musik zum Stück »Der gestohlene Gott«. Im Jenseits eines normalen Schlaf-Wach-Rhythmus macht Wandl tagsüber Beats für die Bühne und nachts für sein Gesellenstück »It’s All Good Tho«. Ein Album zwischen Cola-Rausch und tagelangem Schlafen. Smooth-Jazz-Schemata auf cloudy Federkernmatratzen und verhauchtem Gesang – »It’s All Good Tho« ist ein Album zum Liebemachen. Wenn der Wandl euch nicht zusammenbringt, dann wird das leider nichts mehr.

Auf seiner Debüt-LP bleibt der Süßi wie gewohnt im Spagat zwischen Cloud und R&B. Wenn man in »Window Color« noch ein bisschen »Hotbox« raushört, ist »Honey Soldja« Post-Jazz und »Fever« eine experimentelle 2000er-Ballade, in der sich Wandls Stimme besonders sweet präsentiert. Wandl sucht seinen Sound in der binären Opposition zwischen Oldschool und Future. Und er findet ihn zwischen Vintage-Pianos und gläsernen Klangschalen. Ein bisschen massiver wird es, wenn Brudi Cid Rim in »Hell« vorbeischaut.

Beat-Schweben

Die Wandl-Beats macht aber eben diese detaillierte Trippyness aus. Sein eigenes Beat-Paradigma hat er sich da geschaffen – noch vor dem ersten Album. Auf diesem kann Wandl seinen Sound also ruhig ein bisschen hin- und herbiegen und noch mehr mit Introvertierheit liebäugeln. Vom vorantreibenden Zug früherer Songs wie »Done« und mancher weniger zarter »Geld Leben«-Beats löst er sich nämlich und verwandelt ihn in Schweben. Für immer kann man leider nicht auf der Wandl-Wolke bleiben, dafür hat die Realität zu viel Gravitationskraft. Aber am Ende zählt, welche süße Sphäre uns Wandl da beschert. Und die ist good tho.

„It’s All Good Tho“ erscheint am 2. Juni 2017 bei Affine Records. Schon vor seinem ersten Soloalbum war er mit Crack Ignaz unser Coverboy.

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