Interessant – »Gute Gedanken«, das Solo­debüt von Lisa Obereder

In Gedanken: Lisa Obereder bastelt auf Basis von Postpunk und Lo-Fi fragmentierte Popmonologe über Überforderung und Selbst.

© Lena Obereder

Der ein oder andere spieß­bürgerliche Elternteil mag meinen, dass man auf der Angewandten entweder nix wird oder zumindest nix Gutes. Doch wir haben hier wenigstens ein Gegen­beispiel: Lisa Obereder, studierte Malerin, ist auch musikalisch keine Unbekannte. Wer das Foto sieht und ein gutes Gedächtnis hat, wird sie als Teil der Post-Grunge-Powerpopper Paloma 004 wieder­erkennen, die vor ziemlich genau einem Jahr eine veritable Talent­probe abgeliefert haben. Gerne Aus­gabe 211 noch einmal hervorkramen, lohnt sich.

Dass das Solodebüt, das parallel zu ihrer Arbeit mit der Band geschrieben wurde, jetzt natürlich noch mehr nach Obereders Vor­stellungen klingt, ist quasi selbst­verständlich und bedeutet konkret: Postpunk und Indierock, aber vor allem auch einen Haufen elektronischer Spielereien mit Drum­computer oder Fuzz-Effekten. Wenn du dir da noch die Buzz­words »roh«, »Lo-Fi«, »minimalistisch« dazu­reimst, hast du schon ein gutes Gefühl dafür, was auf »Gute Gedanken« alles passiert. Viele schätzen ja von allen Gedanken am meisten die interessanten, unterm Strich sind aber nur gute interessant.

Interessante Gedanken

Tatsächlich ist »Gute Gedanken« ein passendes Stichwort, weil sich die Lieder sowohl stilistisch als auch inhaltlich primär darum drehen, was im Hirnkastl so vor sich geht: Das sind vor allem innere Monologe über Mental Load und digitalen Overload, über Ent­fremdung, aber auch über Selbst­ermächtigung. Obereder liefert weniger Storys mit großen, viel­sagenden Refrains, sondern vor allem Zustände, Fragmente, Trains of Thought, Gefühle des Augenblicks. Quasi Browser­tabs, die sich immer wieder von Neuem öffnen.

Obwohl die Lyrics insgesamt recht sparsam sind – da läuft auch gerne mal eine Minute durch­gehend nur Instrumentales –, streicht Obereder spannender­weise keine sprachlichen Redundanzen raus. So kommt auch schon mal ein »könnte man sagen« nach einer Beobachtung. Und genau deshalb funktioniert »Gute Gedanken« durchaus auch als Ganzes. Nicht un­bedingt als tanz­bare Popplatte (die es natürlich auch nicht sein will), sondern als Anstoß für eigene Über­legungen. Korrektur: Vielleicht sind das die interessantesten Gedanken – die, die anstoßen.

Lisa Obereder »Gute Gedanken«

Das Album »Gute Gedanken« von Lisa Obereder ist am 28. Mai 2026 bei Wilhelm Show Me the Major Label erschienen. Die Musikerin ist am 27. Juni beim Tonbandfest im Schlor live zu sehen.

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...