Faire Produktion auf Bali: Designer Mark Baigent im Interview

Mark Baigent hat eine Kickstarter Kampagne gestartet. Der österreichische Modedesigner will in Bali eine faire Produktionsfirma starten.

© Esther Vörösmarty

Mark Baigent hat in Linz Modedesign studiert und danach 7 Jahre lang in Wien gelebt, wo er Teil des Designer Duos Mark & Julia war. Jetzt lebt er jedoch in Bali und will mit seinem eigenen Label Mark Baigent die Modewelt verbessern. Er produziert seine Kleidung in einer Fabrik in Bali, bei der die Mitarbeiter unter fairen Konditionen arbeiten und gerecht entlohnt werden. Hier beginnt auch die Idee zur Kickstarter Kampagne: Da er nun seine eigene Produktion starten möchte, will er innerhalb eines Monats die Crowdfunding Summe von 15.000,- erreichen. In den ersten zwei Tagen hat er bereits 21 Prozent des Betrags geschafft. Wir wollten von ihm wissen, was sich in seinen Entwürfen geändert hat, seitdem er in Bali lebt, wie sich faire Modeproduktion umsetzen lässt und ob er die Wiener Modeszene vermisst.

Warum bist du von Wien nach Bali gezogen, wo siehst du die Unterschiede zu Wien oder Österreich?

Bali war eigentlich nie wirklich ein fixer Plan, ich wollte eigentlich ein Jahr in Asien herumreisen da ich fast 5 Jahre keinen Urlaub machen konnte, weil ich so viel gearbeitet habe. Als ich dann hier in Bali angekommen bin, im Jänner 2016, wurde mir recht schnell klar, dass ich hier eine Kollektion machen möchte. Es gibt einige Unterschiede zu Österreich. Die Zeit läuft hier anders und es gibt andere Dinge, die hier an oberster Stelle stehen. Es ist zum Beispiel wichtiger eine Zeremonie zu halten, als pünktlich zur Arbeit zu kommen, weil dies ja uns allen etwas bringt. Eine der wichtigsten Weisheiten die mir meine Balinesische Nachbarin geleert hat war: „nur weil es gestern so war, bedeutet es nicht das es heute so ist jedoch morgen könnte es wieder so sein“. Man muss sich als EuropäerIn darauf einstellen, dass hier so gut wie nichts so läuft wie in Europa. Wenn man das kann, dann hat man schon fast gewonnen!

© Aji Joe Imàgenes

Was war der ausschlaggebende Grund für dich, in Bali zu produzieren?

Ich versuche meine Produktion und die dafür benötigten Stoffe, Zutaten aus Bali und den angrenzenden Ländern zu verwenden. Ich war inspiriert hier eine Kollektion zu machen und fand es auch ganz spannend zu sehen, wie ich hier zurecht kommen würde. Und ich muss sagen es war alles andere als einfach, aber es hat sich gelohnt und ich habe sehr viel gelernt darüber, wie Produktionen hier ablaufen können!

Wie verbreitet ist faire Produktion im asiatischen Raum im Vergleich zum europäischen?

Ich denke, dass Bali hier eine Ausnahme ist. Die Insel ist ziemlich fortgeschritten was faire, vegane und natürliche Produkte angeht. Es legen viele Menschen sehr viel Wert auf faire Behandlung – jedoch habe ich vor allem in Asien die Schattenseiten der Mode gesehen. In Bali habe ich Produktionen gesichtet die ich am liebsten wieder schließen wollen würde, aber zu weinen habe ich begonnen, als ich in den Slums in Indien gesehen habe wie Kleidung dort hergestellt wird. Es war auch genau dort wo ich beschlossen habe: Ich muss etwas anders machen. Dort hat sich mein Leben verändert.

Du lebst jetzt schon seit über einem Jahr in Bali, wirkt sich die doch andere Umgebung und Lebensweise auf deine Entwürfe aus?

Natürlich, es gibt hier so viel Inspiration und so viele Künstler und Künstlerinnen, dass man einfach nur beeinflusst werden kann. Und ich sehe das auch als sehr gut an! Man muss nur sichergehen, dass man diese Inspiration mit dem eigenen Stil paart und sich selbst treu bleibt.

© Andrea Peller
© Andrea Peller

Du hast auch schon außerhalb Österreichs gearbeitet, inwiefern siehst du dich als österreichischen Modedesigner bzw. vermisst du die Modeszene in Wien?

Wien wurde in den sieben Jahren in denen ich dort gelebt habe zu meiner Heimat. Ich habe noch immer meine kleine Wohnung am Karlsplatz und es wird immer ein Teil von mir sein. Länderzugehörigkeit ist mir eigentlich weniger wichtig, aber ich habe in Wien sehr viel Support von Menschen aus der Modeszene erfahren und auch sehr gute Freunde gefunden, die ich sicherlich vermisse.

Wieso startest du die Kickstarter Kampagne gerade jetzt?

Kurz bevor ich im Oktober nach Wien zurück geflogen, habe ich das Angebot bekommen Partner in der Fabrik zu werden und ich konnte die Zeit in Wien nutzen um darüber zu reflektieren und zu entscheiden was ich machen möchte. Klar war für mich, dass ich die finanziellen Mittel eigentlich nicht habe und durch einige Freunde wurde ich darauf aufmerksam gemacht Kickstarter vielleicht auszuprobieren. Ich habe noch nie zuvor etwas durch Crowdfunding finanziert und ich muss sagen es ist eine richtige Herausforderung, aber ich liebe so etwas ja.

Wo siehst du dich in 5 Jahren, wenn sich Mark Baigent am Modemarkt als faires Label etabliert hat?

Das wäre mein Traum ja, mit meiner Mode Menschenleben zu verändern! In fünf Jahren hat sich im besten Fall das Team in der Fabrik erweitert und es sind mehr Kunden dazugekommen, die die gleiche Vision haben wie ich: Menschen durch Kunst zu helfen.

Da dir Transparenz sehr wichtig ist, wie wählst du den Vertrieb deiner Kleidung aus?

Ich habe bisher zweimal jährlich in Paris präsentiert, dort Bestellungen entgegen genommen und diese dann produziert. Seit einer Saison arbeite ich nun mit einem Agenten in London zusammen. Ich konzentriere mich aber vor allem auf die Fabrik hier und aus diesem Grund vertreibe ich hauptsächlich hier in Bali. Aber ich bin sehr offen für neue KundInnen und freue mich über Partnerschaften!

© Esther Vörösmarty

Man kann deine Kleidung auf lieblingsbrand.at kaufen, die von der Gründerin Cloed Baumgartner von Milch, einem Upcycling Label, gegründet wurde. Mit welchen anderen ethisch vertretbaren Modenetzwerken würdest du gern in Europa zusammenarbeiten?

Puh das ist eine gute Frage, ich bin generell sehr offen für neue Großhandel KundInnen und ich muss zugeben, mir fallen im Moment keine anderen ethisch vertretbaren Modenetzwerke ein, außer Etsy und Not Just A Label.

Hier kommt ihr zur Kickstarter Kampagne.

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