The Hidden Cameras sind jetzt Country – Plötzlich Banjo

Mit countryesker Behaglichkeit schlagen The Hidden Cameras auf ihrem neuen Album eine ganz andere Richtung ein. Joel Gibb im Interview über Kunst, Herzensangelegenheiten und Kanada.

Joel Gibb © Alp Klanten

In den letzten Jahren wurden The Hidden Cameras Queercore-, Indie-, oder Pop-Band genannt. Mit dem neuen Album „Home on Native Land“ dürfte das die längste Zeit gepasst haben. Statt gewohnt dunklen Synths und Gitarren hört man darauf Banjo und Suzi Quatro Spirit. The Hidden Cameras geben sich jetzt ganz dem Folk und Country hin. Mindestens ein Album lang.

Gibb zieht musikalisch aufs Land

Joel Gibb, Frontmann der Hidden Cameras, schrieb über zehn Jahre an der aktuellen LP. Mit Neo-Countryzismus konnte er unter anderem Rufus Wainwright oder Feist als Gäste gewinnen. Aus Liebe zu seinem Heimatland wandelte er für den Titel seines Werks eine Textzeile der kanadischen Nationalhymne ab. Joel Gibb verrät uns im Interview, warum er für „Home on Native Land“ musikalisch aufs Land zieht.

 

Im Vergleich zu den letzten beiden Alben klingt ihr komplett anders. Wie kam es, dass ihr euch für „Home On Native Land“ so stark an Folk und Country orientiert?

Jedes Album von mir ist eine Reflektion einer anderen Seite von mir. Obwohl ich dem zustimme, dass jeder gute Songwriter seine ganze Karriere damit verbringt, den selben Song zu schreiben, war ich immer daran interessiert, andere Genres zu erkunden und musikalisch in verschiedene Richtungen zu gehen.

Das neue Album hast du über einen Zeitraum von 10 Jahren geschrieben und aufgenommen. Dazwischen habt ihr drei Alben herausgebracht. War „Home On Native Land“ deine Herzensangelegenheit? Und wie lief die Arbeit daran nebenbei weiter?

Ja, tatsächlich. Ich habe „Home on Native Land“ immer „the light to AGE’s dark“ genannt. In meinen Zwanzigern habe ich ganz frei und im Übermaß Songs geschrieben und sie in imaginäre Alben eingeteilt, die irgendwann Realität wurden.

Für den Release eures neuen Albums gebt ihr ein Akustik-Konzert in einer kanadischen Kunst-Gallerie. Wie steht eure Musik in Verbindung zur ausgestellten Kunst oder zu Bildenden Künsten allgemein?

Musik und Bildende Künste waren in meinem Leben immer stark verwoben. Alle meine Freunde waren Künstler an Universitäten. Ich kannte gar keine Musiker, bis ich The Hidden Cameras gegründet habe. Unser erste Auftritt war auch in einer Kunst-Galerie, in der West Wing Art Space auf der Queen Street West in Toronto. Im Dezember 2000 war das.

The Hidden Cameras © Jeff Harris
The Hidden Cameras © Jeff Harris

Was hältst du von der Genre-Bezeichnung Canadiana? Hat Kanada einen eigenen Sound?

Ich glaube nicht, dass die Bezeichnung Canadiana oft oder überhaupt verwendet wird. Ich würde sagen, Kanadas Sound ist von amerikanischer Musik wie Blues beeinflusst, aber auch stark vom Keltischen und vom Folk.

Mit Country-Musik assoziiert man Konservatives von Religion bis Gender. Willst du mit dem neuen Sound der Hidden Cameras auch liberale Werte mit einem traditionsbewussten Genre verbinden?

Vielleicht. Aber die eigentliche Intention kommt immer von der Liebe zur Musik, zu den Instrumenten und den Songs. Wenn aus der Musik eine zweite Bedeutung entsteht, die soziale Einstellung verändert, ist das ein zusätzlicher Bonus.

 

„Home on Native Land“ erscheint am 28. Oktober. The Hidden Cameras spielen am 2. November im WUK. Weiter geht’s am 4. November beim Ahoi Pop Festival in Linz, am 17. November im Spielboden in Dornbirn und am 9. Dezember im Kino Ebensee. 

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