Gloss Drop

Hit-Ballast
Battles beweisen mit ihrem neuen Album »Gloss Drop« einmal mehr, dass Menschen die besseren Drum Machines sein könnten.

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Man muss eigentlich nicht mehr viel sagen zu Battles. Mit ihren kontinuierlichen Soundkaskaden haben sie vor ein paar Jahren Mathrock neu definiert und landeten prompt bei Warp Records. Das passte wunderbar, flächig rhythmisch und auch industriell. Sie waren und sind Bindeglied zwischen den elektronischen Warp-Artists und dem Indie-Zweig des Labels. Den 2007er Superhit »Atlas« werden sie wohl nie mehr los, fast so, als hätten sie es in der Namensgebung des Tracks geahnt, liegt ihr Schaffen auf den Schultern dieses einen Hits. Da ist es natürlich schwierig, ein Nachfolgealbum zu machen, insbesondere, da sich auch in der Bandbesetzung einiges geändert hat. Tyondai Braxton, vormals Kopf und Kehlkopf der Band, widmet sich nun mehr seiner Solokarriere und hat keine Zeit mehr für Battles. Dave Konopka, Ian Williams und John Stanier prügeln nun die Beats aus allen verfügbaren Synth und dreschen ordentlich auf die Drums. Live ist das ganze ein unglaubliches Erlebnis, man spürt förmlich, wie sich die Band aufarbeitet und gegen die Maschinen ankämpft, fast so wie ein Fließbandarbeiter, der sich auch der Maschine unterzuordnen hat.

Das Album ist leider etwas weniger leicht zugänglich, da mit allzu eklektischem Experimentieren versucht wird, an ihren vorherigen Erfolg anzuknüpfen. Die Neubewertung und Dekonstruktion von Reggae und Polka-Rhythmen wirkt allzu bemüht, als ob das Trio nur noch am Namen festhielte, um ein wenig Geld einzuspielen. Aber es gibt auch Lichtblicke, der Track »Ice Cream« feat. Matias Aguayo etwa ist ein zauberhafter Versuch, Sprache als Instrument einzusetzen, verjazzte Gitarren spielen wunderbar aus dem Hintergrund und schaffen so einen geschlossenen Sound, der spürbar eine Weiterentwicklung zum letzten Album darstellt. Das Ganze ist auch noch perfekt radiokompatibel. Leider kann der Rest nicht so ganz mithalten und irgendwie hat man nach mehrmaligem Hören ein verwischtes Gefühl, fast so, als fehle da noch ein ganzes Stück um ein befriedigendes Hörerlebnis zu schaffen.

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