Ein warmer Fiebertraum in Pastellfarben – »Melody Maker« von Monsterheart

Nostalgie, Erinnerungen und Vergänglichkeit: Monsterhearts neues Album »Melody Maker« entführt uns in Anna Attars ambigue Welt.

© Tobias Martensen

Ein Fiebertraum in Pastellfarben. Ein Kinderlied über die Vergänglichkeit. Oder ein Ausgesetztwerden im Innern. All das kann Monsterhearts neues Album »Melody Maker« sein. Und natürlich auch alles, was mittendrin liegt und darüber hinaus geht: alle Zwischentöne, die möglich sind, wenn man berauscht durch die Nacht zieht oder insomniös im Bett an die Decke starrt. In acht knappen Songs entführt die Künstlerin aus Wien, die eigentlich Anna Attar heißt, einen eben dorthin, wo man selbst manchmal bewusst nicht hinschaut. Denn vieles von dem, was irgendwo in uns vergraben liegt, wollen wir im Alltagslärm lieber nicht hören.

Aber eben da bohrt sich »Melody Maker« tief ins eigene Unbewusste hinein und erinnert uns an Momente, die wir schon längst unter unzähligen Schichten von Verdrängtem verschüttet haben. Es sind die warmen, fernen Erinnerungen in Sepia. Auch wenn in manchen Songs eine Traurigkeit liegt, wird Attars Musik trotzdem nie pathetisch oder schwer. Es ist die leichte Nostalgie im Jetzt, im Schwebezustand des Möglichen, das sich zu neuen Erinnerungen verdichtet.

Das Monster und das Herz

Dabei lassen die kurz gehaltenen Songtitel genauso viel Spekulationsspielraum offen, wie nötig ist, um seine eigenen Geschichten hineinzulegen. Manchmal hat Attars Sound dabei eine fast fairytale-mäßige Tiefe. In anderen Songs ist es eher das intime, introspektive Schweigen, das man kennt, wenn man nicht ganz aus seiner Haut herauskommt. In jedem Fall wird es trotzdem nie klaustrophobisch oder driftet in eine Zerfahrenheit ab, in der man das Kerngefühl nicht mehr fassen könnte. Passenderweise wird ab »Put the Tempo«, circa bei der Hälfte des Albums, wirklich die Geschwindigkeit verändert. Die Geschichte bekommt eine neue Schattierung und setzt sich anders fort.

Anna Attar schafft es, Ambiguitäten zu vereinen: das Dunkle und das Helle, das Weite und das Enge, das Monster und das Herz. Kaum passender könnte dabei ihre Künstler*innenselbstbezeichnung sein: Monsterheart ist Programm, seit 2011 bis in die Gegenwart. Und es ist erfreulich zu bemerken, in welche Richtungen sich ein künstlerischer Stempel ausdehnen kann, ohne zu verblassen.

Monsterheart »Melody Maker«

Das Album »Melody Maker« von Monsterheart erscheint am 21. Jänner 2026 bei Siluh Records.

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