Schnitzeljagd zur Wiener Popkultur – »Ganz Wien« eröffnet im Wien Museum

Egal, wie alt du bist, du wirst dich in der neuen Ausstellung des Wien Museums wiederfinden. »Ganz Wien. Eine Pop-Tour« bereitet Wiens jüngere Musikgeschichte sehens- und hörenswert auf.

© Didi Sattmann

Das Wien Museum mit seiner nicht zu übersehenden 60er-Jahre-Patina mag – gerade unter Touristen – nicht der bekannteste aller Ausstellungsorte sein. Dabei ist das Museum aber ein wahres Juwel für Wien-Liebhaber, Stadthistoriker und Freunde ausgefallener Sonderausstellungen. Hier reichen die Themenschwerpunkte von „Sex in Wien“ im Vorjahr bis hin zu einer Schau vor fünf Jahren, die der Arena gewidmet war.

Seine neue Sonderausstellung startet am Donnerstag und nimmt die Entwicklung der Popkultur in Wien und die moderne Populärmusik unter die Lupe. »Ganz Wien. Eine Pop-Tour«, so der Ausstellungstitel, spannt einen recht breiten zeitlichen Bogen, der von den 50er-Jahren bis in die Gegenwart reicht. Dabei offenbart sich eine teilweise mit heftigen Mitteln erstrittene Evolution der Subkultur und wie sich Wien von einer biederen, verschlossenen und unattraktiven Stadt zu einer bunten, vielseitigen und kreativen Metropole entwickelt hat.

Lokale Musikgeschichte

Musiklokale waren in der Nachkriegszeit alles andere als eine Selbstverständlichkeit. »Die wenigen Locations, die sich etablieren konnten, waren ein Zufluchtspunkt und eine Oase wider die Tristesse des städtischen Alltags«, so Michaela Lindinger vom Wien Museum, Co-Kuratorin der Ausstellung. Jede Generation hatte seine Locations, die Treffpunkt der Jugendlichen und Veranstaltungsort von Konzerten waren. Viele dieser Orte leisteten auch einen wichtigen Beitrag zur lokalen Musikgeschichte.

Friedensreich Hundertwasser im Strohkoffer, 1953 © Erich Lessing / Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Elf Stationen, übersichtlich dargestellt auf einem im Eingangsbereich aufgestellten Stadtplan, beleuchten eine Auswahl dieser Lokale, die eine herausragende Rolle in der Jugend- und Popkultur gespielt haben. Angefangen beim Strohkoffer, einem winzigen Kellerlokal unterhalb der heutigen Loosbar, über das Hernalser Vergnügungszentrum (heute bekannt als Metropol) und das U4 der 80er-Jahre bis hin zum Flex, werden die Locations, die Akteure (Betreiber und Musiker) und musikalische Highlights dokumentiert. Keine Frage, dass Künstlerinnen und Künstlern wie Marianne Mendt, Wolfgang Ambros, Georg Danzer, Falco, Hansi Lang, Drahdiwaberl und ihren teils weltweiten Erfolgen entsprechender Platz eingeräumt wird.

Georg Danzer übergibt Frau Josefine Hawelka die Single »Jö schau«, 1975 © Wolfgang Sos

Auch die in Wien gut etablierte elektronische Musikszene wird illustriert: Ausgehend von Werner Geier und seinem Label Uptight Records, werden vor allem die Downbeat-Künstler Kruder & Dorfmeister hervorgehoben, aber auch Produzenten wie Pulsinger & Tunakan oder das Label Mego Records. Die Schnitzeljagd endet schließlich an ihrer letzten Station gleich ums Eck des Museums: am Karlsplatz, wo alljährlich das Popfest stattfindet.

Im U4, 1980er-Jahre © Conny De Beauclair

Eine gelungene Ausstellung, bei der sich immer wieder auch Bezüge zur Gegenwart ergeben: Schön ist etwa zu sehen, dass viele der derzeit erfolgreichen Künstler ihre musikalischen Wurzeln (auch) in der eigenen Stadt haben. Der Humor und die Morbidität von Voodoo Jürgens und Der Nino aus Wien beispielsweise sind schon bei H. C. Artmann bzw. im Art Club zu finden gewesen.

»Ganz Wien. Eine Pop-Tour« ist von 14. September 2017 bis 25. März 2018 im Wien Museum zu sehen.

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